Früherkennung

Experten: „Krebs-Scan“ der HanseMerkur „völlig ungeeignet“

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Ein Hamburger Tchibo-Shop wirbt für die Versicherung der HanseMerkur mit dem Bluttest auf Krebserkennung.

Ein Hamburger Tchibo-Shop wirbt für die Versicherung der HanseMerkur mit dem Bluttest auf Krebserkennung.

Foto: Privat / FUNKE Foto Services

UKE prüft nach Vorwürfen der Krebsgesellschaft Hamburger Studie. Versicherung HanseMerkur und Tchibo halten an Kampagne fest.

Hamburg.  Eine breit beworbene Versicherung zur Früherkennung und ein Bluttest auf Krebserkrankungen sorgen für erhebliche Aufregung bei Ärzten, Medizin-Experten und Patienten. Die Deutsche Krebsgesellschaft teilte dem Abendblatt mit, der von der HanseMerkur für eine Zusatzversicherung angepriesene Test namens PanTum Detect sei „weder zur Früherkennung oder zur Diagnose von Tumorerkrankungen, noch zur Bestimmung der Prognose, noch als Anhaltspunkt für die Entscheidung für oder gegen eine Therapie geeignet“.

Die ausgewiesenen Krebs-Experten bemängeln zudem, dass eine Studie von UKE-Wissenschaftlern, die für die Wirksamkeit des Tests herangezogen wurde, erhebliche Mängel habe. „Für keinen der 5114 Teilnehmer der Studie und für keinen der 151 positiv Getesteten wird der entscheidende Parameter für den Nachweis einer malignen Erkrankung“ erbracht. Heißt: Die Studie zum Krebs-Test führt in die Irre.

Früherkennung: Bluttest auf Krebs zweifelhaft

Der NDR hatte zuerst über die Zweifel an der Versicherung und der Untersuchung berichtet. UKE-Sprecherin Saskia Lemm sagte dem Abendblatt, bisher habe es keine Hinweise darauf gegeben, dass die von einem Unternehmen „fremdfinanzierte“ Studie Mängel habe. Das werde man jetzt überprüfen. Die Uni Hamburg geht außerdem dem Verdacht nach, dass die Studien-Autoren in ihrer ersten Veröffentlichung den Auftraggeber verschleierten. Die Krebsgesellschaft hat „Hinweise, dass die gesamte Studie von der Firma (Zyagnum) finanziert wurde“.

Obwohl die Versicherung für 19,83 Euro pro Monat für einen jährlichen Bluttest und mögliche Folgeuntersuchungen auch über Tchibo vertrieben werden (plus Einkaufsgutschein von 15 Euro im Aktionszeitraum), hat der Kaffee-Konzern das UKE offenbar nicht gefragt, ob es mit dem Namen des renommierten Uniklinikums werben darf. Tchibo verweist gegenüber seinen Kunden auf „verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen, unter anderem am UKE“.

Tchibo: Versicherungsangebot bleibt weiter buchbar

Die HanseMerkur erklärt auf Abendblatt-Anfrage, man nehme die Kritik sehr ernst. Der Test habe laut Studie in acht von zehn Fällen einen Hinweis auf Krebs oder eine Vorstufe belegt. „Bislang wurden an uns keinerlei Erkenntnisse herangetragen, die dieses Ergebnis infrage stellen“, so eine Unternehmenssprecherin. Auf neue Ergebnisse werde man reagieren. Für etwas mehr als die Hälfte aller neuen Krebsfälle gebe es keine Methode zur Früherkennung. Deshalb schlössen Versicherung und Krebs-Scan der HanseMerkur somit eine Lücke zu bekannten Programmen zur Früherkennung.

Bei Tchibo hieß es auf Abendblatt-Anfrage: „Wir nehmen die geäußerte Kritik sehr ernst und stehen dazu mit unserem Partner HanseMerkur in engem Austausch.“ Auf mögliche neue Erkenntnisse werde man reagieren. Das Hamburger Kaffee -und Konsumgüterunternehmen kooperiert nach eigenen Angaben seit 2020 mit der HanseMerkur im Geschäftsfeld Versicherungen. Das Versicherungsangebot bleibe auf Tchi-bos Internetseite weiter buchbar.

Krebsgesellschaft kritisiert: Patienten werden verunsichert

Die Deutsche Krebsgesellschaft hält den Bluttest auf Krebs, den die HanseMerkur und Tchibo anbieten, für medizinisch fragwürdig. In einer wissenschaftlichen Stellungnahme der Onkologie-Experten heißt es zu der Studie, auf die sich die Unternehmen berufen: „In der Summe berichtet die Studie also nicht über einen Nutzen der Untersuchung im Sinne einer Früherkennung und besseren Heilung, sondern die einzigen aus der Studie entnehmbaren wissenschaftlichen Hinweise sind allenfalls das Schadenspotenzial durch eine Verunsicherung bei positiven und unklaren Laborbefunden oder bei unklaren Ergebnissen der Bildgebung und die Strahlenbelastung durch die Untersuchungen.“

Das spielt an auf die möglichen Reaktionen, wenn Menschen einen möglicherweise falschen Krebsverdacht bekommen und verunsichert werden. Gleichfalls geht es um die dann von der Zusatzversicherung vorgesehenen Untersuchungen mit Computertomograf (CT) oder Magnetresonanztomograf (MRT). Die HanseMerkur hält sich zumindest die Neubewertung oder sogar einen Ausstieg offen. So heißt es in einer Stellungnahme: „Sollten hinsichtlich der Studienergebnisse nun anderslautende wissenschaftliche Erkenntnisse zu Tage treten, werden wir diese selbstverständlich prüfen und entsprechend darauf reagieren.“