CDU Hamburg

Hartmut Perschau: CDU trauert um "prägende Persönlichkeit"

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Hartmut Perschau ist am Montag im Alter von 80 Jahren gestorben.

Hartmut Perschau ist am Montag im Alter von 80 Jahren gestorben.

Foto: Andreas Laible

Der ehemalige CDU-Fraktionsvorsitzende und Bürgermeisterkandidat ist am Montag im Alter von 80 Jahren gestorben.

Bremen/Hamburg. Dreimal nahm Hartmut Perschau als CDU-Spitzenkandidat Anlauf, einen sozialdemokratischen Bürgermeister bei einer Bürgerschaftswahl zu stürzen – doch vergeblich. Er unterlag Klaus von Dohnanyi 1986 und 1987 sowie Henning Voscherau 1991. Ein exekutives Amt bekleidete Perschau in Hamburg nie. Der Sprung in Regierungsverantwortung gelang dem Mann mit dem schneidigen Auftritt später in Sachsen-Anhalt und in Bremen. Dort ist Hartmut Perschau nach schwerer Krankheit im Alter von 80 Jahren am Montag gestorben, wie der CDU-Landesverband mitteilte.

Der in Danzig geborene und in Hamburg aufgewachsene Perschau hat die Hamburger CDU, deren Mitglied er 1970 wurde, von Mitte der 70er- bis in die 90er-Jahre politisch geprägt. Seinen größten Erfolg feierte Perschau, als er als Bürgermeisterkandidat 1986 seine in Hamburg beinahe traditionell oppositionelle Partei zur stärksten Kraft machte.

Hartmut Perschau: Er konnte auch austeilen

Die CDU lag mit aus heutiger Sicht sensationellen 41,9 Prozent hauchdünn vor der SPD, die auf 41,7 Prozent kam. Ein halbes Jahr lang stellte die CDU mit Martin Willich den Bürgerschaftspräsidenten, ehe die berüchtigten „Hamburger Verhältnisse“ – der SPD-Senat blieb im Amt, weil gegen ihn die von der damaligen Verfassung erforderte Mehrheit nicht zustande kam – Neuwahlen erzwangen. Beim zweiten Aufeinandertreffen mit Dohnanyi hatten Perschau und die CDU das Nachsehen.

Es war eine Zeit des durchaus heftigen politischen Schlagabtauschs, der auch ins Persönliche gehen konnte. Nach einer lebhaften Debatte über den Länderfinanzausgleich bezeichnete Klaus von Dohnanyi den Oppositionschef Perschau wenig schmeichelhaft als „das kleinste Karo, das mit bloßem Auge noch zu erkennen ist“. Auch Hartmut Perschau konnte bisweilen austeilen, sagte aber einmal über sich selbst: „Das Maß meiner Eitelkeit ist überschaubar.“

Perschau engagierte sich weiter in der CDU

Perschaus innerparteilicher Aufstieg begann in den 70er-Jahren unter der Ägide des langjährigen und umstrittenen Landesvorsitzenden Jürgen Echternach, den er 1981 als Fraktionsvorsitzender in der Bürgerschaft ablöste. Dem Landesparlament gehörte Perschau, der das Militärisch-Zackige gelegentlich nicht ganz verbergen konnte, von 1974 bis 1989 an. Sein politischer Schwerpunkt war die innere Sicherheit – ein Bereich, in dem die regierenden Sozialdemokraten in der Hochphase der Auseinandersetzung um die besetzten Häuser an der Hafenstraße reichlich Angriffsfläche boten.

Nach einem Intermezzo als Mitglied des Europäischen Parlaments (von 1989 bis 1991) brachte die deutsche Einheit für Perschau ein politisches Comeback auf Landesebene. Der damalige Ministerpräsident Sachsen-Anhalts, Werner Münch (CDU), holte den versierten Hamburger als Innenminister in seine Regierung. Perschau blieb bis zum Rücktritt Münchs 1993 im Amt, engagierte sich aber weiter in der CDU des neuen Bundeslandes – unter anderem als stellvertretender Landesvorsitzender.

Perschau trat wegen Krebserkrankung 2004 zurück

Schließlich wurde Bremen die politische Heimat des CDU-Politikers: Von 1995 bis 2004 war Perschau zunächst Wirtschafts- und dann zusätzlich auch Finanzsenator. Von 1997 an rückte er als stellvertretender Bürgermeister an die Seite des damaligen Bürgermeisters und Präsidenten des Senats, Henning Scherf (SPD). Wegen einer Krebserkrankung trat er 2004 von seinen Regierungsämtern zurück. Nach seiner Rückkehr in die Politik 2005 führte er die CDU-Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft bis Ende 2009.

„Hartmut Perschau war eine der prägenden Persönlichkeiten unserer Hamburger CDU. So hat er zum Beispiel die innenpolitische Ausrichtung der CDU mit einer konsequenten Haltung vorangebracht“, sagte CDU-Landeschef Christoph Ploß. Auf seine klaren Worte sei stets Verlass gewesen – „das galt im politischen Tagesgeschäft ebenso wie in den zahlreichen Freundschaften, die er pflegte“.

Hartmut Perschau: CDU trauert um den Politiker

„Hartmut Perschau hat sich mit seiner herausragenden Lebensleistung um Hamburg und Deutschland verdient gemacht“, sagte CDU-Bürgerschafts-Fraktionschef Dennis Thering. Hartmut Perschau hinterlässt seine Frau.