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Elektroautos: Hamburg ist bundesweit auf dem letzten Platz

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Laden statt tanken: Auch in Hamburg gibt es immer mehr E-Autos. Bei den Neuzulassungen fällt die Stadt aber weit zurück.

Laden statt tanken: Auch in Hamburg gibt es immer mehr E-Autos. Bei den Neuzulassungen fällt die Stadt aber weit zurück.

Foto: Marcelo Hernandez / HA

In allen anderen Bundesländern wurden zuletzt mehr E-Autos zugelassen. Ist der Ausbau der Ladeinfrastruktur zu langsam?

Hamburg. Der rot-grüne Senat präsentiert Hamburg gerne als bundesweiten Vorreiter bei der Einführung der Elektromobilität und anderer alternativer Antriebe. Neue Zahlen des Kraftfahrtbundesamts (KBA) weisen allerdings in eine andere Richtung. Zwar steigt der Anteil von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben demnach bundesweit schnell. In Hamburg waren im Dezember 2021 bereits 41,3 Prozent aller neu zugelassenen Autos mit Elektro-, Hybrid-, Wasserstoff- oder Gasantrieb ausgestattet.

In absoluten Zahlen: Von 7343 im Dezember in Hamburg neu zugelassenen Pkw waren 3034 mit solchen alternativen Antrieben ausgestattet. 1035 davon waren reine E-Fahrzeuge, 782 Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge, 1190 Hybrid-Fahrzeuge, 26 hatten einen Gas- und ein Pkw einen Wasserstoffantrieb.

Elektroautos: Hamburg ist Letzter

Doch was sich zunächst sehr ordentlich anhört, bringt Hamburg im bundesweiten Vergleich auf den letzten Platz. Denn: In allen anderen Bundesländern lag der Anteil alternativer Antriebe bei den Neuzulassungen im Dezember höher als in der angeblichen E-Mobilitäts-Hauptstadt Hamburg. Beim Spitzenreiter Berlin waren bereits 62,7 Prozent der neu zugelassenen Autos keine klassischen Verbrenner mehr, in Bremen waren es 56,9 Prozent, und selbst Thüringen lag als Tabellenvorletzter mit 45,2 Prozent deutlich vor Hamburg. Für ganz Deutschland lag der Anteil der Pkw mit alternativem Antrieb an den Neuzulassungen im Dezember bei 52,4 Prozent.

Nun könnte man vermuten, dass Sondereffekte Hamburg die Dezemberbilanz verhagelt haben. Das scheint aber nicht so zu sein. Denn auch in der Zulassungsstatistik für das gesamte vergangene Jahr steht Hamburg schlecht da. 32,9 Prozent der neu zugelassenen Autos waren im Hamburg in 2021 mit alternativen Antrieben ausgestattet.

Auch hier waren alle anderen Bundesländer besser. In Berlin war mit 49,1 Prozent im gesamten Jahr 2021 schon fast jedes zweite Auto kein Verbrenner mehr – während es in Hamburg nicht einmal jedes dritte war. Bremen kam auf eine Quote von 44,4 Prozent und selbst Mecklenburg-Vorpommern schnitt als Vorletzter mit 35,7 Prozent immer noch ein gutes Stück besser ab als Hamburg.

Elektroautos: Wo Hamburg mit Berlin gleichauf liegt

Warum alle anderen Bundesländer plötzlich bei der Zulassung von Nicht-Verbrennern an Hamburg vorbeiziehen, kann man sich im Senat angeblich nicht erklären. Die für E-Mobilität zuständige Wirtschaftsbehörde verweist darauf, dass Hamburg beim Bestand im Vergleich mit anderen Bundesländern nach wie vorne liege. Hamburg sei beim Anteil der zugelassenen E-Fahrzeuge am gesamten Fahrzeugbestand Spitzenreiter in Deutschland, sagte Behördensprecherin Susanne Meinecke.

Betrachtet man auch hier den Anteil aller alternativen Antrieb und zieht die aktuellsten Zahlen des Kraftfahrtbundesamts heran, so scheint die Spitzenposition Hamburgs allerdings auch beim Bestand zu wackeln. Zwar lag Hamburg mit einem Anteil von 6,7 Prozent Pkw mit alternativem Antrieb am gesamten Bestand nach den Daten vom 1. Oktober 2021 vor fast allen anderen Bundesländern. Aber Berlin liegt jetzt gleichauf. Auch in der Bundeshauptstadt sind 6,7 Prozent aller registrierten Autos mit Elektro-, Hybrid, Gas- oder Wasserstoffantrieb ausgestattet.

In absoluten Zahlen liegt Berlin mit 83.792 solcher Fahrzeuge aufgrund seiner Größe deutlich vor Hamburg mit 54.927. Sollte Hamburg bei den Neuzulassungen auch weiterhin so deutlich hinter allen anderen Ländern liegen, dürfte es mit der Spitzenposition im Bestand auch bald vorbei sein.

Der ADAC vermutet, dass Anmeldungen von Carsharing-Firmen und Corona bei der jüngsten Entwicklung eine Rolle spielen könnten. Die Neuzulassungen seien 2021 in Hamburg insgesamt um ein Viertel zurückgegangen, sagte ADAC-Hansa-Sprecher Christian Hieff. „Firmen haben aufgrund der Corona-Belastungen Investitionen aufgeschoben, und die Autoindustrie hat aufgrund der Halbleiterkrise besonders bei den Elek­trofahrzeugen massive Lieferschwierigkeiten.“ Gerade Firmen nutzen Autos mit alternativen Antrieben häufig.

Wird Hamburg bei E-Autos „durchgereicht“?

Von anderer Seite heißt es, Hamburg drohe auch beim Ausbau des Ladeinfrastruktur zurückzufallen – und die sei ein wichtiges Kriterium für Autokäufer. Laut einer Senatsantwort auf eine CDU-Anfrage waren bis November im Jahr 2021 gerade einmal 40 neue einfache AC-Ladesäulen in der Stadt installiert worden.

Von den DC-Säulen mit höherer Leistung und kürzeren Ladezeiten wurde bis dahin in 2021 gar keine neue aufgebaut. Von den 55 schnellen DC-Säulen waren 30 defekt und daher ganz oder teilweise außer Betrieb. Die Reparaturzeiten schwanken laut Senatsantwort zwischen einer Woche und sechs Monaten. Die CDU hatte gewarnt, der Ausbau gehe zu langsam und Hamburg werde bei der E-Mobilität „nach hinten durchgereicht“.

Insgesamt gibt es derzeit laut Wirtschaftsbehörde 1017 öffentliche Ladepunkte und 384 öffentlich zugängliche Ladepunkte auf privatem Grund, etwa an Tankstellen, Supermärkten oder Parkplätzen. Bis 2025 soll es 2000 öffentliche Ladepunkte geben.