Universität Hamburg

Master Kriminologie steht vor dem Aus – Geld für Lehre fehlt

| Lesedauer: 3 Minuten
Die Universität Hamburg wird für den Masterstudiengang Internationale Kriminologie schon bald die letzten Studierenden zulassen.

Die Universität Hamburg wird für den Masterstudiengang Internationale Kriminologie schon bald die letzten Studierenden zulassen.

Foto: Marcelo Hernandez / Funke Foto Services

Schon bald werden die letzten Studierenden der Internationalen Kriminologie zugelassen. Zwei Posten sollen nicht nachbesetzt werden.

Hamburg. Es ist eine Entscheidung, die für Ärger und Bedrückung bei Studierenden und Absolventen sorgt: Zum Wintersemester 2022/23 will die Uni Hamburg letztmalig Studierende in dem Masterstudiengang Internationale Kriminologie zulassen. Durch das altersbedingte Ausscheiden von zwei hauptamtlich Lehrenden gebe es „perspektivisch keine ausreichenden Lehrkapazitäten“ mehr, um den Studiengang fortzuführen, teilte die Hochschule auf Anfrage mit.

Zwar spricht das Präsidium von einem „vorläufigen Zulassungsstopp“ für Studierende, erklärt anschließend allerdings, eine Wiederbesetzung der für den Lehrbetrieb nötigen Posten werde „nach den bisherigen Planungen nicht erfolgen“. Es könnten nicht neue Lehrende eingestellt werden, „wenn das Budget bereits anderweitig verplant wurde aufgrund strategischer Entscheidungen“.

Uni Hamburg: Master der Kriminologie eingestampft

Vor allem auf Twitter häufen sich Reaktionen. „Ich bin traurig und fassungslos, wieso ein Studiengang, der ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland besitzt und über die Grenzen bekannt ist, eingestampft wird“, schrieb etwa Christian Wickert, Professor für Soziologie und Kriminologie an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen. Der Forscher hatte von 2006 bis 2009 Kriminologie an der Uni Hamburg studiert.

Eine Initiative aus ehemaligen und aktuellen Studierenden, die unter dem Namen „Care4Criminology“ twittert, hofft noch auf den Erhalt des Studiengangs. Man müsse „anerkennen, dass die Universität derzeit mit einer massiven Unterfinanzierung zu kämpfen hat, die vor allem die Lehre trifft“, schrieb die Gruppe – und kündigte an, ihren Protest „an die verantwortlichen Vertreter*innen in der Politik“ heranzutragen.

Uni Hamburg: Genügend Lehrangebote bis 2028

Christine Hentschel, Professorin für Kriminologie an der Uni und zuständige Programmdirektorin, twitterte, für den Studiengang gebe seit Langem zu wenig Personal und Geld. „Dieser Zustand ließ sich in den letzten Jahren auch trotz unserer intensiven Bemühungen nicht verbessern.“ Das Uni-Präsidium erklärte, es werde für alle Studierenden und solche, die sich noch bis zum Wintersemester 2022/23 einschreiben, bis 2028 Lehrveranstaltungen „in ausreichendem Umfang“ geben, „damit diese Studierenden im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben ihren Abschluss machen können“.

Die Kriminologie sei „die Disziplin, die Gesellschaft von ihren Rändern und Abgründen, den Verletzungen und Bedrohungen her betrachtet“ heißt es auf der Internetseite der federführenden Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Die Studierenden sollen lernen, Kriminalität nicht nur unter rechtlichen Gesichtspunkten zu untersuchen, sondern vor allem sozialwissenschaftlich – diese interdisziplinäre Ausrichtung macht die Besonderheit des Masterstudiengangs aus. Absolventen könnten in der Forschung arbeiten, aber auch in leitenden Positionen in der Justiz-, Innen- und Sozialverwaltung.