Digitalisierung

CDU: Hamburg verliert Anschluss bei Start-up-Firmen

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Digitalcampus Hammerbrooklyn: Hier sollen sich auch Start-ups ansiedeln. Noch steht es um sie in Hamburg laut CDU nicht optimal.

Digitalcampus Hammerbrooklyn: Hier sollen sich auch Start-ups ansiedeln. Noch steht es um sie in Hamburg laut CDU nicht optimal.

Foto: Andreas Laible

Wirtschaftsrat-Analyse sieht Stadt bei Förderung für Gründer zurückfallen. Kritik an möglichem Abbau von Informatik-Studienplätzen.

Hamburg. Zwar hat der Branchenverband Bitkom Hamburg mit Blick auf die Digitalisierung von Verwaltung oder Mobilität gerade wieder zur fortschrittlichsten Stadt Deutschlands gewählt. Deutlich schlechter aber sieht es in anderen Zukunftsbereichen aus, nämlich bei der Förderung junger Firmen mit hohem Innovationspotenzial, sogenannten Start-ups. Hier ist Hamburg weiter gegenüber Berlin und München zurückgefallen. So jedenfalls stellt es der neue Bericht „Digitalwirtschaft in Hamburg 2021“ des CDU-Wirtschaftsrates fest.

Die Investitionen in Start-ups sind in Hamburg demnach zuletzt sogar deutlich zurückgegangenen, während sie in anderen Städten und Bundesländern wuchsen. Berlin habe sich laut „Start-up-Barometer“ der Unternehmensberatung „Ernst & Young“ (E&Y) von Platz vier auf Platz drei im Vergleich aller europä­ischen Städte vorgeschoben, Hamburg dagegen lande „erneut nicht in den Top Ten“ und bleibe auch in Deutschland hinter den Spitzenreitern zurück.

Förderung von Start-ups: Berlin an der Spitze

„Im bundesweiten Ländervergleich finden sich unverändert Berlin, Bayern und Baden-Württemberg an der Spitze, was die finanzielle Förderung von Neugründungen angeht“, schreiben die Autoren der Studie, Peter F. Schmid und Tim Hoffmeister. „Insbesondere München hat sich mit einer spezifischen Stärke im Techbereich als zweiter großer Start-up-Standort in Deutschland fest etabliert: Allein im vergangenen Jahr hat Bayern die Zahl der Transaktionen um 36 Prozent erhöhen können.“

In Hamburg sei die Zahl der Investitionen hingegen um 15 Prozent gesunken. Bereits zum zweiten Mal sei auch das Investitionsvolumen in Hamburger Start-ups gesunken – 2019 um 54 und 2020 um weitere 45 Prozent. Dies stehe „im starken Kontrast zu den Bestrebungen, die Freie und Hansestadt als Digitalstandort zu stärken“.

Lage der Start-ups in Hamburg schlecht?

Als schlechtes Zeichen für die Lage von Start-ups in Hamburg wertet die Untersuchung auch die Aufgabe der Pläne für einen „Innovations-Wachstumsfonds“ im Herbst 2020, der Gründer mit einem Volumen von 100 Millionen Euro unterstützen sollte. Auch gebe es kaum Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräften in diesem Bereich. Während in Berlin zuletzt 21 Prozent der Start-up-Mitarbeiter eine ausländische Staatsbürgerschaft gehabt hätten, seien es in Hamburg gerade einmal sechs Prozent gewesen. Google­ habe zwar seine Deutschlandzentrale in Hamburg, baue sein neues weltweites Datenschutzcenter mit 1500 Mitarbeitern aber nun in München auf.

Zwar loben die Autoren Vorhaben wie die Science-City Bahrenfeld oder den Digitalcampus Hammerbrooklyn. Streit zwischen den Hammerbrooklyn-Organisatoren und andere Probleme dort sähen sie allerdings mit Besorgnis – ebenso wie den aus ihrer Sicht wachsenden Mangel an IT-Fachkräften. Die Zahl der offenen Stellen für Software-Entwickler habe sich auf Karriereplattformen zuletzt stark erhöht.

Nicht genügend Nachwuchskräfte an den Hochschulen

Die Hochschulen seien derzeit nicht in der Lage, für genügend Nachwuchskräfte zu sorgen. Hinzu komme, dass „keine der mehr als 40 staatlichen und privaten Hochschulen in der Hansestadt 2020 genügend Start-up-Gründungen hervorgebracht hat, um in die Bestenliste aufgenommen zu werden.“ Hochschulen seien aber wichtige Keimzellen für Unternehmensgründungen und müssten in diesem Bereich stärker gefördert werden. Nun aber plane die Stadt statt des groß angekündigten Ausbaus des Fachbereichs Informatik den Abbau von Studienplätzen, so die Autoren mit Verweis auf Kritik der Hochschulallianz ahoi.digital und des Fachbereichs aus dem Fe­bruar dieses Jahres. Danach droht der Abbau von 240 Studienplätzen statt ein zunächst geplanter Aufbau auf 660.

Fazit des 20-seitigen Papiers aus dem CDU-Wirtschaftsrat: Hamburg entferne sich zuletzt immer weiter von dem 2017 von Bürgermeister Olaf Scholz verkündeten Ziel, die Stadt zu einem „führenden Informatikstandort auf der nationalen Landkarte“ zu machen und „möglichst viele Spitzentalente“ an Elbe und Alster zu holen. „Vielmehr herrscht Stillstand oder Erwartungen konnten wie bei den IT-Lehrstühlen nicht erfüllt werden – und bei den Start-up-Finanzierungen verliert Hamburg in Deutschland weiter an Boden bzw. spielt international keine Rolle.“