SPD Hamburg

Darum wählt die SPD erstmals eine Doppelspitze

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Andreas Dey
Die künftige Doppelspitze: Nils Weiland und Melanie Leonhard.

Die künftige Doppelspitze: Nils Weiland und Melanie Leonhard.

Foto: Christian Charisius / picture alliance / dpa

Ein Rückzug der beliebten Parteivorsitzenden Melanie Leonhard war keine Option. Wer sich für das Amt des Vize-Chefs beworben hat.

Hamburg. Wenn alles läuft wie geplant, wird die Hamburger SPD am Sonnabend eine historische Entscheidung treffen – und sich erstmals eine Doppelspitze geben. Die Wahl der bisherigen Vorsitzenden Melanie Leonhard und ihres Stellvertreters Nils Weiland, die die Partei künftig gemeinsam führen wollen, gilt als sicher – schließlich wurden die Weichen dafür sehr einvernehmlich und mit großem Vorlauf gestellt.

Der Hintergrund: Als Leonhard 2018 nach dem Abgang des bisherigen Bürgermeisters und SPD-Landesvorsitzenden Olaf Scholz nach Berlin dessen Position an der Parteispitze übernahm, war sie bereits Senatorin für Arbeit, Soziales, Familie und Integration. Die größte Behörde (aktueller Etat: mehr als 4,3 Milliarden Euro) und gleichzeitig die mit mehr als 10.000 Mitgliedern größte Partei der Stadt zu führen, galt bereits als Mammutaufgabe.

Doch nach der Wahl 2020 übertrug Bürgermeister Peter Tschentscher Leonhard auch noch zusätzlich den Bereich Gesundheit und damit die Hauptverantwortung für die Bekämpfung der Corona-Pandemie.

SPD-Doppelspitze – wegen Leonhard

Da ein Rückzug der extrem beliebten Parteivorsitzenden für die Genossen keine Option war, wurden andere Wege der Entlastung erörtert – das war ein Grund für die Idee einer Doppelspitze. Im Juni machte ein Parteitag den Weg dafür frei. Und letztlich war es der Landesvorstand um Leonhard selbst, der nun „einvernehmlich“ seinen Personalvorschlag dem Parteitag unterbreitete.

„Die Aufgaben innerhalb aber auch außerhalb der Partei werden immer vielfältiger und erfordern ein hohes Maß an Aufmerksamkeit“, sagte Leonhard. „Daher ist es nur folgerichtig, dass sich auch die Spitze breiter aufstellt, was sich mit Blick auf andere Gremien in unserer Partei bewährt hat.“ Im übrigen arbeite sie „seit Jahren eng und vertrauensvoll“ mit Weiland zusammen. Der 48 Jahre alte Jurist ist bereits seit 2012 Vize-Parteichef. Als Stellvertreter bewerben sich die Bürgerschaftsabgeordneten Ksenja Bekeris und Alexander Mohrenberg sowie der Altonaer Bezirksabgeordnete Mithat Capar – sie wären alle neu im Amt.

Aus der Partei kommt Zustimmung: „Wir haben eine hervorragende Landesvorsitzende und freuen uns, dass sie das Amt in einer Doppelspitze mit Nils Weiland fortführt“, sagte Bürgerschaftsfraktionschef Dirk Kienscherf dem Abendblatt. Ebenso sieht es der Eimsbüttler SPD-Kreisvorsitzende Milan Pein: „Die Doppelspitze mit Nils Weiland ist angesichts der Doppelbelastung von Melanie Leonhard eine gute Lösung.“.