Bundestagswahl

Hamburgs Grüne mit Kampfansage an die SPD

| Lesedauer: 3 Minuten
Jens Meyer-Wellmann
Katharina Fegebank plädierte für mehr Themenvielfalt bei den Grünen: Die Partei müsste auch in Politikfeldern wie Wirtschaft und soziale Gerechtigkeit wahrgenommen werden.

Katharina Fegebank plädierte für mehr Themenvielfalt bei den Grünen: Die Partei müsste auch in Politikfeldern wie Wirtschaft und soziale Gerechtigkeit wahrgenommen werden.

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Beim ersten kleinen Parteitag nach der Wahl feiern die Delegierten ihr (Hamburger) Ergebnis – und blicken nach vorn.

Hamburg. Zwei Tage nach der Bundestagswahl haben sich Hamburgs Grüne am Dienstagabend im Bürgerhaus Wilhelmsburg zu einer ersten Auswertung der Ergebnisse getroffen – und sich dabei vor allem selbst gefeiert. „Herzlichen Glückwunsch an uns alle!“, rief Parteichefin Maryam Blumenthal in ihrer Begrüßungsrede den 31 Delegierten des Landesausschusses zu.

Sie betonte, dass das Plus von elf Prozent auf 24,9 Prozent der Zweitstimmen und die erstmals errungenen zwei Direktmandate in Hamburg der Partei Rückenwind gebe – gratulierte den neuen Bundestagsabgeordneten und dankte allen Wahlkämpfern.

Bundestagswahl: Grüne danken ausscheidenden Abgeordneten

Die Partei hatte im Bund das Ziel, stärkste Partei zu werden, bekanntlich deutlich verfehlt – in Hamburg verzeichneten die Grünen aber wie schon 2017 das beste Ergebnis aller Bundesländer bei den Zweitstimmen. Der Abstand gegenüber der SPD, die diesmal 29,7 Prozent erreichte, wurde geringer als 2017.

Besonders langen Applaus gab es, als Blumenthal dem langjährigen Hamburger Bundestagsabgeordneten Manuel Sarrazin dankte, der es nicht wieder in den Bundestag geschafft hatte – und als die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank der ebenfalls ausscheidenden langjährigen Hamburger Abgeordneten Anja Hajduk dankte.

Fegebank: Grüne müssen "thematisch weiter ausgreifen"

Wie schon Blumenthal betonte auch Fegebank, dass die Grünen in Zukunft „thematisch weiter ausgreifen“ müssten. Auch Politikfelder wie Wirtschaft oder soziale Gerechtigkeit müssten mit den Grünen verbunden werden. Zudem sei es wichtig, dass man künftig auch Menschen über 60 Jahre erreiche – ab diesem Alter gebe es eine „regelrechte Abbruchkante“ bei der Zustimmung für die Grünen. „Da haben wir eine Aufgabe“, sagte Fegebank.

Um für noch mehr Menschen wählbar zu werden, sollten Grüne auf eine neue „3G-Regel“ setzen und „gemeinsam geschlossen und gut gelaunt“ in die nächsten Jahre gehen.

Kampfansage an SPD: Grüne wollen "Platz 1 in Hamburg"

Zuvor hatte Parteivize Leon Alam eine indirekte Kampfansage an die SPD gerichtet. Das Ergebnis der Bundestagswahl gebe den Grünen so viel Kraft, dass sie 2024 bei Bezirks- und Europawahl und 2025 bei der Bürgerschaftswahl „wieder um Platz 1“ in Hamburg kämpfen wollten, so Alam.

Wichtig sei es dafür „an unseren Inhalten weiterzuarbeiten und unsere Erzählung für die Zukunft unserer Stadt zu schärfen“. Dazu müsse man „raus aus der Bubble“ und stärker in äußeren Stadtteilen wirken.

Farid Müller mahnt: Hamburg ist polarisiert

Der Bürgerschaftsabgeordnete Farid Müller bekräftigte, dass es wichtig sei, stets auch die Sicht von außen nachzuvollziehen, nicht nur die der eigenen Parteifreunde. Was passiere, wenn das nicht gelinge, sehe man an Hamburgs CDU und deren Landeschef Christoph Ploß.

Die Stadt sei polarisiert, so Müller. Es gebe für Grüne auch kulturelle Barrieren zu überwinden. Bürgerschaftsfraktionschef Dominik Lorenzen wertete das Wahlergebnis als starke Motivation. Die Grünen würden auch in der Hamburger Koalition „noch härter streiten“ für grüne Positionen, etwa beim Klimaschutz.