Bundestagsabgeordnete

Grünen-Politikerin Anja Hajduk zieht sich zurück

Anja Hajduk, Grünen-Politikerin und stellvertretende Fraktionschefin im Bundestag, zieht sich zurück (Archivbild).

Anja Hajduk, Grünen-Politikerin und stellvertretende Fraktionschefin im Bundestag, zieht sich zurück (Archivbild).

Foto: Bündnis 90/Die Grünen

Die Grünen-Fraktionsvizin möchte nicht erneut für den Bundestag kandidieren. Was sich die Hamburgerin nun wünscht.

Hamburg. Die Hamburger Grünen verlieren ihr prominentestes Gesicht in Berlin: Anja Hajduk, derzeit stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, wird 2021 aus dem Parlament ausscheiden. Dem Abendblatt sagte sie: „Nach reichlichen Überlegungen habe ich entschieden, bei der kommenden Bundestagswahl nicht wieder für den Deutschen Bundestag zu kandidieren.“

Zum Zeitpunkt der Wahl im Herbst 2021 werde sie seit 24 Jahren verschiedene politische Rollen und Mandate ausgeübt haben. „Das war eine unglaublich intensive, vielseitige und bereichernde Zeit. Für meine nächste Berufsphase wünsche ich mir jedoch eine neue Herausforderung in einem anderen Umfeld.“

Anja Hajduk: Bürgerschaft, Bundestag, Senatorin

Hajduk hat so ziemlich alles gemacht und erreicht, was eine Hamburger Politikerin erreichen kann: Von 1997 bis 2002 gehörte sie der Bürgerschaft an, wechselte dann von 2002 bis 2008 erstmals in den Bundestag – wobei sie parallel auch Landesvorsitzende ihrer Partei war. Diese Funktionen gab sie auf, um 2008 Stadtentwicklungssenatorin im ersten schwarz-grünen Senat unter Ole von Beust (CDU) zu werden.

In dieser Zeit musste sie das neue Kohlekraftwerk Moorburg genehmigen, das die Grünen im Wahlkampf noch vehement bekämpft hatten. Hajduks Behörde verhängte zwar harte Umweltauflagen, hatte aber keine rechtliche Handhabe, den Bau zu verhindern. Dass der Betreiber Vattenfall kürzlich verkündet hat, das unrentable Kraftwerk eventuell schon 2021 stillzulegen, sieht sie als Bestätigung ihr damaligen Auffassung, dass Kohleverfeuerung keine Energieversorgung der Zukunft ist.

Hajduks größte politische Niederlage

Obwohl Hajduk es bis heute als großen Erfolg betrachtet, 2008 die bundesweit erste schwarz-grüne Landesregierung geschmiedet zu haben, forcierte sie Ende 2010 dennoch den Ausstieg aus der Koalition – weil sie unter dem neuen Bürgermeister Christoph Ahlhaus keine Zukunft für das Bündnis sah.

Stattdessen setzten die Grünen darauf, dass es nach Neuwahlen zu einer rot-grünen Koalition unter Olaf Scholz kommen würde. Dass dieser dann aber im Februar 2011 die absolute Mehrheit holte und die Grünen unter ihrer Spitzenkandidatin Hajduk in die Opposition mussten, war ihre wohl größte politische Niederlage.

Hajduk hat Ruf als Finanzexpertin und glänzende Rednerin

Zwei Jahre lang festigte sie in der Bürgerschaft ihren Ruf als Finanzexpertin und glänzende Rednerin, bevor sie 2013 erneut in den Bundestag einzog. Dort war sie Mitglied im Haushaltsausschuss, parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion und zuletzt stellvertretende Fraktionsvorsitzende.

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Wo die studierte Psychologin und passionierte Sängerin künftig ihren beruflichen Schwerpunkt setzen wird, lässt sie noch offen. Aber der Politik wolle sie auf jeden Fall verbunden bleiben, betont die 57-Jährige: „Dies ist ein Abschied aus dem Parlament, aber kein Abschied von den Grünen.

So freue ich mich sehr, dass es uns im Hamburger Landesverband im Frühjahr gelungen ist, so ein gutes Wahlergebnis und eine erfolgreiche Regierungsbeteiligung zu erzielen, und daran habe ich sehr gern mitgewirkt.“

"Wir Grüne haben noch viel vor"

Mit genau so großer Lust und großem Ehrgeiz werde sie ihr Mandat als stellvertretende Fraktionsvorsitzende bis zum Ende der Legislaturperiode ausüben: „Denn wir Grüne haben noch viel vor.“

Wer an Hajduks Stelle die Hamburger Grünen als Spitzenkandidatin in die Bundestagswahl 2021 führen wird, ist völlig unklar. Bislang hat nur der frühere Justizsenator Till Steffen Interesse an einem Mandat in Berlin durchblicken lassen. Da aber mit Manuel Sarrazin der bisherige zweite Abgeordnete aus Hamburg ein Mann ist, fehlt noch eine weibliche Kandidatin – dass die Grünen mit zwei Männern an der Spitze antreten, gilt als ausgeschlossen.