Covid-19

Hamburg schafft Testzentren und droht Corona-Simulanten

Coronavirus in Hamburg: Laut Prof. Jonas Schmidt-Chanasit könnten sogar „Corona-Zentren“ in beschlagnahmten Gebäuden nötig sein.

Coronavirus in Hamburg: Laut Prof. Jonas Schmidt-Chanasit könnten sogar „Corona-Zentren“ in beschlagnahmten Gebäuden nötig sein.

Foto: dpa Picture-Alliance / Daniel Bockwoldt / picture alliance / dpa

Deutlich mehr Infizierte gezählt. Mobile Testeinheit kommt. Hamburg plant wegen des Coronavirus einschneidende Maßnahmen.

Hamburg. In Hamburg hat sich die Zahl der mit dem neuartigen Coronavirus infizierten Menschen weiter deutlich erhöht. Wie Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Dienstag sagte, seien 52 weitere Fälle bekannt geworden. Damit habe sich die Zahl auf 312 erhöht. Gleichzeitig plant der Senat einschneidende Maßnahmen, will die Test-Kapazität erhöhen und droht den Simulanten und Täuschern in der Corona-Krise.

Von den Infizierten seien zehn im Krankenhaus und sechs auf der Intensivstation, hieß es. Die meisten "Ketten" von Ansteckungen seien nachvollziehbar. Diese Menschen hätten sich in Risikogebieten aufgehalten. Einige hätten sich aber auch offenbar in Hamburg bei bereits Erkrankten infiziert. Aufgrund des Ferienendes erwartet der Senat weiter steigende Fallzahlen.

Coronavirus: Neue Testzentren und mobile Einheiten

Prüfer-Storcks kündigte weitere einschneidende Maßnahmen für Hamburg an. So sollen sieben Testzentren außerhalb von Krankenhäusern eingerichtet werden. Außerdem, so sagte die Senatorin und zuvor auch Bürgermeister Peter Tschentscher, würden die Hotlines verbessert. Die Behörde hatte die Telefonnummer 040 428 284-000 geschaltet sowie eine Webseite mit Informationen für die Bürger eingerichtet. Dort sind alle Informationen zu erhalten.

Coronavirus – Zahl der infizierten Hamburger steigt deutlich

Wer bei der Polizei, der Feuerwehr oder im Gesundheitswesen arbeitet und derzeit in häuslicher Isolation ist, kann sich schneller auf das Coronavirus testen lassen. Hamburg will dazu drei mobile Testeinheiten in Betrieb nehmen. Wer negativ ist, kann dadurch schnell wieder zur Arbeit. Auch Beschäftigte von Schulen und Kitas zählen dazu. "Die Testungen erfolgen ausschließlich auf Anfrage und über Vermittlung des Arbeitgebers. Die Kosten über 59 Euro pro Test tragen die Einrichtungen und Unternehmen", so die Behörde.

Hamburg fordert außerdem Ärzte im Ruhestand sowie Medizinstudenten auf, sich freiwillig zur Bewältigung der Corona-Krise zu melden.

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Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das Sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Hände waschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten, die Infektionssymptome zeigen
  • Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind überflüssig – sie können sogar umgekehrt zu Nachlässigkeit in wichtigeren Bereichen führen

Hamburg: Arztruf 116 117 wegen Corona überlastet

Der Arztruf der Kassenärztlichen Vereinigung 116 117 ist derzeit komplett überlastet. Was Ärzte raten, lesen Sie hier. Wie es hieß, würden sich Menschen beim Arztruf melden, die Symptome schilderten und aus Risikogebieten gekommen seien. Vor Ort stellten Ärzte und Helfer, die mit großem Schutzaufwand kommen, dann jedoch fest, dass nicht einmal diese Symptome wirklich existierten.

Die Behörde drohte: "Sollte sich im Gespräch mit dem Arztruf der Verdacht auf eine Erkrankung an Covid-19 erhärten, wird ein mobiles Testteam entsandt und nur dann werden die Kosten von den Krankenkassen getragen." Heißt: Täuscher tragen die Einsatzkosten selbst.

Besondere Maßnahmen für ältere Hamburger

Corona-Lage in Hamburg: Peter Tschentschers Appell

Hamburg will für Senioren, die besonders vom Coronavirus bedrohte Gruppe, einen neuen Service organisieren, in den zum Beispiel die Wohlfahrtsverbände und auch das Deutsche Rote Kreuz eingebunden sind.

Prüfer-Storcks‘ Behörde hat für die rund 440.000 Hamburger, die älter als 60 Jahre sind, eine neue „Allgemeinverfügung“ beschlossen. Dazu gehört auch, dass Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen, Wohngruppen, Behinderten-Einrichtungen, Unterbringungen für Kinder und Jugendliche besonders geschützt werden.

  • Besucher mit Kontakten zu Covid-19-Patienten oder die aus Risikogebieten zurückgekehrt sind, dürfen diese Einrichtungen nicht betreten.
  • Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren und Menschen mit Atemwegsinfektionen haben ebenfalls keinen Zutritt.
  • Diese Einrichtungen selbst dürfen „maximal eine Besuchsperson für eine Stunde pro Bewohnerin/Bewohner bzw. Patientin/Patient pro Tag zuzulassen. Alle müssen informiert und registriert werden.
  • Wo Besucher Zugang haben, sind Kantinen und Cafeterien zu schließen. Veranstaltungen dort sind ebenfalls verboten.

Krankenhaus-Bewegung warnt vor Kollaps

Noch während Tschentscher und Prüfer-Storcks die Öffentlichkeit informierten, forderten Krankenpfleger und -pflegerinnen, in Hamburg endlich Coronavirus-Testzentren einzurichten. „Wir schauen auf Italien, und wir wissen, mit welcher Wucht uns die Pandemiewelle treffen wird“, sagt Karl-Heinz Fernau, Krankenpfleger und ein Vertreter Hamburger Krankenhausbewegung, einem Zusammenschluss der Gesundheits- und Krankenpfleger.

Fernau und seine Kollegen machen in einem dringlichen Appell darauf aufmerksam, dass vorausschauendes Handeln derzeit fehlt und wichtig ist, um eine Situation wie in Italien zu verhindern. Dort sind die Krankenhäuser durch Corona-Patienten überlastet.

„Die Möglichkeit zu massenhaften Tests ist ein entscheidendes Mittel zur Senkung der Infektionsrate“, sagt Fernau. Aber noch immer kämen Menschen in die Notaufnahmen, die drohten, „unter dem Ansturm einfach zusammenzubrechen“. Selbst Krankenhausmitarbeiter würden derzeit nicht immer getestet.

Krankenschwester Sophie Pieske sagte, es gehe darum, „die Last vor allem auf den Hamburger Intensivstationen so gering wie möglich zu halten“. Derzeit seien die Hamburger Krankenhäuser von den Intensiv-Kapazitäten her nicht auf eine Entwicklung wie in Norditalien vorbereitet – nicht wegen der technischen Kapazitäten, sondern wegen des Personalmangels, „den wir seit Jahren anprangern, aber die Politik macht nichts dagegen“, so Fernau.