Bürgerschaftswahl

Analyse: Peter Tschentscher rettete die SPD

Bürgermeister und SPD-Spitzenkandidat Peter Tschentscher.

Bürgermeister und SPD-Spitzenkandidat Peter Tschentscher.

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Das Statistikamt Nord hat Details des Wahlergebnisses untersucht. Auf Tschentscher entfielen allein 649.132 Personenstimmen.

Hamburg. Mit dem amtlichen Endergebnis, das Landeswahlleiter Oliver Rudolf in dieser Woche vorgelegt hat, ist die Bürgerschaftswahl, statistisch gesehen, abgeschlossen. Auch wenn das Ringen um die politischen Konsequenzen der Wählerentscheidung erst jetzt mit dem Start der rot-grünen Koalitionsverhandlungen beginnt: Ein Blick auf die Zahlenreihen der Wahlanalyse, die das Statistikamt Nord jetzt vorgelegt hat, zeigt, dass es einen zentralen Grund dafür gibt, dass der von manchen Sozialdemokraten befürchtete Absturz ihrer Partei ausblieb und die Partei sich mit Abstand als stärkste Kraft behaupten konnte. Und das ist der Bürgermeister und SPD-Spitzenkandidat Peter Tschentscher.

Auf Tschentscher entfielen allein 649.132 Personenstimmen. Das ist mehr als ein Drittel aller Stimmen für die SPD auf der Landesliste, Personen- und Listenstimmen zusammengerechnet. Anders ausgedrückt: Tschentscher kassierte fast so viele Stimmen persönlich wie die SPD als Partei, für die es 662.264 Listenstimmen gab. Oder: Jedes dritte Kreuz, das auf der Landesliste hinter einen Kandidatennamen gesetzt wurde, war ein Kreuz für Tschentscher.

Beachtlich ist auch die Zahl von 213.925 Personenstimmen auf der Landesliste für die Grünen-Spitzenkandidatin, die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank. Die weiteren Spitzenkandidaten folgen mit weitem Abstand: Marcus Weinberg, der auf Listenplatz eins der CDU kandidierte, erreichte 64.669 Personenstimmen, gefolgt von Linken-Spitzenkandidatin Cansu Özdemir mit 38.615 Personenstimmen. Auf FDP-Spitzenkandidatin Anna von Treuenfels, die im Wahlkreis Blankenese das einzige Mandat für die Liberalen errang, entfielen 29.579 Personenstimmen. Dirk Nockemann, der für die AfD auf Platz eins antrat, kam auf 25.718 persönliche Stimmen auf der Landesliste.

Das Duell hat sich auf die Personenstimmen ausgewirkt

Die hohe Stimmenzahl für Tschentscher und auch für Fegebank dürfte ein Beleg für den personalisierten Wahlkampf und nicht zuletzt die Zuspitzung auf das „Duell“ zwischen den beiden sein, wobei insbesondere die SPD vom Amtsbonus Tschentschers profitiert hat. So war es übrigens auch bei Tschentschers Vorgänger Olaf Scholz (SPD), dem heutigen Bundesfinanzminister und Vizekanzler. Die SPD hat als Folge der Beliebtheit des Ersten Bürgermeisters als einzige Partei bei der Bürgerschaftswahl mehr Personenstimmen (56,5 Prozent) als Listenstimmen erhalten.

In den 17 Wahlkreisen können die Hamburgerinnen und Hamburger ausschließlich Kandidierende wählen, keine Parteilisten. Die höchste Stimmenzahl aller Wahlkreiskandidaten hat dabei Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) mit 80.224 Voten im Wahlkreis Alstertal/Walddörfer erzielt. Auf den weiteren Plätzen folgen: Grünen-Bürgerschaftsfraktionschef Anjes Tjarks mit 59.777 Stimmen (Wahlkreis Altona), die erstmals gewählte Grünen-Abgeordnete Als­ke Freter mit 58.342 Stimmen (Barmbek/Uhlenhorst/Dulsberg) und Grünen-Landeschefin Anna Gallina mit 56.966 Stimmen (Rotherbaum/Harvestehude/Eimsbüttel).

Unterschiedlich große Wahlkreise

Der CDU-Wahlkreiskandidat mit den meisten Personenstimmen ist der designierte CDU-Bürgerschaftsfraktionschef Dennis Thering, der im Wahlkreis Alstertal/Walddörfer auf 53.772 Stimmen kam. Schulsenator Ties Rabe (SPD) setzte sich im Wahlkreis Bergedorf mit 52.711 Stimmen durch. Ähnlich gut schnitten Marc Schemmel (SPD, 52.825 Stimmen) im Wahlkreis Lokstedt/Niendorf/Schnelsen und Sina Imhof (Grüne, 51.716 Stimmen) im Wahlkreis Eppendorf/Winterhude ab.

Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Fegebank kam in ihrem Wahlkreis Fuhlsbüttel/Alsterdorf/Langenhorn „nur“ auf 45.300 Personenstimmen, lag aber vor allen anderen Kandidaten. Zu berücksichtigen ist bei dieser Betrachtungsweise allerdings, dass die Wahlkreise unterschiedlich groß sind.