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Bürgerschaftswahl 2020 begann mit gut gelaunten Hamburgern

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Andreas Dey
Bürgerschaftswahl 2020 in Hamburg: Ein links, ein rechts, ein fallen lassen. Neujahrsempfang des Senats mit Bürgermeister Peter Tschentscher, der Zweiten Bürgermeisterin Katharina Fegebank und CDU-Mann André Trepoll (M.)

Bürgerschaftswahl 2020 in Hamburg: Ein links, ein rechts, ein fallen lassen. Neujahrsempfang des Senats mit Bürgermeister Peter Tschentscher, der Zweiten Bürgermeisterin Katharina Fegebank und CDU-Mann André Trepoll (M.)

Foto: Andreas Laible

Beim Neujahrsempfang des Senats traten Peter Tschentscher und Katharina Fegebank gemeinsam auf – aber auch gegeneinander.

Hamburg. Die ungewöhnliche und spannende politische Lage in Hamburg hat auch den Neujahrsempfang des Senats geprägt. Bis zu zwei Stunden Wartezeit nahmen rund 550 Bürger am Mittwochvormittag in Kauf, um Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und der Zweiten Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) im Turmsaal des Rathauses die Hand zu schütteln, ihnen Neujahrsgrüße zu überbringen oder um ihnen 53 Tage vor der Bürgerschaftswahl ganz konkret den Verbleib im Amt oder aber den Aufstieg dahin zu wünschen.

Dieter Hackbarth begrüßte Tschen­tscher gleich forsch mit der Botschaft, er wolle ihn als Bürgermeister behalten. Warum? „Weil ich ihn sympathisch finde und wegen seiner Politik“, sagte der Wilhelmsburger dem Abendblatt. Allerdings solle sich die SPD noch mehr um soziale Probleme sorgen, zum Beispiel die Bindungsfrist für Sozialwohnungen verlängern, gab Hackbarth dem Senatschef mit auf den Weg. Was er Fegebank gesagt habe? „Sage ich lieber nicht ...“

Bürgerschaftswahl 2020: "Na hoffentlich Frau Fegebank"

Ganz anders Barbara Borrmann, die sich mit der Wissenschaftssenatorin über den gemeinsamen Wohnort Eilbek austauschte. Wen sie sich nach der Wahl am 23. Februar an der Spitze des Senats wünsche? „Na, hoffentlich Frau Fegebank!“ Sie sei froh, dass Themen wie Klimaschutz, Verkehrswende und die Luftprobleme im Hafen endlich auf der Tagesordnung stünden, und die Grünen hätten auf diesen Gebieten nun mal die größte Kompetenz, so Barbara Borrmann. „Außerdem ist sie eine tolle, kluge Frau, und es ist Zeit für eine Bürgermeisterin.“

Eine ältere Dame kleidete ihre Sympathiebekundungen in diplomatische Worte. „Ich wünsche Ihnen, dass sie noch ganz, ganz lange unser Erster Bürgermeister bleiben“, sagte sie zu Tschentscher, um Fegebank dann ebenso freundlich zu wünschen, sie möge „noch lange Zweite Bürgermeisterin“ bleiben.

"Dass Sie noch lange unser Erster Bürgermeister bleiben"

Jürgen und Kristina Zimdars aus Ottensen bekannten hingegen: „Wir wählen seit 40 Jahren die Grünen.“ Sie wünschten sich, dass „Ottensen macht Platz“ verlängert und die Aussperrung des Autoverkehrs auf weitere Teile der Stadt ausgeweitet werde, zum Beispiel die City. Fegebank konnte ihnen dabei im Gespräch Hoffnung machen – und musste nicht einmal hinzufügen, dass das natürlich auch eine Frage des Wahlergebnisses sein wird.

Rot oder Grün? Er oder sie? Dass es beim Neujahrsempfang im Rathaus so politisch zuging, lag an der einmaligen Kon­stellation: Erstmals liegen die beiden Regierungspartner SPD und Grüne in Umfragen nahezu gleichauf (zuletzt kam die SPD auf 28 und die Grünen auf 26 Prozent), und erstmals meldet eine Zweite Bürgermeisterin klar ihre Ansprüche auf das Amt des Senatschefs an. Was wiederum den Amtsinhaber dazu veranlasste, kurz vor dem Jahreswechsel klarzustellen, dass er nicht als Juniorpartner in einer grün-roten Koalition zur Verfügung stehe.

"Ausschließeritis" kann gefährlich werden

Fegebank sagte am Rande des Empfangs, dass man diese Aussage durchaus als generelle Absage der SPD an Grün-Rot verstehen könne und sie sie daher kritisch sehe: „In meinen Augen sind die Zeiten von Ausschließeritis vorbei“, sagte sie dem Abendblatt. „Wir haben nach den letzten Landtagswahlen vor Augen geführt bekommen, was passiert, wenn man zu früh bestimmte Koalitionen ausschließt, nämlich eine Patt-Situation, eine Unfähigkeit, eine Regierung zu bilden. Das ist für eine Demokratie ein ganz schlechtes Signal.“

Allerdings könne sie Tschentschers Haltung auch nachvollziehen: „Welcher amtierende Ministerpräsident oder Bürgermeister sagt schon, ich trete an, um anschließend nur Mitglied in einem Kabinett zu werden. Das wäre nicht sonderlich ambitioniert.“

"Es gehört zur Wahrheit dazu..."

Sie gehe mit „sehr viel Spielfreude“ in den Wahlkampf, setze aber allen harten inhaltlichen Auseinandersetzungen zum Trotz auf einen fairen Umgang, schließlich habe man fünf Jahre lang gut gemeinsam regiert: „Das wäre es komisch, wenn der Erste Bürgermeister und ich jetzt auf einmal auf offener Bühne die Säbel wetzen würden.“

Tschentscher selbst bemühte sich, seine Aussage als rein persönliche Haltung und weniger als parteipolitische Festlegung zu erklären: „Ich habe gesagt, dass ich als Erster Bürgermeister kandidiere und in diesem Amt sehr gern weiter für die Stadt arbeite. Es gehört ja zur Ehrlichkeit und Wahrheit dazu, dass man sagt, was das Vorhaben ist. Alles andere ist etwas, was man nach der Wahl entscheiden muss.“

„Hase & Igel“: CDU überreicht ein ungewöhnliches Geschenk

Von einer persönlichen Konfrontation zwischen ihm und Fegebank wollte er nichts wissen: „Es ist bei demokratischen Wahlen halt manchmal so, dass sich diese Alternativen stellen. Aber wir sind persönlich in einem guten Austausch und freuen uns gemeinsam, wenn unsere Arbeit gewertschätzt wird.“ Tatsächlich gingen der Bürgermeister und seine Herausforderin, wie schon seit Monaten, auch beim Neujahrsempfang gelassen mit der ungewöhnlichen Zuspitzung um.

Jeder der rund 550 Besucher durfte auf Wunsch ein gemeinsames Foto mit den beiden machen, und für jeden war Zeit für ein Pläuschchen – was die Veranstaltung entsprechend in die Länge zog.

Trepoll fürchtet um Aufmerksamkeit für die CDU

Einer, dem die Fokussierung auf das „Duell“ Tschentscher-Fegebank ein Dorn im Auge ist, ist CDU-Fraktionschef André Trepoll. Denn wie die anderen Oppositionsparteien auch, fürchtet die Union um Aufmerksamkeit für ihre Anliegen und Kandidaten. Wie schon in den vergangenen Jahren nutzte der Oppositionsführer daher den Neujahrsempfang, um eine Botschaft in Form eines Geschenks zu überbringen: Diesmal überreichte er Tschentscher und Fegebank je ein „Hase und Igel“-Spiel.

„Die Grünen wollen gern die Hasen sein, die die SPD jagen“, erklärte Trepoll. Die SPD wolle dagegen der Igel sein, der den schnelleren Hasen austrickse und vor ihm ins Ziel komme. Doch das werde alles nichts nützen: „Am Ende wird der schwarze, stachelige Igel die Nase vorn haben.“ Gemeint war seine CDU.

Tschentscher nahm es mit Humor: „So so, Herr Trepoll wünscht sich also, dass Märchen wahr werden ...“