Gesundheit

Bekommen Hamburgs Singles bald ein Rezept gegen Einsamkeit?

Eine Ärztin stellt einem jungen Mann ein Rezept aus (Symbolbild).

Eine Ärztin stellt einem jungen Mann ein Rezept aus (Symbolbild).

Foto: Imago/Panthermedia

Vorbild Großbritannien: CDU will mit spezieller Idee die Gesundheitsrisiken für alleinstehende Menschen in Hamburg senken.

Hamburg.  Dass in mehr als der Hälfte der Hamburger Haushalte nur eine Person lebt, ist bekannt – ebenso die negativen Folgen für den Wohnungsmarkt. Dass diese Form der Einsamkeit sich aber auch auf die Gesundheit auswirken kann, ist bislang weniger beachtet worden. Darauf weist Franziska Rath, sozialpolitische Sprecherin der CDU in der Bürgerschaft hin. Ihre Fraktion beantragt für die Sitzung am Mittwoch, dem Problem mit „sozialen Rezepten“ zu begegnen. Dabei erhalten Patienten auf Rezept zum Beispiel Gymnastikstunden im Gemeindezentrum oder Malkurse verschrieben.

Die Idee stammt aus Großbritannien. Dort sei, ebenso wie in Dänemark, Japan und Australien, Einsamkeit bereits als ein schwerwiegendes Problem für die öffentliche Gesundheit erkannt worden, so der CDU-Antrag. Die Briten hätten 2018 sogar ein Ministerium für Einsamkeit eingerichtet und bereits angefangen, mit „sozialen Rezept“ vorzubeugen.

Einsamkeit erhöht Risiko für Depressionen

„Dass Übergewicht und Rauchen schlecht für die Gesundheit sind, ist inzwischen ein weit verbreitetes Wissen“, sagt Franziska Rath. „Dass aber auch Einsamkeit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen, Demenz und einen frühen Tod erhöht, das ist bisher kaum bekannt. Da der Anteil der Einpersonenhaushalte in Hamburg aber inzwischen bei 54,4 Prozent liegt, muss Einsamkeit als Risikofaktor für die Gesundheit deutlicher in den Fokus genommen werden.“

Zwar sei bei weitem nicht jeder Single auch einsam. Dennoch belegten Studien, dass der Anteil der Menschen, die sich einsam fühlen, zunehme. Auch die Bundesregierung habe kürzlich unter Verweis auf britische Studien eingeräumt, dass dass „Einsamkeit in Bezug auf die Gesamtmortalität so schädlich ist wie Rauchen oder Adipositas“.

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„Dabei muss das gerade in einer Großstadt wie Hamburg nicht sein“, sagt Rath. „In diesem Punkt gibt es unzählige Möglichkeiten, Dinge mit anderen Menschen zu erleben. Gerade Ältere haben hier aber gewisse Hemmungen. Daher fordern wir den Senat auf, die Idee eines sozialen Rezepts aus Großbritannien aufzugreifen und für Hamburg abgewandelt zu nutzen.“

Die meisten Bürgerinnen und Bürger wüssten zwar, dass es Sportvereine, Weiterbildungsmöglichkeiten über beispielsweise die Volkshochschule, die Vermittlung ehrenamtlicher Tätigkeiten über soziale Träger wie Aktivoli und Seniorentreffs gebe, so der CDU-Antrag. Doch oft fehle ihnen der eigene Antrieb, diese Angebote zu nutzen. „Ärzte hingegen werden noch als Autoritäten angesehen, auf die man hören sollte“, heißt es weiter.

Ärztekammer Hamburg soll Leitfaden entwickeln

Der Antrag fordert den Senat daher auf, die Idee des „sozialen Rezeptes“ in Zusammenarbeit mit der Ärztekammer Hamburg aufzugreifen. Unter anderem solle ein vor allem für Hausärzte praxistauglicher, kurzer Leitfaden sowie Flyer für die Bereiche Sport, Weiterbildung, Ehrenamt und Senioren entwickelt und an die infrage kommenden Mediziner verteilt werden.