Nach Chemnitz

Hamburgs AfD attackiert eigene ostdeutsche Parteiverbände

Hamburgs AfD-Vorsitzender Drk Nockemann

Hamburgs AfD-Vorsitzender Drk Nockemann

Foto: HA / Mark Sandten

Parteichef Nockemann fordert Distanzierung von Hassparolen und Pegida. Der AfD-interne Streit wird mit rüden Worten geführt.

Hamburg. Die Vorkommnisse in Chemnitz und die dortige Verbrüderung von Teilen der AfD-Spitze und der Pegida-Bewegung sorgen auch in Hamburg für Aufregung. Mit scharfen Worten hat sich der Hamburger Parteivorsitzende Dirk Nockemann jetzt vom Thüringer Fraktionschef Björn Höcke und dessen Mitstreitern distanziert, die in Chemnitz Seite an Seite mit Pegida-Chef Lutz Bachmann und Rechtsextremisten an einer Demonstration teilgenommen hatten. „Gemeinsame Auftritte von Pegida und AfD Hamburg hat es nie gegeben und wird es nicht geben“, sagte Nockemann dem Abendblatt. „Bachmann ist Gewohnheitsverbrecher. Mit so jemandem arbeitet man nicht zusammen.“

Es dürfe „auf keiner Ebene organisatorische Zusammenarbeit mit Leuten oder Organisationen geben, die den Rechtsstaat bekämpfen“, so Nockemann. „Manche Bilder der jüngeren Vergangenheit waren bedenklich. Mischen sich Hassparolen Grölende in Kundgebungen, ist eine deutliche Distanzierung nötig.“

AfD Hamburg: Keine gemeinsame Sache mit Rechtsradikalen

Der Hamburger AfD-Fraktionschef Jörn Kruse hatte in der ZDF-Sendung „Berlin Direkt“ gesagt, in Chemnitz sei „eine weitere rote Linie überschritten“ worden. „Wir haben immer gesagt, wir machen mit Rechten und speziell mit Rechtsradikalen niemals gemeinsame Sache machen. Da gibt es eine Beschlusslage. Jetzt in Chemnitz ist was anderes passiert“, sagte der Fraktionschef, gegen den die Hamburger AfD-Spitze um Nockemann kürzlich ein Parteiordnungsverfahren wegen seiner wiederholt geäußerten Kritik am Bundesvorsitzenden Alexander Gauland eingeleitet hatte.

Kruse hatte Gauland vorgeworfen, zu nachsichtig gegenüber Radikalen zu agieren und seine Bezeichnung von Drittem Reich und Holocaust als „Vogelschiss der Geschichte“ als katastrophal kritisiert.

Höcke ein "größenwahnsinniger Kleingeist"

Nun ging Kruse erneut hart mit Gauland ins Gericht. „Ich würde sagen, er spinnt“, so Kruse mit Blick auf Äußerungen Gaulands in der "FAZ", in denen dieser eine „friedliche Revolution“ gegen das „politische System“ gefordert hatte. Dabei attackierte Kruse auch Björn Höcke. Dieser schrieb laut ZDF in einem Buch, wenn die „Wendezeit gekommen“ sei, würden die Deutschen „die Schutthalden der Moderne“ beseitigen. Dafür werde „die deutsche Unbedingtheit ... der Garant dafür sein“.

Höcke sei „ein größenwahnsinniger Kleingeist“, so Kruses Einschätzung. „Was Herr Höcke da sagt, geht von der Fiktion aus, Sie könnten einen Umsturz machen. Das ist völliger Schwachsinn.“ Ähnlich kommentierte Kruse Aussagen des Brandenburger AfD-Chefs Andreas Kalbitz, der gesagt hatte, die AfD sei „die Götterdämmerung dieses globalisierten Multikulturalismus“ und „Totengräber der fauligen Reste dieser 68er Zersetzung“. Das erinnere ihn an ganz dunkle Zeiten, so Kruse auf ZDF-Nachfrage. Er wisse noch nicht, ob er trotz dieser Entwicklung in der AfD bleibe.

Hamburgs AfD-Führung kritisiert Kruses Wortwahl

Die Hamburger Parteispitze kritisiert zwar die Entwicklung der ostdeutschen AfD-Verbände um Höcke – zumal sie ihr im liberalen Hamburg massiv schaden könnten. Allerdings stößt auch Kruses Schärfe bei seinen Hamburger Parteifreunden auf Kritik. Die Wortwahl Kruses etwa gegenüber dem Bundesvorsitzenden Gauland sei nicht in Ordnung. Der Ausdruck „spinnen“ gehe nicht, so Hamburgs AfD-Chef Nockemann. „Kritik muss sachlich bleiben."

Alexander Wolf, gemeinsam mit Kruse Vorsitzender der Hamburger AfD-Fraktion, übte ebenfalls Kritik an dessen Wortwahl. "Grundsätzlich zeigen die von Jörn Kruse im ZDF getätigten Aussagen die Vielfalt der Meinungen innerhalb der Volkspartei AfD", sagte Wolf dem Abendblatt. "Fraktion und Partei in Hamburg teilen in der diskutierten Angelegenheit die besonnen-sachliche Kritik, wie sie beispielsweise vom stellvertretenden Bundessprecher Georg Pazderski vorgebracht wurde. Kruses Interviewantworten waren jedoch in Stil, Form und Inhalt weder mit der Hamburger Fraktion noch mit der Partei abgestimmt. Im Hinblick auf das derzeit laufende Parteiordnungsverfahren gegen ihn, werde ich dieses Verhalten derzeit nicht kommentieren.“