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Hamburg bleibt bei Krippenbetreuung Schlusslicht

Faxen machen: Diese Kinder haben Spaß in ihrer Kita

Faxen machen: Diese Kinder haben Spaß in ihrer Kita

Foto: kali9 / Getty Images

Zumindest im Westen. Laut einer Bertelsmann-Studie kommen 5,2 Kinder auf eine Erzieherin. Senat zweifelt Erhebung an.

Hamburg.  Diese Zahlen könnten die Debatte um die Kinderbetreuung in Hamburg erneut anfachen: Der aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge hat Hamburg im Krippenbereich (Kinder bis drei Jahre) weiterhin die Rote Laterne: Demnach kamen 2017 dort auf eine Erzieherin im Schnitt 5,2 Kinder – der schlechteste Wert in Westdeutschland, deutlich schlechter als der Bundesschnitt von 1:4,3 und weit über dem Verhältnis 1:3, das die meisten Fachleute empfehlen. Nur in den ostdeutschen Bundesländern betreuen die Pädagogen noch mehr Krippenkinder.

Hinzu kommt: Seit 2012 (1:5,7) hat sich Hamburg zwar verbessert, aber gegenüber den Vorjahren, als man schon bei 1:5,1 lag, wieder leicht verschlechtert – obwohl der Senat die Ausgaben für die Kinderbetreuung seit Jahren massiv steigert und die Kitabetreiber auffordert, 500 Fachkräfte pro Jahr zusätzlich einzustellen.

Situation im Elementarbereich der Kitas besser

Immerhin: Im Elementarbereich der Kitas, wo die Drei- bis Sechsjährigen betreut werden, macht sich das bemerkbar: Hier hat sich die Betreuungsrelation in den vergangenen Jahren von 1:9,4 auf 1:8,4 verbessert. Damit ist Hamburg besser als der Bundesschnitt von 1:9,1 und nicht mehr weit von der Empfehlung der Fachleute (1:7,5) entfernt. Im Elementarbereich werden in Hamburg mehr als 45.000 Kinder betreut, in den Krippen rund 25.000. Positiv hervorgehoben wird in der Studie, dass in der Hansestadt 52 Prozent der Kitas über angemessene personelle Ressourcen für ihre Leitung verfügen. Bundesweit seien es nur 16 Prozent.

„Die Kitaqualität hat sich bundesweit verbessert – die Kluft zwischen den Ländern ist allerdings geblieben“, konstatierte Bertelsmann-Stiftungsvorstand Jörg Dräger, früher Wissenschaftssenator in Hamburg. Für Hamburg empfiehlt seine Stiftung, dass zu den rund 900 Millionen Euro, die die Stadt jährlich für Kinderbetreuung ausgibt, weitere 171 Millionen Euro nötig wären, um das Personal in den Kitas von jetzt 14.000 auf knapp 18.000 Erzieher zu steigern.

Sozialbehörde kann Daten nicht nachvollziehen

Die Sozialbehörde kann die meisten Daten der Bertelsmänner nicht nachvollziehen. Sie rechnet mit einem „Fachkraftschlüssel“, der sich anders zusammensetzt als der „Personalschlüssel“, den die Stiftung verwendet. Demnach hat sich das Verhältnis von Fachkräften zu Kindern seit 2015 von 1:6,3 auf aktuell 1:5,1 verbessert. Bis zum Jahr 2021 wolle man ein 1:4 erreichen. Um die Forderungen der Stiftung zu erfüllen, seien sogar 7600 zusätzliche Fachkräfte nötig, was rund 350 Millionen Euro im Jahr kosten würde, hieß es aus der Behörde.

Eine ähnliche Auseinandersetzung läuft mit der Volksinitiative „Mehr Hände für Hamburger Kitas“, die unterm Strich etwa 25 Prozent mehr Personal fordert. SPD und Grüne loten derzeit in Verhandlungen eine Einigung aus. Sollte die nicht gelingen, könnte es zu einem Volksentscheid kommen.

Opposition kritisiert Senat und mahnt Verbesserungen an

„Die Bertelsmann-Studie belegt erneut, dass der Senat sein Versprechen der wesentlichen Qualitätsverbesserung in den Kitas gebrochen hat“, sagte Philipp Heißner (CDU). Mehmet Yildiz (Linke) meint: „Es wird höchste Zeit, dass der Senat seine Anstrengungen erhöht – sonst werden wir die Rote Laterne nie los.“ Daniel Oetzel (FDP) sah in der Bertelsmann-Studie „erneut kein gutes Zeugnis“ für den Senat und forderte „eine ehrlichere Berechnung des Betreuungsschlüssels“.

Auch Michael Thierbach vom Landeselternausschuss Kindertagesbetreuung betonte, dass die jetzt ermittelten Werte „das tatsächliche Betreuungsverhältnis im Kitaalltag in der Regel nicht widerspiegeln“. Mit Blick auf die Hamburger Krippen verwies er auf Schleswig-Holstein: Dort müsse sich eine Erzieherin um 3,7 Kinder kümmern – das sind 1,5 weniger als in Hamburg.