Umfrage

Wie Hamburgs Bürger Tschentschers Arbeit bewerten

Peter Tschentscher ist seit 28. März Hamburgs Erster Bürgermeister

Peter Tschentscher ist seit 28. März Hamburgs Erster Bürgermeister

Foto: Malte Christians / dpa

Fast jeder Dritte kann sich noch kein Urteil über den neuen Bürgermeister bilden. Wohnen und Verkehr sind die wichtigsten Themen.

Hamburg.  Es ist das erste Umfrageergebnis für Peter Tschentscher (SPD) in seinem Amt als Hamburgs Erster Bürgermeister – und er landet damit im Mittelfeld, verglichen mit Amtskollegen in anderen Städten: 44 Prozent der Hamburger sind mit Tschentschers Arbeit zufrieden, 28 Prozent der Befragten sind unzufrieden. Das geht aus dem sogenannten Trendbarometer der TV-Sender RTL und n-tv hervor. Dafür hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa 9000 Bürger in den 15 größten deutschen Städten zur Arbeit ihrer Stadtoberhäupter befragt. Tschentscher kommt dabei auf den siebten Platz.

Am beliebtesten ist der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD), mit dem 72 Prozent der Befragten zufrieden und 23 Prozent unzufrieden sind. Den 13. Platz belegt Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), den 34 Prozent der Berliner positiv bewerten, 60 Prozent sind mit ihm unzufrieden. Das schlechteste Zeugnis erhält Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) auf Platz 15: Nur 27 Prozent der Bremer bewerten ihn positiv, 64 Prozent sind mit ihm unzufrieden.

Mit Tschentschers Vorgänger Olaf Scholz seien vor seinem Wechsel an die Spitze des Bundesfinanzministeriums 59 Prozent der Hamburger zufrieden gewesen, teilte RTL mit. Bei den Männern ist Tschentscher etwas beliebter (45 Prozent) als bei den Frauen (43 Prozent), wobei 35 Prozent der Frauen sich noch kein Urteil gebildet haben – bei den Männern gilt dies für 22 Prozent.

Geringster Zuspruch bei den 18- bis 29-Jährigen

Die Zufriedenheit mit Tschentscher, der seit April im Amt ist, nimmt mit dem Alter der Befragten zu: Während nur 35 Prozent der 18- bis 29-Jährigen den studierten Mediziner positiv bewerten und sich 38 Prozent kein Urteil zutrauen, sind 38 Prozent der 30- bis 59-Jährigen und 56 Prozent der 60- und Über-60-Jährigen zufrieden mit Tschentscher.

Von den Anhängern der SPD bewerten 67 Prozent den Bürgermeister positiv, elf Prozent sind unzufrieden mit ihm, 22 Prozent konnten sich kein Urteil bilden. Von den anderen Parteien erhält Tschentscher naturgemäß weniger Zustimmung: 50 Prozent der Grünen-Anhänger bewerten ihn positiv, von den CDU-Anhängern sind 43 Prozent mit ihm zufrieden, bei den AfD-Anhängern gilt dies nur für 17 Prozent.

Tschentscher wollte die Umfrage nicht kommentieren. Dafür äußerte sich der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Dirk Kienscherf. Er sprach von sehr guten Umfrageergebnissen für Tschentscher. „Mit seiner überlegten und besonnenen Art hat der Bürgermeister schon knapp die Hälfte aller Hamburgerinnen und Hamburger von sich überzeugt und das, obwohl er erst seit vier Monaten im Amt ist“, sagte Kienscherf. Langfristig werde Tschentscher mit seinem „zugewandten Stil“ auch die noch unentschiedenen Bürger für sich gewinnen.

Daran glaubt CDU-Fraktionschef André Trepoll nicht. „Im Vergleich zu seinem Vorgänger hat das Vertrauen in den Bürgermeister klar abgenommen“, sagte Trepoll. „Die Hamburger werden mit Tschentscher wohl nicht richtig warm, so wird es im Wahlkampf schwer für ihn.“

Wohnungsnot und Verkehr sind die größten Probleme

Der Bürgermeister „wäre sicherlich beliebter, wenn er sich ernsthaft für eine gerechte Stadt einsetzen würde“, sagte die Linken-Fraktionsvorsitzende Sabine Boeddinghaus. „Leider ist davon im aktuellen Doppelhaushalt nichts zu sehen: Bei der sozialen Infrastruktur wird weiter gekürzt.“

Tschentscher stehe „weiter im Schatten seines Vorgängers“, hieß es von den FDP-Fraktionsvorsitzenden Anna von Treuenfels-Frowein und Michael Kruse. „Im Windschatten der SPD dominierten zuletzt die Grünen die politische Diskussion – mit negativen Folgen für die Hamburgerinnen und Hamburger.“

Neben der Beliebtheit der Bürgermeister wurden die Großstädter für das Trendbarometer auch nach den größten Problemen in ihrer Stadt gefragt. Verkehrsprobleme beklagen vor allem die Menschen in München (85 Prozent), Stuttgart (77 Prozent) und Düsseldorf (74 Prozent). In Hamburg sind 68 Prozent der Bürger diesbezüglich unzufrieden. Der Mittelwert aller 15 Großstädte liegt bei 60 Prozent.

Zufriedenheit mit Kita-Versorgung

51 Prozent der Hamburger beklagen die Lage am Wohnungsmarkt (Mittelwert: 44 Prozent). Noch angespannter ist die Situation in München (83 Prozent), Frankfurt (64 Prozent) und Stuttgart (52 Prozent). Die Schadstoffbelastung der Luft bemängeln 20 Prozent der Hamburger (Mittelwert: 16 Prozent). In Stuttgart beklagen sich darüber allerdings 48 Prozent der Bürger.

Mit der Kita-Versorgung zeigen sich die Hamburger deutlich zufriedener: Nur drei Prozent klagen über fehlende Plätze. In Leipzig wünschen sich 24 Prozent der Befragten mehr Kita-Plätze. Auch bei der Angst vor Kriminalität liegen die Hamburger mit acht Prozent unter dem Großstadt-Durchschnitt (zehn Prozent).

Flüchtlinge und Ausländer werden vor allem im Ruhrgebiet als Problem angesehen, insbesondere in Duisburg (41 Prozent). In Hamburg sehen das nur zehn Prozent der Bürger so.