Gesundheit

Hamburg hat Ärger mit Krankenhaus-Konzern Asklepios

Asklepios-Chef Dr. Thomas Wolfram

Asklepios-Chef Dr. Thomas Wolfram

Foto: Mark Sandten / HA

Es geht um Arbeitsplätze und ein Lager: Hat die Stadt nicht genug für den Klinikkonzern Asklepios getan?

Hamburg. In Altona wollen sie eines der größten Krankenhäuser Norddeutschlands gemeinsam neu bauen – bei dem Thema herrscht eitel Sonnenschein. Doch auf einem anderen Gebiet haben sich der Klinikkonzern Asklepios und die Stadt Hamburg hinter den Kulissen schwer verkracht: Die Suche nach einem neuen Standort in Hamburg für das Asklepios-Zentrallager blieb erfolglos – das Lager wird nun wohl mitsamt 62 Arbeitsplätzen nach Bad Bramstedt in Schleswig-Holstein verlegt, knapp 30 Kilometer nördlich von Hamburg.

In der Wirtschaftsbehörde ist man über diesen Schritt erbost. Offiziell will das zwar niemand so sagen – schließlich sind die Stadt (25,1 Prozent) und Asklepios (74,9) gemeinsam Eigentümer der Asklepios Kliniken Hamburg GmbH, dem früheren Landesbetrieb Krankenhäuser (LBK). Doch hinter vorgehaltener Hand werden schwere Geschütze aufgefahren. Von „Irreführung“ und „miesem Spiel“ ist die Rede, der Klinikbetreiber habe „mit gezinkten Karten“ gespielt. Asklepios wiederum ist über die Vorwürfe schwer verärgert.

Fakt ist: Asklepios hatte sich schon 2014 entschieden, das bisherige Lager an der Schnackenburgallee in Bahrenfeld aufzugeben: zu klein (2000 Qua­dratmeter Hallenfläche), zu unmodern, keine Erweiterungsmöglichkeit, außerdem lief der Mietvertrag Ende 2017 aus. Daher machte man sich auf die Suche nach einem neuen Standort.

Nach Lesart der Behörde, die ab 2016 in die Standortsuche eingebunden war, habe man 15 geeignete Flächen vorgeschlagen und sich schließlich auf den neuen Victoria Park in Rahlstedt unweit der A 1 verständigt. Dass dort eigentlich keine Logistik vorgesehen ist, sei nach Abstimmung mit dem Bezirk als lösbares Problem betrachtet worden. Der damalige Wirtschaftsstaatsrat Rolf Bösinger habe noch Ende März, kurz vor seinem Wechsel in das von Ex-Bürgermeister Olaf Scholz geleitete Bundesfinanzministerium, mit Asklepios-Chef Thomas Wolfram gesprochen und dessen Zusage erhalten, dass das Lager in Hamburg bleibe.

Doch kurz darauf habe die Behörde erfahren, dass sich Asklepios für Bad Bramstedt entschieden habe. Mehr noch. Diese Entscheidung sei schon vor dem Gespräch zwischen Bösinger und Wolfram gefallen – daher war die Verwunderung groß. „Die haben uns an der Nase herumgeführt“, sagt ein hochrangiger Behördenmitarbeiter. Offenbar wollte der Konzern von Anfang an ins Umland, auch weil die Quadratmeterpreise für Logistikflächen dort deutlich niedriger sind.

Bei Asklepios kann man die Vorwürfe nicht nachvollziehen: „Wir wollten mit dem Lager in Hamburg bleiben und haben lange auch nur dort gesucht“, sagte Konzernsprecher Rune Hoffmann. „Aber Tatsache ist, dass uns die Stadt kein einziges Grundstück anbieten oder vermitteln konnte, das alle notwendigen Kriterien erfüllt hat.“ Dazu zählten eine Fläche von mindestens 15.000 Quadratmetern, um eine Halle von mindestens 10.000 Quadratmetern errichten zu können, möglichst kurzfristige Verfügbarkeit, Autobahnanschluss und die Erlaubnis für Transportverkehr rund um die Uhr.

Asklepios: Es gab kein passendes Angebot

„Auch die letzte infrage kommende Fläche im Victoria Park war für uns nicht nutzbar, da weder ein Bebauungsplan noch eine Zusage für den 24-Stunden-Betrieb vorlagen“, so Hoffmann. „Darüber hinaus befindet sie sich in Privatbesitz.“ Nichts anderes habe die Geschäftsführung der Wirtschaftsbehörde mitgeteilt, eine Zusage für Rahlstedt habe es nie gegeben.

Auch andere von der Stadt vorgeschlagene Grundstücke seien teilweise zu klein oder noch bebaut gewesen, es habe noch kein Planrecht vorgelegen, oder der Boden sei kontaminiert gewesen. Mehrfach habe man die Entscheidung hinausgezögert und den Pachtvertrag am Standort Schnackenburg­allee sogar bis Ende 2018 verlängert, in der Hoffnung, die Stadt werde doch noch ein passendes Angebot machen. „Im Ergebnis haben wir dadurch ein Jahr verloren und mussten nun eine Entscheidung treffen“, sagt Hoffmann. „Darüber wurde ausführlich in der Gesellschafterversammlung im März gesprochen und zwischen den Gesellschaftern die nunmehrige Entscheidungsnotwendigkeit bestätigt.“

Asklepios will aus dem neuen Lager nicht nur – wie bisher – seine sieben Hamburger Kliniken mit mehr als 2000 medizinischen Artikeln beliefern, sondern den Neubau zum Zentrallager für den gesamten Konzern machen. Zu dem gehören bundesweit rund 70 Kliniken. Acht davon sind in der Asklepios Kliniken Hamburg GmbH konzen­triert.

„Das ist ein ganz schlechtes Zeichen für die Wirtschaftsförderung von Rot-Grün, wenn für das Zentrallager der Hamburger Krankenhäuser eine Fläche weit außerhalb Hamburgs ausgewählt wird“, sagte der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Thilo Kleibauer, der mehrfach durch Kleine Anfragen an den Senat die Hintergründe der Standortsuche abgefragt hatte. „Nun droht der Verlust von Arbeitsplätzen in der Stadt, und das bei einem Großunternehmen, an dem Hamburg selbst beteiligt ist.“

Der Experte für Finanzen und öffentliche Unternehmen wirft dem Senat vor, die wichtige Standortfrage bis zum öffentlichen Weckruf von Asklepios im letzten Sommer – seinerzeit hatte Vorstandschef Wolfram im Fachausschuss der Bürgerschaft einen möglichen Abgang aus Hamburg erstmals erwähnt – „komplett verschlafen“ zu haben. „Es ist bedauerlich, dass der Senat es auch danach nicht geschafft hat, gemeinsam mit dem Unternehmen eine einvernehmliche Lösung zu finden.“

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