Hamburg

Krankenhaus-Pfleger protestieren für bessere Hygiene

Gegen Krankenhauskeime: Eine sachgerechte Desinfektion dauert mindestens zwei Stunden am Tag

Gegen Krankenhauskeime: Eine sachgerechte Desinfektion dauert mindestens zwei Stunden am Tag

Foto: Picture Alliance / Patrick Pleul

Aktionstag kann zu Einschränkungen in Kliniken führen. Senatsanfrage: Förderprogramm zur Pflege in Hamburg gefloppt.

Hamburg. Die Gewerkschaft Ver.di und ein „Hamburger Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus“ rufen Pflegemitarbeiter an diesem Dienstag dazu auf, sich die Hände nach Vorschrift zu desinfizieren. Korrektes Händewaschen dauere nach Auskunft von Wissenschaftlern zwei bis zweieinhalb Stunden pro Schicht. Es sorge aber dafür, dass es weniger Infektionen gebe und die Patienten besser geschützt würden. Durch diesen „Dienst nach Vorschrift“ könnte es in den betroffenen Krankenhäusern zu erheblichen Zeitverzögerungen kommen.

Wie Christoph Kranich von der Verbraucherzentrale sagte, einer der Sprecher des Bündnisses, gefährde der Personalmangel in der Pflege die Hamburger Patienten täglich. Darauf wolle die Aktion aufmerksam machen.

Förderprogramm Pflege in Hamburg gefloppt

Nach einer Senatsantwort auf eine Linken-Anfrage ist ein groß angelegtes Förderprogramm für Pflegekräfte in den vergangenen Jahren in Hamburg gescheitert. Während bundesweit 1600 neue Pflegestellen gefördert worden seien, waren es in Hamburg demnach nur 7,24. Unter anderem haben das Agaplesion Diakonieklinikum und das Bethesda je zwei neue Pflegemitarbeiter eingestellt und dafür Fördergelder abgerufen.

Gesundheitspolitiker Deniz Celik (Linke) kritisierte, dass Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) das Förderprogramm schöngeredet habe. Letztlich sei es in Hamburg ein „Flop auf ganzer Linie“. Er forderte eine Untergrenze für die Zahl an Pflegern. So könne man den „Teufelskreis“ in der Pflege durchbrechen.

Personaluntergrenze: Vorbild Kalifornien

Bessere Arbeitsbedingungen wie weniger Stress sowie eine höhere Bezahlung würden dafür sorgen, dass frustrierte Mitarbeiter entweder wieder in der Pflege arbeiten oder ihr Teilzeitkontingent aufstocken. Das Beispiel Kalifornien beweise, dass eine festgelegte Untergrenze die Attraktivität des Pflegerberufes steigere.

Celik sagte: „Krankenhausträger klagen über den leergefegten Arbeitsmarkt bei Pflegekräften, verschweigen jedoch, warum so viele Pflegekräfte nicht (mehr) Vollzeit arbeiten oder den Beruf verlassen: Die Arbeitsverdichtung lässt Pflegekräfte ausbrennen und macht den Beruf unattraktiv. Aber genau hier bei der Personalbemessung bewegen sich die Krankenhausträger so gut wie nicht.“ Die Linken beantragen in der Bürgerschaft Sofortmaßnahmen für die Intensivstationen und die Nachtdienste. Celik verweist auch auf die Empfehlungen der medizinischen Fachgesellschaften, die für die Pflege ähnliche Forderungen erheben.

Die Hamburgische Krankenhausgesellschaft sieht Personaluntergrenzen kritisch, hat aber bereits im Juni im Abendblatt beklagt, dass in hiesigen Kliniken in den kommenden zehn Jahren 5700 Pflegemitarbeiter fehlen werden. Politische Vorgaben und eine überbordende Bürokratie würden dafür sorgen, dass Mitarbeiter zu viel Zeit für Dokumentationen und zu wenig am Patienten verbrächten.