Hamburg

Grüne fordern neue Moscheen in „würdevollen Räumen“

Die neue Moschee der Al-Nour-Gemeinde befindet sich noch im Umbau. Hamburg braucht nach Ansicht der Grünen mehr Moscheen

Die neue Moschee der Al-Nour-Gemeinde befindet sich noch im Umbau. Hamburg braucht nach Ansicht der Grünen mehr Moscheen

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Muslime bräuchten genug angemessene Räume für Gebet und Gemeindearbeit, fordert die Abgeordnete Stefanie von Berg.

Hamburg.  Die Hansestadt braucht nach Ansicht der Grünen neue Moscheen. „Als religiöser, christlicher Mensch trete ich dafür ein, dass auch muslimische Gemeinden in Hamburg würdevolle Gebetsräume erhalten. Es geht dabei ja auch darum, eine funk­tionierende Gemeindearbeit mit Seelsorge und Integrationsmaßnahmen zu gewährleisten und Orte der Begegnung zu schaffen“, sagte die Grünen-Bürgerschaftsabgeordnete Stefanie von Berg dem Abendblatt. „Bisher sind manche Moscheen bessere Baracken, da müssen wir etwas tun.“

Von Berg dementierte, eine neue Moschee für jeden Hamburger Stadtteil gefordert zu haben, wie es dpa am Sonntag verbreitete. „Es sollen nicht in jedem Stadtteil Moscheen entstehen, es geht darum, zusätzlich zu den 50 bestehenden Moscheen drei neue zu bauen, damit jeweils für 300 bis 400 Gläubige zum Freitagsgebet eine Moschee zur Verfügung steht“, sagte von Berg dem Abendblatt. „Der Begriff Stadtteilmoschee ist womöglich missverständlich. Die Forderung orientiert sich an einer 2013 entstandenen Studie zum Moscheenbedarf in Hamburg.“

Bislang nur 50 Moscheen für 150.000 Muslime

Die Finanzierung der Moscheen solle „wie bei unseren Kirchen auch in der Regel von den Gemeindemitgliedern kommen“, so die Grünen-Politikerin. „Sollte Geld von außen als Ausnahme gespendet werden, so ist die Finanzierung offenzulegen – wie dies die Al-Nour-Moschee ja etwa getan hat.“ Eine Finanzierung aus anderen Ländern halte sie „aber als Regelform für problematisch, da dies einer Steuerung aus dem Geldgeberland Vorschub leisten könnte“.

Gefragt nach einer möglichen Überwachung von Moscheen aufgrund des Verdachts verfassungsfeindlicher Aktivitäten, sagte von Berg: „Eine generelle Überwachung jeder einzelnen Moschee lehne ich ab. Dies würde ja bedeuten, dass jeder Gemeinde per se mit verfassungsrechtlichen Bedenken begegnet wird. Allerdings halte ich die Überwachung von Gemeinden, bei denen ein begründeter Verdacht vorliegt, für angemessen.“

Anlass der Debatte war eine Veranstaltung der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung am Donnerstagabend in der noch im Umbau befindlichen neuen Al-Nour-Moschee in Horn, der früheren Kapernaumkirche. Laut der Stiftung gibt es für die mehr als 150.000 Muslime in Hamburg nur etwa 50 Moscheen und Gebetsräume. Viele von ihnen platzen aus allen Nähten, sagte der Architekt Joachim Reinig bei der Veranstaltung. Er hatte die erwähnte Studie erstellt und 42 islamische Gotteshäuser untersucht. Dringlich sei der Bau von mindestens sieben Stadtteilmoscheen, so Reinig.

In St. Georg beten Gläubige vor dem Gebäude

Eine der größten ist derzeit die Al-Nour-Moschee in St. Georg. Zum Freitagsgebet kommen nach Angaben des Gemeindevorsitzenden Daniel Abdin regelmäßig etwa 2500 Gläubige, die in zwei Schichten beteten, teilweise sogar vor dem Gebäude auf der Straße. „Wir haben festgestellt, dass nicht weniger Muslime freitags beten, als Christen sonntags in die Kirche gehen“, sagte Reinig bei der Veranstaltung. Die Kritik an Neubauten könne er nicht verstehen. Nur Populisten stellten sich zusammen mit Rechten dagegen. In der Bevölkerung sei dieser Widerstand gar nicht da.

Dass in Wilhelmsburg eine gigantische Megamoschee gebaut werden solle, sei „völliger Quatsch“, sagte der Architekt zu Äußerungen aus der CDU. „Das ist eine Stadtteilmoschee.“ Sie werde Platz für 300 bis 400 Gäste bieten. „Das ist völlig angemessen für das Viertel.“ Es sei dagegen skandalös, dass keine Moschee im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 2013 in Wilhelmsburg errichtet worden sei.

Umbau der Kapernaumkirche verzögert sich

Auch die Al-Nour-Gemeinde sucht nach einem neuen Gebäude, obwohl sie noch an ihrem spektakulären Projekt baut: Die ehemalige Kapernaumkirche im Stadtteil Horn ist schon mehr Moschee als Kirche. Den Turm ziert bereits der goldene arabische Schriftzug für Allah. Im Inneren des fast ovalen Hauptgebäudes erinnern eigentlich nur noch die farbigen Fenster an den christlichen Ursprung.

Das Islamische Zentrum Al-Nour hatte die Kirche Ende 2012 von einem Investor gekauft. Die evangelisch-lutherische Gemeinde hatte kein Geld für die erforderliche Sanierung gehabt. Die Kirche aus dem Jahr 1961 stand gut zehn Jahre lang leer. Derzeit ist der Umbau ins Stocken geraten, weil die Kosten sehr viel höher sind als erwartet, wie Abdin sagt. Zwar hat Kuwait 1,1 Millionen Euro für einen neuen Anbau gegeben. Aber nun muss auch der Turm für 630.000 Euro saniert werden. Nur Gott allein wisse, wann das Gotteshaus fertig werde, sagte der Gemeindevorsitzende.