Elbphilharmonie: Warum sie teurer wird – und der Steuerzahlerbund den Senat lobt I

Das Abendblatt erklärt den Zeitplan bis zur Fertigstellung und beantwortet die wichtigsten acht Fragen zu dem Prestigeprojekt in der HafenCity.

Hamburg. Am Ende waren die Vertragspartner zufrieden. "Das ist ein Vorschlag, der wirtschaftlich vernünftig ist - und falls es teurer wird, sind es nicht die Risiken der Stadt, sondern die von Hochtief", sagte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) zum neuen Pauschalfestpreis von 575 Millionen Euro, für den der Essener Baukonzern die Elbphilharmonie fertigstellen will. Hochtief-Chef Marcelino Fernández Verdes, mit dem Scholz bis zum Schluss verhandelt hatte, betonte: "Die Neuordnung des Projekts wird möglich, weil alle Parteien zu weitgehenden finanziellen Zugeständnissen bereit sind."

Wieso kostet die Elbphilharmonie jetzt noch einmal 198 Millionen Euro mehr?

Die Summe setzt sich folgendermaßen zusammen: Aktuell hat Hochtief bisher Mehrkosten in Höhe von 75 Millionen Euro für Leistungsänderungen angemeldet. Dazu kommen 35 Millionen Euro, die Hochtief den Architekten Herzog & de Meuron zahlt - acht Millionen für die künstlerische Oberleitung, 27 Millionen für weitere planerische Leistungen. Bleiben rund 90 Millionen Euro. Davon sind etwa 25 Millionen für die Übernahme von Risiken, die bisher großteils bei anderen lagen: Garantien für Planung, Qualität und schlüsselfertige Terminabgabe sowie Haftungsübernahme für Genehmigungs- und Funktionsfähigkeit - ausgenommen ist die Akustikplanung von Yasuhisa Toyota der Konzertbereiche. Bleiben rund 65 Millionen Euro für zusätzliche Planungsaufgaben sowie die erhebliche Bauzeitverlängerung (Personal, Material, Preissteigerungen). Man kann vielleicht auch sagen, dass darin noch eine Art Vergleichssumme der rechtlich strittigen Kosten enthalten ist, die im Fall der Kündigung nach jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen (zur Freude der Anwälte!) angefallen wären.

Wo kommt das Geld her?

Es gibt Töpfe für Unvorhergesehenes. Im Doppelhaushalt 2013/2014 liegen unter dem Titel "Rückstellungen für noch zu konkretisierende Investitionsmaßnahmen" insgesamt 180 Millionen Euro bereit. Gezahlt werden muss die Summe auch nicht auf einen Schlag, sondern je nach Baufortschritt. Bisher hat die Stadt nach Abendblatt-Information an Hochtief rund 300 Millionen Euro bezahlt.

Was muss konkret bis zum 28. Februar 2013 verhandelt werden?

Damit die Neuordnung rechtswirksam zustande kommt, müssen sechs neue Verträge geschlossen werden, darunter ein Vertrag zwischen Hochtief und den Architekten für eine gemeinsame Planer-ARGE und einer über die zukünftige künstlerische Oberleitung von Herzog & de Meuron. Die Stadt soll auf sämtliche Mitwirkungshandlungen bei der Planung und jede Eingriffsmöglichkeit verzichten. Die Funktionalität und Qualität der Planung soll durch einen unabhängigen Dritten gewährleistet werden.

Wie sieht der genaue Zeitplan der Fertigstellung aus?

Die neue Zusammenarbeit von Stadt, Hochtief und Architekten beginnt am 15. Januar 2013. Bereits am 7. Januar wird bei der städtischen ReGe Martin Heyne als dritter Geschäftsführer zuständig für die Elbphilharmonie. Am 28. Februar soll die Neuordnung vertraglich fixiert sein. Hochtief garantiert die Übergabe 40 Monate später, also zum 1. Juli 2016. Nach der Übergabe erfolgen durch die Nutzer die Einrichtung und Möblierung der öffentlichen Bereiche. In den Sälen kann mit dem Einspielen und der Einstimmung der Orgel begonnen werden. Parallel erfolgt durch Hochtief die Vorbereitung der endgültigen Inbetriebnahme, so etwa der Probebetrieb zum Gefahrenmanagement oder Räumungsübungen. Vier Monate später, am 1. November 2016, erfolgt die Abnahme des Bauwerks durch die Stadt. Das Eröffnungskonzert in der Elbphilharmonie könnte im Frühjahr 2017 stattfinden.

Was passiert, wenn Hochtief nicht fristgerecht fertig wird?

Der Konzern verpflichtet sich bei Nichteinhaltung der garantierten Termine zur Zahlung einer Vertragsstrafe. Sie beträgt ein Tausendstel des Pauschalfestpreises von 575 Millionen Euro pro Werktag der Terminüberschreitung, höchstens jedoch fünf Prozent des Festpreises.

Wie sieht die künftige Zusammenarbeit von Hochtief und den Architekten von Herzog & de Meuron aus?

Baukonzern und Architekten werden in einer Arbeitsgemeinschaft zusammenarbeiten. Das garantiert endlich das Planen und Bauen aus einer Hand. Aus Gegnern, die sich in der Vergangenheit oft heftig kritisiert haben, werden Partner. "Es gab einen deutlichen Wandel in der Haltung von Hochtief", sagt David Koch von Herzog & de Meuron. "Aus diesem ergab sich dann ein kooperativer Angang zur Lösung der bestehenden Probleme." Es habe eine "intensive Abstimmungsphase" gegeben, "in der alle strittigen Punkte und Themen behandelt wurden". Koch: "Die meisten Punkte sind gelöst, die verbleibenden sind auf gutem Weg."

Was passiert, wenn sich die Stadt und Hochtief doch nicht einigen?

Dann kann die Stadt den Vertrag mit Hochtief kündigen und würde die Elbphilharmonie in Eigenregie fertigstellen. Dieses würde nach eigener Einschätzung des Senats ebenfalls rund 200 Millionen Euro mehr kosten. Der Bund der Steuerzahler hält das jedoch für eine "Milchmädchenrechnung". Der Vorsitzende Frank Neubauer sagt: "Realistisch wären rund 250 Millionen Euro."

Kann es noch teurer werden?

"Weitere Mehrkosten entstehen nur bei zukünftigen Sonderwünschen der Stadt und sind im Übrigen vertraglich ausgeschlossen", sagt Hochtief-Sprecher Bernd Pütter.