Elbphilharmonie hält ihr Dach aus

Punktsieg für die Stadt - Hochtief hat die 2000 Tonnen schwere Konstruktion abgesenkt

HafenCity. Das ist noch kein Durchbruch, aber ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zur Fertigstellung der Elbphilharmonie: Der Baukonzern Hochtief hat die sogenannte Absenkung des Saaldachs erfolgreich abgeschlossen. Nach übereinstimmenden Angaben des Essener Konzerns und der Kulturbehörde ist die Traglast der 2000 Tonnen schweren Dachkonstruktion wie gewünscht umverteilt worden, ohne dass die Stabilität des Baus beeinträchtigt wurde.

"Hochtief hat das Dach final abgesenkt. Es hält sogar besser als erwartet", sagte Karl Olaf Petters, Sprecher der Kulturbehörde. "Die sogenannte Absenkung hat stattgefunden", bestätigte Hochtief-Sprecher Bernd Pütter. Der Streit um das Saaldach war einer der wesentlichen Gründe für den mehr als einjährigen Baustillstand des Projekts am Hafenrand.

Während die städtische Realisierungsgesellschaft ReGe stets betont hat, die Statik des Baus sei gesichert, hatte sich Hochtief zunächst geweigert, das Saaldach wegen zu hoher Risiken "abzusenken". Im Eckpunktepapier zwischen Senat und Baukonzern verpflichtete sich Hochtief dann, die Traglasten der Konstruktion schrittweise zu verändern und mit einem Messsystem mögliche Verformungen am Tragwerk zu protokollieren.

Konkret ruht das Dach jetzt auf 14 der 21 Aufleger. Sieben dieser "Füße" sind lastfrei gesetzt. Auf diesem Weg soll eine Lastenumverteilung in der Stahl-Beton-Konstruktion stattfinden: von der kürzeren Nord-Süd-Achse auf die längere Ost-West-Achse, deren Enden mit Wohnungen und dem Hotel aber stabiler sind. Hinzu kommen die großen Fahrstuhlschächte aus Beton.

Über die Ost-West-Achse lässt sich die Gesamtlast der künftigen Dachkonstruktion - sie wird 8000 Tonnen wiegen - vom 18. Stockwerk bis zur Gründung des Bauwerks nach unten führen. In einem späteren Schritt werden alle Aufleger wieder belastet. Nach Berechnungen der Statiker soll dann allerdings die Hauptlast (80 bis 85 Prozent) über die Ost-West-Achse geführt werden.

Kulturbehördensprecher Petters sprach von einem "wichtigen Ereignis". Die Messungen hätten ergeben, dass das Saaldach sogar steifer sei als ursprünglich von der ReGe angenommen. "Wir fühlen uns ganz gut bestätigt", sagte der Sprecher. Allerdings seien die Verhandlungen mit Hochtief über die Wiederaufnahme der Bautätigkeiten noch nicht abgeschlossen.

Auch Hochtief-Sprecher Pütter blieb vorsichtig. "Das ist ein wichtiger Zwischenschritt, der für alle erfreulich ist", sagte Pütter. Ein zentrales Thema des Eckpunktepapiers sei erledigt. Wie es weitergehe, sei jedoch offen.

Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hat angekündigt, bis Weihnachten zu entscheiden, ob die Stadt weiterhin mit Hochtief zusammenarbeiten wird. Die Alternative ist eine Kündigung der Verträge und der Weiterbau mit neuen Partnern. Mehrere Ultimaten des Senats hatte der Baukonzern in diesem Jahr verstreichen lassen, ohne dass die Bautätigkeiten wieder aufgenommen wurden. Gestritten wird auch über mögliche Mehrkosten.