Ferien in Hamburg

Immer mehr Hamburger Kinder verbringen Ferien an der Schule

Die Zahl der Hamburger Kinder steigt, die trotz Unterrichtspause geschult und betreut werden. Lernphasen wechseln mit Exkursionen und Projekten.

Altona-Nord. "Liebe Mama, lieber Papa. Lernsommer ist cool. Wir machen heute Wasserschacht", schreibt Lucas aus Neuwiedenthal auf eine Postkarte mit Hamburgmotiv. Das "l" hat Lucas vergessen. Nun ja, er ist ja auch hier, um seine Rechtschreibung zu verbessern. Gemeinsam mit zwölf weiteren Kindern sitzt der Achtjährige an diesem Vormittag an den gelben Gruppentischen. Deutsch und Mathe, Kunst und Sachkunde stehen an der Grundschule Arnkielstraße in Altona-Nord auf dem Stundenplan. Die Kinder machen mit beim Hamburger Lernsommer CLIMB. Schule in den Sommerferien - das wird in der Hansestadt zur Normalität. Bis zu 3755 Schüler verbringen hier ihre Sommerferien an der Schule. Ein Teil von ihnen unternimmt vor allem Ausflüge, andere nehmen an speziellen Förderungsprogrammen teil.

An der Grundschule Arnkielstraße gehen 45 Zweit- und Drittklässler aus drei Stadtteilen zum Lernsommer CLIMB. Die Abkürzung steht für "Clever Lernen Immer Motiviert Bleiben". Das klingt ein wenig nach übermotivierten Pädagogen. Tatsächlich aber scheint es den Kindern Spaß zu machen. "Ich mache gern die Lernzeiten, vor allem Deutsch, da möchte ich mich noch verbessern, und das schaffe ich auch", sagt Amberjot aus Altona-Nord. "Die Lehrer und Lehrerinnen sind gut. Wir können gut lernen und werden gut versorgt." Neben dem Unterricht arbeiten die Kinder an Projekten mit wie Theater, Computer oder Englisch. Die Kinder kommen aus sozial benachteiligten Familien aus Neuwiedenthal, Eidelstedt und Altona-Nord und werden in den drei Lerngruppen Möwen, Spatzen und Schwäne zwei Wochen lang von zehn Fellows gefördert. Fellows sind pädagogische Assistenten mit abgeschlossenem Hochschulstudium - so etwas wie Lehrer auf Zeit der Bildungsinitiative Teach First. Jeweils drei bis vier Fellows kümmern sich in kleinen Gruppen um bis zu 14 Schüler.

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"Weil viele Kinder ihre Stadt gar nicht kennen, machen wir auch Ausflüge, an die Elbe, an den Rathausmarkt oder zu Planten un Blomen", sagt Jennifer Hagedorn. Einer der größten Momente der vergangenen Wochen war für die 27-Jährige, als eines der Kinder sagte, es habe noch nie die Elbe gesehen, und die sei ja so schön.

Jennifer Hagedorn ist ein Fellow und eine der drei Initiatorinnen der Sommerschule. Es sind Kinder, die die schulische Förderung brauchen, die hier mitmachen, oder Kinder, die in der Schule nur wenig Aufmerksamkeit bekommen, weil sie vielleicht zu schüchtern sind. "Sechs Wochen Ferien, das ist eine lange, anregungsarme Zeit. Wir bieten ihnen hier eine sinnvolle Ferienbetreuung. Es wäre schade, die Kinder nur zu betreuen und nicht auch zu fördern", sagt Fellow Hannah Schmidt-Friderichs.

Der Ausbau der ganztägigen Bildung habe zur Folge, dass die Schüler in den Ferien auch mehr Angebote hätten, heißt es aus der Schulbehörde. Die Hälfte aller Kinder, die in den Ferien an ihren Schulen betreut werden, gehen auf eine Schule mit ganztägiger Bildung und Betreuung (GBS). "Die Schulen haben unterschiedliche Aktivitäten", sagt Behördensprecher Peter Albrecht. An einigen Schulen gebe es speziell in der letzten Ferienwoche gezielte Förderung, die den Schülern den Einstieg in den Unterricht erleichtern soll. Denn: "Häufig gehen zu Hause die Fortschritte, die vor den Ferien gemacht worden sind, wieder verloren."

Sommerschule muss nicht bedeuten, dass die Kinder den ganzen Tag still sitzen und lernen. Anders als sonst gibt es in den Ferien keinen durchgängigen Unterricht: Die Lernphasen wechseln mit Exkursionen und Projekten. "Die meisten Horte haben jahrelange Erfahrung, wie Sommerferien gestaltet werden können, dass die Angebote attraktiv, vielfältig, anspruchsvoll und an den Interessen der Kinder und Jugendlichen ausgerichtet sind. Es ist wichtig, dass Eltern und die Schüler selbst Feedback geben, damit diese auch weiterentwickelt werden können. Neue GBS-Standorte können sicher von den Erfahrungen anderer profitieren", so Peter Albrecht.

An der Stadtteilschule Helmuth Hübener in Barmbek-Nord haben in der vergangenen Woche 33 Schüler vor allem Ausflüge gemacht - zum Schwimmen, in den Kletterpark oder zum Miniatur Wunderland. Eine Übernachtung in der Schule gab es auch. In der letzten Ferienwoche stehen dann für die Klassen fünf bis acht Mathe-, Deutsch-, Spanisch- und Englischkurse auf dem Programm.

Sportlicher geht es an der Stadtteilschule Denksteinweg in Jenfeld zur Sache. Dort leitet Waldemar Sidorow die Boxakademie und bringt jeweils zehn bis zwölf Schüler so richtig zum Schwitzen. "Die Kinder schätzen sich immer fitter ein, als sie sind. Am zweiten Tag tut ihnen dann alles weh", so Sidorow.