Neuenfelde

Hamburgs Asylbewerber sollen in "Geisterhäuser" ziehen

Foto: Roland Magunia

Die Hamburger Sozialbehörde will 500 neue Wohnplätze für Zuwanderer einrichten, auch in den leer stehenden Altbauten in Neuenfelde.

Hamburg. In die seit rund zehn Jahren leer stehenden "Geisterhäuser" in Neuenfelde könnten schon bald Zuwanderer und Asylbewerber einziehen. Die Bauten an der Hasselwerder Straße stehen auf einer behördeninternen Liste von 20 Standorten in den sieben Bezirken, die für die erforderliche Kapazitätserweiterung öffentlicher Unterkünfte in Betracht kommen.

Nach Prognosen der Sozialbehörde ist der Ausbau von derzeit 8515 Plätzen vor allem wegen der verstärkten Zuwanderung von Flüchtlingen aus Rumänien, Bulgarien und dem Irak erforderlich. "Unser Ziel ist es, in den kommenden eineinhalb Jahren mehrere Hundert Plätze zu schaffen", sagte Julia Seifert, Sprecherin der Sozialbehörde. Nach Informationen des Abendblatts soll es sich um rund 500 Plätze, verteilt auf knapp 20 Einrichtungen, handeln.

2008 hatte es 375 Zuwanderer, vor allem Asylbewerber, gegeben, 2009 waren es 430, 2010 sogar 911. Wie viele es 2011 werden, kann die Behörde nicht prognostizieren. Seifert: "Wir gehen davon aus, den Bedarf mit den neu geschaffenen Plätzen decken zu können."

Fachbehörde und Bezirke haben sich jetzt grundsätzlich auf eine Ausweitung der Unterkünfte geeinigt. Die Brisanz einer Nutzung der leer stehenden Häuser in Neuenfelde für die Unterbringung von Flüchtlingen ist auch der Sozialbehörde klar. "Belegung und Anmietung der Häuser ist hoch politisch", heißt es in dem 14-seitigen Papier mit Standortvorschlägen. Über den Leerstand sei "mehrfach in den Medien berichtet" worden, und er stehe "im Fokus von Bürgerinitiativen", schreibt die Behörde warnend. "Die Bezirksverwaltung kann sich eine Nutzung einiger Häuser vorstellen", heißt es aber auch.

Im Zuge der Verlängerung der Startbahn des Airbus-Werks Finkenwerder, die für den Bau des A380 erforderlich war, hatte die Wirtschaftsbehörde 50 Neuenfelder Häuser aufgekauft. Weil die Häuser in der Einflugschneise lagen, sollten so Fluglärmklagen von Anwohnern verhindert werden. Seitdem wird der Leerstand von der Saga/GWG verwaltet.

Politisch brisant ist auch ein weiterer Standort für eine Flüchtlingsunterkunft im Bezirk Harburg. Die Sozialbehörde hält die ehemalige Polizeiwache an der Nöldekestraße in Wilstorf für ausgesprochen geeignet, weil hier innerhalb von sechs Monaten 150 Plätze geschaffen werden könnten. Das Problem: Die Wache war in der NS-Zeit ein Gestapoquartier. Hier war eine Sammelstelle für Roma und Sinti vor der Deportation in die Konzentrationslager. Deswegen lehnt der Bezirk die Unterbringung von Flüchtlingen klar ab.

Doch es gibt auch Standorte, die von den Bezirken selbst vorgeschlagen worden sind. Dazu zählt die Aufstockung der Gebäude Sportallee 70 (Groß Borstel). Der Bezirk Nord hält eine Erweiterung um 50 Plätze für möglich. Der Bezirk Wandsbek hat die Erweiterung der Container-Unterkunft am Waldweg (Volksdorf) um 70 Plätze und der Unterkunft am Poppenbütteler Weg (Hummelsbüttel) um 50 Plätze vorgeschlagen. Der Bezirk Harburg hat der Erweiterung der Einrichtung Wetternstraße um bis zu 50 Plätze zugestimmt.

Die Liste mit den 20 Standortvorschlägen umfasst mit 1347 Plätzen deutlich mehr als das aktuell vorgesehene Ausbauvolumen von 500 Plätzen. Für den Fall, dass bis Ende 2012 doch deutlich mehr Zuwanderer nach Hamburg kommen, stünde die gesamte "Plan-B-Liste" mit allen Standortvorschlägen bereit.

Auf dieser Liste entfällt das größte Kontingent mit 362 Plätzen auf den Bezirk Bergedorf, gefolgt von Nord mit 260 und Altona mit 195 Plätzen. In Eimsbüttel und Harburg sind jeweils 150, in Wandsbek 185 und in Mitte 45 zusätzliche Plätze vorgesehen. Jetzt haben die Bezirksversammlungen das Wort. Im Notfall könnten dann auch die von den Bezirken zunächst abgelehnten Standorte schnell reaktiviert werden. Aus den Bezirken ist Lob für ihre frühzeitige Einbindung in die Behördenplanungen zu hören.