Schanzenviertel

Stadt macht Rote Flora zum Kulturzentrum

| Lesedauer: 4 Minuten
Matthias Rebaschus

Foto: picture alliance / dpa / picture alliance

Der neue Bebauungsplan "Sternschanze 7" soll es dem Investor Kretschmer schwer machen, das Grundstück der Roten Flora zu verkaufen.

Sternschanze. Neue Entwicklung im Tauziehen um das Grundstück der Roten Flora: Bis Jahresende soll der Bebauungsplan "Sternschanze 7" des Bezirkes Altona stehen und ein Stadtteilzentrum dort festschreiben. Wird er beschlossen, hätte der derzeitige Flora-Eigentümer Klausmartin Kretschmer ab 2012 keine Chance, das Gebäude spekulativ zu verkaufen - außer er findet jemanden, der bereit ist, für ein Stadtteilzentrum viel Geld zu zahlen.

Das seit 22 Jahren besetzte Haus soll Mittelpunkt eines kleinen Quartiers mit Park, Kreativzentrum, Wohnungen und Gewerbe werden. Im Entwurf des rot-grün dominierten Bezirks Altona heißt es über die Rote Flora: "Das Gebäude soll in seiner städtebaulichen Einzigartigkeit und seiner wichtigen kulturellen Funktion für den Stadtteil erhalten bleiben." Bereits zuvor hatte der Bezirk Altona dem Investor Steine in den Weg gelegt beim Plan, das Gebäude zu verkaufen. Ein Antrag von Kretschmer, das Grundstück aus dem sogenannten Sanierungsgebiet herauszunehmen und damit entsprechende Auflagen nicht mehr berücksichtigen zu müssen, war abgelehnt worden. Bis zum 27. Juli hat der Investor noch Zeit, dagegen Widerspruch einzulegen. Aber: "Wir haben seit der Ablehnung nichts von Herrn Kretschmer gehört", sagt Bezirkssprecher Nils Fischer. Auch beim Baurecht hat der Bezirk Eigentümer Kretschmer einen Strich durch die Rechnung gemacht: Mit dem Beschluss einer sogenannten Veränderungssperre kann der Bezirk jeden Bauantrag ablehnen - damit kann am Gebäude Rote Flora nichts Wesentliches verändert werden.

Bereits seit einem Jahr versucht Klausmartin Kretschmer, das Gebäude am Schulterblatt zu verkaufen. Im Jahr 2001 hatte er die besetzte Flora für 370 000 Mark von der Stadt erworben - und in einem schwelenden Konflikt im damals SPD-regierten Hamburg für Ruhe gesorgt. In den ersten zehn Jahren nach dem Kauf besaß die Stadt ein Vetorecht, sodass Kretschmer nicht frei verkaufen konnte. Kurz vor Ablauf der Frist, im Jahr 2010, begann der Poker zwischen Kretschmer und Stadt. Der Knackpunkt: Der mögliche Verkauf an einen privaten Investor birgt das Risiko einer Räumung der Roten Flora - von Demonstrationen von Flora-Sympathisanten ist auszugehen. Kretschmer brachte einen Rückkauf ins Gespräch. Angeblich um weiter für Frieden im Stadtteil zu sorgen. Fünf Millionen Euro soll er angeblich von der Stadt gefordert haben. Doch die Verhandlungen mit Bezirksamt Altona und Finanzbehörde liefen nicht in seinem Sinne. Mehr noch: Die Stadt korrigierte ihr Gebot, das sich am Verkehrswert des Flora-Grundstücks von etwas mehr als einer Million Euro orientierte, im Laufe der Verhandlungen nach unten. Besonders als Bürgermeister Olaf Scholz nach der Bürgerschaftswahl verkündete, am Zustand des besetzten Hauses nichts ändern zu wollen.

Auch die Erklärung von Altonas Bezirkschef Jürgen Warmke-Rose am Freitag ist knapp und deutlich: "Wir wollen, dass das Grundstück der Roten Flora im Sanierungsverfahren bleibt, um Spekulationen verhindern zu können. Wir arbeiten an einem Bebauungsplanentwurf, um die Nutzung des Gebäudes für Stadtteilkultur langfristig zu sichern." Daher hat der "Bebauungsplan 7" auch den Zusatz "Flora Park".

Der Bebauungsplanentwurf folgt auf einen Baustufenplan aus den 50er-Jahren, der dort eine "Fläche für besondere Zwecke/Theater" vorsah. Er umfasst das Quadrat zwischen Schulterblatt, Julius- und Lippmannstraße sowie den angrenzenden S-Bahn-Gleisen. Zentren in diesem Karree sind die Rote Flora, der dahinter liegende Park und ein schmales Gebiet zwischen Eifflerstraße und S-Bahn-Gleisen. Mit dem neuen Plan will der Bezirk Altona "dem hohen Umnutzungs- und Wertsteigerungsdruck in dem Quartier planungsrechtlich entgegensteuern". Heißt übersetzt: den Charakter des Stadtteils erhalten. Der Bezirk prüft noch, wo dort Wohnungsbau möglich ist. Sicher ist: Der Park soll ausgebaut werden und bessere Wege bekommen. Er habe "eine wichtige Funktion für das Viertel". Der Bunker im Park soll umgenutzt werden - allerdings behutsam. Der Park soll Rückzugsraum der Anwohner bleiben. Auch die Gastronomie soll nur ohne Nutzungskonflikte mit den Nachbarn möglich sein. Vergnügungsstätten und Wettbüros sollen verboten sein.

Die ungewöhnlich schnelle Entwicklung des Quartiers war nach Abendblatt-Informationen nur möglich, weil sich Bezirk, Senatskanzlei, Innenbehörde und Finanzbehörde einig waren. Investor Klausmartin Kretschmer war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Aus der Roten Flora hieß es gegenüber dem Abendblatt, man würde sich "zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern".