Sorge um Stadtteilschule am Hafen

Eltern fürchten Schließung des Standorts Königstraße, Schulbehörde will erst im Herbst entscheiden

Altona-Altstadt. Die Stadtteilschule könne die Zukunftsschule für Hamburg werden. Das sagte Bildungssenator Ties Rabe (SPD), als er noch kein Senator war. Doch nun sorgen sich Eltern und Bürger um die Zukunft der Stadtteilschule am Hafen: Seit Wochen machen Gerüchte die Runde, nach denen der Standort an der Königstraße in Altona-Altstadt aufgegeben werde.

Henry Büttner arbeitet als Lademeister im Hafen. Im Moment aber verwendet der Elternratsvorsitzende der Grundschule Königstraße, die neuerdings Ganztagsschule an der Elbe heißt, sehr viel Energie darauf herauszufinden, ob diese Stadtteilschule überhaupt eine Zukunft hat. Schließlich soll seine neunjährige Tochter nach der Grundschule später auf die weiterführende Stadtteilschule gehen, die auf demselben Gelände ist. Zurzeit hat die Stadtteilschule am Hafen drei Standorte - an der Königstraße, an der früheren Ganztagsschule St. Pauli am Hafenrand und an der früheren Rudolf-Roß-Gesamtschule in der Neustadt. Die Oberstufenschüler werden sogar an einem vierten Standort an der Budapester Straße unterrichtet. In einem Schreiben an den Schulsenator hatte Büttner darum gebeten zu erfahren, wie die Planungen für die Stadtteilschule an der Königstraße aussehen. Zwar sei das Grundschulangebot an diesem Standort "unstrittig", heißt es in der Antwort. "In Bezug auf die Frage, inwieweit der Standort auch für den Sekundarstufenbereich vorgehalten werden muss, ist der Diskussionsprozess noch nicht abgeschlossen", schreibt der Oberschulrat. Zwar habe die Schulbehörde nicht vor, diesen Standort aufzugeben, wie genau die Räume aber genutzt würden, sei erst klar, wenn der Schulentwicklungsplan im Herbst feststehe. Behördensprecher Peter Albrecht: "Alles ist offen."

Kommt es zur Standortaufgabe, sei das ein großer Nachteil für den eher sozial schwachen Stadtteil, sagt Gerald Pump-Berthé, einer der beiden Schulleiter: "Dann fallen wir aus der geplanten Achtzügigkeit heraus und wären auf sechs Züge festgelegt. In anderen Stadtteilen wäre das eine akzeptable Größe, in Altona-Altstadt aber könnten wir dann nicht genügend Schüler aus der 10. Klasse in die gymnasiale Oberstufe herausfiltern." Ein Großteil der Schüler kommt aus "bildungsfernen Familien mit Migrationshintergrund". "Wenn diese Schüler, die in ihren Familien häufig die Einzigen sind, die es in die gymnasiale Oberstufe schaffen, in andere Stadtteile gehen müssen, wird es schwierig für sie. Wir dagegen haben die Erfahrungen, mit diesen Schülern zu arbeiten." Die Finanzbehörde, zuständig für die Liegenschaften, dementiert Gerüchte, wonach ein Teil des Schulgeländes verkauft werden soll. Sprecher Daniel Stricker: "Es gibt keinerlei Verkaufspläne." Dabei hätten Henry Büttner und seine Mitstreiter nichts gegen Wohnungsbau auf dem Schulgelände, "ganz im Gegenteil. Das würde das Viertel familienfreundlicher machen."

Gerüchten zufolge soll auch das Hamburger Institut für Berufliche Bildung (HIB) auf dem Gelände Räume beziehen. Schuleiter Pump-Berthé: "Wir sind gesprächsbereit. Mit dem HIB könnten wir sogar kooperieren."

Statt den Standort aufzugeben, würden es Eltern und Schüler lieber sehen, dass die mehr als 30 Jahre alten Gebäude saniert werden. André Jappe, Elternvertreter der Stadtteilschule am Hafen, Standort Königstraße: "Die Toiletten sind von 1968 und haben immer noch den ersten Anstrich."