Wirtschaftsstandort Hamburg

Weltkonzern SAP verlässt die HafenCity

Foto: Roehrbein, Ingo (Hamburg, DEU) / Roehrbein

Der Software-Riese SAP zieht nun in einen Neubau in Rotherbaum. Nachfrage nach Büroflächen in der HafenCity kleiner als das Angebot.

HafenCity/Rotherbaum. Es ist eine schlechte Nachricht für die HafenCity: Hamburgs Vorzeigestadtteil verliert eines seiner Aushängeschilder. Einen Weltkonzern, der 2003 in den ersten Neubau in dem städtebaulichen Großprojekt gezogen war. SAP, das weltweit agierende Software-Unternehmen, wird seinen Standort am Großen Grasbrook in der HafenCity nach Abendblatt-Informationen verlassen. Die Hamburger Niederlassung wird mit ihren rund 400 Mitarbeitern Ende 2012 in den Stadtteil Rotherbaum umziehen. Dort wird an der Tesdorpfstraße direkt neben dem Hotel Grand Elysée ein siebengeschossiger Neubau mit rund 10 000 Quadratmeter Fläche von Investor Harm Müller-Spreer errichtet.

Die Finanzbehörde hat das städtische Grundstück zum Verkauf ausgeschrieben. Das Mindestgebot für die begehrten Bauflächen in Hamburger Top-Lage lag bei elf Millionen Euro. Investor Müller-Spreer (baute unter anderem die SAP-Niederlassung in Berlin) hat sich nach Abendblatt-Informationen gegen zwölf Investoren, darunter Elysée-Besitzer Eugen Block, durchgesetzt: "Ich freue mich, dass die Stadt unserem Konzept den Zuschlag gegeben hat", sagte Müller-Spreer. Es werde nun ein langfristiger Mietvertrag mit SAP abgeschlossen, und damit gebe der Weltkonzern ein klares Bekenntnis zum Standort Hamburg ab, so Müller-Spreer weiter.

Der Bauherr wird an der Tesdorpfstraße in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Dammtor über 40 Millionen Euro investieren. Als Architekten wurde gmp (Gerkan, Marg und Partner) ausgewählt.

Auf Abendblatt-Anfrage bestätigte SAP-Sprecherin Angelika Pfahler den für Ende 2012 geplanten Umzug nach Rotherbaum. Dann läuft auch der Mietvertrag für das Gebäude in der HafenCity aus: "Deshalb haben wir uns nach einem geeigneten neuen Mietobjekt umgeschaut. Wir haben mehrere Optionen geprüft", sagte Pfahler. Darunter seien neben der HafenCity auch St. Georg und der neue Standort an der Tesdorpfstraße gewesen.

Aber warum kehrt der Weltkonzern der HafenCity nun den Rücken?

Darauf antwortet Sprecherin Pfahler diplomatisch und geht auf den neuen Standort in Rotherbaum ein: Einer der Vorzüge sei die gute öffentliche Verkehrsanbindung. Außerdem seien für SAP eine repräsentative Lage und eine gute Infrastruktur wichtig, zudem eine flexible Raumsituation, weil in den Räumlichkeiten auch Kundenschulungen durchgeführt würden.

Der Weltkonzern war 2003 als einer der ersten Mieter in der HafenCity in das von der Stuttgarter Häusler-Gruppe errichtete Gebäude eingezogen.

Für das Image der HafenCity ist der Umzug ein Rückschlag. Es gilt als offenes Geheimnis, dass die Nachfrage nach Büroflächen in der HafenCity dem Angebot hinterherhinkt. Nach den aktuellsten Daten aus dem Juni 2010 stehen etwa 36 000 Quadratmeter Bürofläche leer. Entsprechend ist auch die Reaktion auf den Umzug: "Mit SAP verlässt einer der Pioniere die HafenCity, das ist ein großer Verlust", sagte Markus Schreiber (SPD), Bezirksamtsleiter Mitte.

Die Hafen City GmbH, die die Grundstücke in dem Stadtteil vermarktet, gibt sich hingegen gelassen. Jürgen Bruns-Berentelg, Vorsitzender der Geschäftsführung, sagt: "Ich sehe das emotionslos. Es wird in Zukunft noch viele Wechsel von und in die HafenCity geben."

Schon seit Ende 2010 wurden im Hintergrund die Fäden für den SAP-Umzug gezogen. Erste Kontakte zum damaligen Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) und Ex-Wirtschaftssenator Ian Karan (parteilos) hatte der CDU-Politiker Andreas Wankum hergestellt. Nach Abendblatt-Informationen wäre es für SAP auch eine Option gewesen, Hamburg zu verlassen, wenn es mit der Tesdorpfstraße nicht geklappt hätte: "Es hätte für dieses Grundstück keine andere Vergabeentscheidung geben dürfen", sagt Wankum. Denn so könne gewährleistet werden, dass dieser Weltkonzern sich langfristig an Hamburg binde und so Hunderte Arbeitsplätze gesichert seien.

Eine letzte Hürde ist noch zu nehmen: Die Kommission für Bodenordnung muss dem Verkauf noch zustimmen. Dieses gilt allerdings als sicher. Daniel Stricker, Sprecher der Finanzbehörde, begrüßt die Entscheidung des Software-Riesen: "Mit der Grundstücksvergabe wäre SAP am Standort Hamburg gesichert." Es entstünden neue Arbeitsplätze und bedeute eine Stärkung des Wirtschaftsstandorts Hamburg. Im Bezirk Eimsbüttel ist die Freude über den Zuzug von SAP groß: "Die Ansiedlung eines so bedeutenden Unternehmens ist ein großer Gewinn", sagte Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke dem Abendblatt.