Nach Reaktor-Katastrophe in Japan

Bis zu 1000 Bestellungen: Anti-Atomkraft-Buttons im Trend

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Elisabeth Jessen, Claudia Maier und Pauline Schmidt

Foto: picture-alliance / Romain Fellen / picture-alliance

Vor den Großdemonstrationen brummt das Geschäft mit Stickern und Fahnen. Viele Atomkraftgegner haben ihre Buttons längst.

Hamburg. "Bitte Geduld!" Wer sich derzeit mit Buttons, Aufklebern und Fahnen mit Anti-Atomkraft-Logo eindecken will, muss eine gewisse Wartezeit einrechnen und wird im Online-Shop deshalb gleich darauf hingewiesen. Die rote Sonne auf gelbem Grund ist derzeit absolut im Trend. Viele Atomkraftgegner haben die Buttons längst. Wer sie nicht aus früheren Jahren in der Schublade hat, deckt sich jetzt damit ein. "Normalerweise haben wir zehn bis 30 Bestellungen pro Tag. Im Moment sind es 800 bis 1000", sagt Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atomkraft-Bewegung "ausgestrahlt".

Die Initiative ist eine jener Organisationen, die die Original-Protest-Utensilien vertreiben darf. Die Rechte an dem Logo, das die Dänin Anne Lund 1975 entwickelt hat, besitzt die dänische Stiftung OOA, die die Marke in allen europäischen Staaten und sogar in den USA hat schützen lassen. Sie sorgt auch dafür, dass das Logo nicht für kommerzielle Zwecke missbraucht wird und vergibt Lizenzen nur an Anti-Atomkraft-Initiativen. "Wir sind sehr froh über das große Interesse und lassen ständig nachproduzieren", sagt Stay.

Jennifer McNeil hat ihren Anstecker schon ganz lang und hat ihn nach der Katastrophe in Japan wieder rausgeholt. "Mir fällt auf, dass man seitdem überall wieder mehr von den Buttons sieht", sagt die 30 Jahre alte Betriebswirtin. "Wo gibt es eigentlich diese Buttons?", würde auch Katharina Meinrich, 24, gern wissen. Der Studentin der Islamwissenschaften, die Ökostrom bezieht, ist wichtig, "dass das Thema Atomkraft wieder mehr öffentlich diskutiert wird".

Neben den Ansteckern ziert das Logo auch Fahnen in diversen Größen, Laternen, Frisbees, Bonbons, und sogar eine Cappuccino-Schablone mit der Anti-AKW-Sonne gibt es. Die Fahnen produziert ein Unternehmen in Schleswig-Holstein. "Die Bestellungen kommen bei uns in Zehntausender-Größenordnungen an. Das läuft wie die Deutschlandfahne zur Fußballweltmeisterschaft", sagt Bodo Schild, Geschäftsführer bei der Schild Flaggen-Store GmbH in Altenholz bei Kiel, der an .ausgestrahlt Fahnen in diversen Größen liefert. Der größte Renner sei die 90 mal 60 Zentimeter große Fahne. Als Lieferant unterstütze er den Auftraggeber mit guten Konditionen: "Ich habe auch Angst vor der Atomkraft. Insofern kann ich mich damit gut identifizieren", sagt Schild.

Für Jochen Stay ist der Ansturm auf die Insignien der Atomkraftgegner nur ein weiteres Indiz für den enormen Zulauf, den die Anti-AKW-Bewegung derzeit in Deutschland erlebt. Da passt es ins Bild, dass die Jugendzeitschrift "Bravo" statt eines Teenie-Stars ein Anti-AKW-Poster in seiner neuen Ausgabe hat. "Zu den ersten Mahnwachen in 450 Städten und Gemeinden kamen 110 000 Menschen. Bei den zweiten Mahnwachen in 726 Städten waren es schon 140.000."

Auch im Internet werde die Vernetzung immer stärker. Auf der Facebook-Seite der Initiative waren bis vor Kurzem 6000 sogenannte Freunde registriert, innerhalb von zehn Tagen seien es mehr als 10 000 geworden, sagt Stay.

Wie viele sich am Sonnabend auf den Weg machen werden und bei einer der Großdemonstrationen in Hamburg, Berlin, München und Köln mitmarschieren, können die Veranstalter derzeit noch nicht einschätzen. "Wir gehen davon aus, dass sehr viele Menschen das Bedürfnis haben, ihren Protest zu zeigen. Es könnten mehrere Zehntausend sein", sagt Thorben Becker vom BUND. In allen vier Großstädten sind Kundgebungen geplant. Motto: "Fukushima mahnt: Atomkraftwerke abschalten."

Beginn der Demonstration ist um 12 Uhr an der Moorweide. Von dort geht es über Esplanade und Lombardsbrücke vorbei am Hauptbahnhof und der Vattenfall-Konzernzentrale an der Mönckebergstraße. Die Abschlusskundgebung ist von 14 bis 16 Uhr auf dem Rathausmarkt. Um 14.15 Uhr soll es eine Schweigeminute für die Opfer in Japan geben.