Bauvorhaben am U-Bahnhof Berne

Erster Supermarkt über Gleisen ist umstritten

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Auf dem U-Bahnhof Berne will der Discounter Lidl bauen. Die SPD kritisiert, dass die Bürger bisher nicht ausreichend informiert wurden.

Farmsen-Berne. Es ist ein spektakuläres Bauvorhaben und wäre so in Hamburg einmalig. Am U-Bahnhof Berne sollen die Gleise überbaut werden. Hier sollen ein Supermarkt mit rund 800 Quadratmeter Verkaufsfläche und 70 Parkplätze entstehen. Das finden nicht alle super.

Seit April 2008 führt der Bezirk Wandsbek Gespräche mit dem Discounter Lidl. Auch die Hochbahn und die P+R-Betriebsgesellschaft waren daran beteiligt. Das Hamburger Architektenbüro Schindel hat im Auftrag von Lidl bereits Pläne für eine frei tragende Konstruktion über den Gleisen entworfen. Diese Entwürfe wurden dem zuständigen Planungsausschuss der Bezirksversammlung Wandsbek vorgestellt. Die Bezirkspolitiker stimmten auch der Einleitung des dafür notwendigen Bebauungsplanverfahrens Farmsen-Berne 35 zu.

Doch nun ist plötzlich von einer Vergabe der Fläche an Lidl keine Rede mehr. Die zuständige Finanzbehörde will die Überbauung der Gleise und die Errichtung eines Supermarkts ausschreiben. Das bestätigte Sprecher Daniel Stricker auf Anfrage des Hamburger Abendblatts: "Es laufen noch die Behördenabstimmungen. Die Ausschreibung kann gegebenenfalls noch in diesem Jahr erfolgen."

Allerdings kritisiert der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Ole Thorben Buschhüter dieses Vorgehen: "Es ist schon merkwürdig, dass die Stadt jahrelang mit Lidl hinter den Kulissen verhandelt und erst jetzt über eine Ausschreibung einen Investor suchen will." Außerdem sagt Buschhüter: "Dass die Bürger an diesem Bauvorhaben bislang nicht beteiligt waren, ist skandalös. Denn vor Ort ist der geplante Supermarkt über den Gleisen umstritten."

Das wurde auch bei einem Ortstermin am U-Bahnhof Berne deutlich, zu dem auf Einladung von Buschhüter etwa 30 Bürger kamen: "In unmittelbarer Nähe gibt es bereits zwei Supermärkte. Wir haben überhaupt keinen Bedarf", sagte Edda Sievers. Die Rentnerin wohnt wenige Meter von der U-Bahn-Strecke entfernt.

Auch ihr Nachbar Gernot Riebenstein hat Bedenken: "Der Supermarkt würde nur Lärm verursachen. Der nächtliche Anlieferungsverkehr würde uns den Schlaf rauben." Außerdem seien die geplanten 70 Parkplätze viel zu knapp bemessen.

Auch die SPD sorgt sich um das zusätzliche Verkehrsaufkommen: "Bevor hier nach einem Investor gesucht wird, muss erst mal feststehen, wie die Verkehrsanbindung aussehen soll. Ansonsten gibt es hier ein Chaos", sagt der Bezirksabgeordnete Lars Pochnicht.

Die CDU sieht den geplanten Supermarktbau dagegen positiv: "Es wäre ein sehr innovatives Vorhaben. Den Verkaufserlös könnte die Stadt gut gebrauchen", sagt der CDU-Bezirksabgeordnete Gisbert Gürth. Ein weiterer Supermarkt an diesem Standort sei eine Bereicherung: "Konkurrenz belebt das Geschäft. Davon profitieren schließlich die Verbraucher", sagt Gürth, der auch Vorsitzender des Planungsausschusses ist.

An der geplanten Ausschreibung wird sich wohl auch der Discounter Lidl beteiligen. Auf Abendblatt-Anfrage bestätigte eine Unternehmenssprecherin: "Wir sind nach wie vor an dem Standort in Berne interessiert."

Wenn das Bauvorhaben realisiert wird, würde auf jeden Fall der U-Bahnhof Berne aufgewertet. Denn der Investor müsste einen Aufzug zur Hochbahn finanzieren, um den Fahrgästen einen barrierefreien Zugang zu den Bahnsteigen zu ermöglichen.