Verbraucherzentrale Hamburg

Nach Hungerlohn-Vorwurf - Lidl zieht Werbung zurück

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Der Discounter beugt sich dem öffentlichen Druck: Lidl hatte mit sozialen Arbeitsbedingungen geworben - trotz Biliglöhnen bei Lieferanten.

Hamburg. Ein erster Erfolg für die Verbraucherzentrale Hamburg: Der Discounter Lidl hat sich verpflichtet, seine umstrittene Werbung mit angeblich sozialen Arbeitsbedingungen künftig nicht mehr zu veröffentlichen. Das Unternehmen habe eine entsprechende Unterlassungserklärung abgegeben, bestätigten die Verbraucherorganisation und Lidl am Mittwoch abendblatt.de.

Die Klage der Verbraucherzentrale gegen die Werbung war von der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) und dem European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) unterstützt worden. Das Bündnis warf Lidl vor, sich nicht an das in der Werbung gegebene Versprechen fairer Arbeitsbedingungen bei Textilzulieferern in Bangladesch zu halten. Der Discounter lässt in dem asiatischen Land unter anderem T-Shirt fertigen.

Näherinnen in mehrerer Zulieferbetrieben Lidls hatten Kontrolleuren der Organisationen zuvor von "unmenschlichen Arbeitsbedingungen" berichtet: Unter anderem gebe es überlange Arbeitszeiten, Lohnabzüge als Strafmaßnahmen, mangelnde und intransparente Vergütung von Überstunden, Verhinderung von Gewerkschaftsarbeit und Diskriminierung von weiblichen Beschäftigten. Die beschriebenen Verhältnisse verstoßen nach Angaben der Verbraucherzenrale unter anderem gegen die Konventionen der Internationalen Arbeitnehmerorganisation ILO.

Der Monatslohn einiger Arbeiterinnen liegt laut den Recherchen bei 27 Euro. Umgerechnet auf eine Arbeitszeit von 60 Stunden pro Woche ergäbe dies einen Stundenlohn von elf Cent. Zum Vergleich: Herrenhemden findet man bei Lidl in Deutschland für 3,99 Euro, Hosen für 5,99 Euro.

Konkret darf Lidl nun nicht mehr behaupten: „Wir handeln fair! Jedes Produkt hat eine Geschichte. Uns ist wichtig, wer sie schreibt. Lidl setzt sich weltweit für faire Arbeitsbedingungen ein. Wir bei Lidl vergeben deshalb unsere Non-Food-Aufträge nur an ausgewählte Lieferanten und Produzenten, die bereit sind und nachweisen können, soziale Verantwortung aktiv zu übernehmen. Wir lehnen grundsätzlich jegliche Form von Kinderarbeit oder Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen in den Produktionsstätten unserer Waren ab. Wir sichern diese Standards nachhaltig“.

„Der Fall Lidl beweist, dass es riskant für Unternehmen ist, sich ein Sozialmäntelchen umzuhängen", sagte Gisela Burckhardt von der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC). Sie forderte die Bundesregierung auf, Unternehmen zu verpflichten, Sozialstandards in der Lieferkette einzuhalten. Freiwilligkeit habe bisher nicht zum Erfolg geführt.