Stadtentwicklung Hamburg

Altona-Nord: Das Geisterhaus der Saga

Foto: Michael Rauhe

Viele Vermieter und Mieter sprechen von „akuter Wohnungsnot", doch Gebäude in Altona sind seit Jahren fast komplett unvermietet.

Hamburg. Ein nahezu leer stehendes Wohnhaus des städtischen Unternehmens Saga ruft heftige Kritik aus den Reihen der Politik hervor. Auch der Hamburger Mieterverein "Mieter helfen Mietern" (MhM) rügt die Saga dafür, dass das Haus mit der Nummer 1 an der Oelkersallee in Altona-Nord seit Jahren so gut wie unbewohnt ist. Nur eine der zehn Wohnungen ist noch vermietet. Die anderen stehen leer. "Und das in Zeiten, in denen viele Politiker, Vermieter und Mieter in Hamburg von akuter Wohnungsnot sprechen", sagt Marco Meyer vom MhM, der jüngst - wie berichtet - eine "Anti-Leerstand-Kampagne" gestartet hat. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass im Schanzenviertel mehrere Wohngebäude seit Jahren leer stehen. Kritiker vermuten dahinter Spekulationsabsichten.

Der Mieterverein kritisiert insbesondere, dass das Gebäude der Saga gehöre, die im Internet damit wirbt, "attraktive und günstige Mietwohnungen" anzubieten. "Dass die Saga Wohnungen leer stehen lässt, ist ein starkes Stück. Noch schlimmer als bei einem privaten Eigentümer", sagt Meyer. "Rechtlich gesehen werden dort Wohnungen zweckentfremdet." Auch Abgeordnete der Bürgerschaft kritisieren den Leerstand der Saga-Wohnungen an der Oelkersallee. "Angesichts der Wohnungsmarktsituation ist es absurd, Wohnungen über Jahre unvermietet zu lassen," sagt SPD-Stadtentwicklungsexperte Andy Grote. Das sei Verschwendung von Wohnraum. "Und das können wir uns nicht leisten", sagt Grote.

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Auch Joachim Bischoff von der Linken-Fraktion sieht den Fall kritisch: "Es ist ein Skandal. Das ist für ein öffentliches Unternehmen inakzeptabel und ein absolutes Armutszeugnis für die Saga." Gerade wegen des akuten Wohnungsmangels, so Bischoff, sei es scharf zu kritisieren, Wohnungen über einen langen Zeitraum leer stehen zu lassen. Eine plausible Begründung gebe es dafür nicht. "Alles andere sind Ausreden."

Die Saga bestreitet den Vorwurf, sie zweckentfremde Wohnungen. "Das Haus ist in einem schlechten Zustand. Vermutlich sind die Balken, die die Decken stützen, schwammbefallen. Deshalb wollen wir das Gebäude komplett sanieren und modernisieren", sagt Saga-Sprecher Carl Mario Spitzmüller. Bewohnbar seien die Räume im jetzigen Zustand nicht. Vor etwa fünf Jahren habe die Saga begonnen, die Mieter in adäquate Ersatzwohnungen auszuquartieren. "Doch ein Mieter weigert sich nach wie vor, eine andere Wohnung zu beziehen." Spitzmüller: "Dadurch verzögert sich die Sanierung." Die Saga nehme jetzt die Planungen auf. "Im kommenden Jahr sollen die Arbeiten beginnen. Falls wir uns mit dem Mieter bis dahin nicht einigen, sanieren wir trotz der bewohnten Mieteinheit." Die Bauarbeiten würden ein Jahr dauern.

Für den Mieterverein MhM ist nicht nachvollziehbar, warum die anderen Wohnungen über Jahre unvermietet geblieben sind. Marco Meyer: "Es hätte problemlos Zwischenvermietungen geben können. Studenten hätten die Wohnungen sicher mit Kusshand genommen." Marco Meyer vom Mieterverein kritisiert auch, dass die Saga durch Klingelschilder und provisorische Vorhänge in den Fenstern eine Bewohnung vortäusche. "Der Saga ist klar, dass es ein politisches Problem ist, Wohnungen leer stehen zu lassen. Anders lässt sich die simulierte Bewohnung nicht erklären", sagt Meyer.

Es handele sich um eine Sicherungsmaßnahme, sagt dagegen Saga-Sprecher Carl Mario Spitzmüller. Um zu verhindern, dass sich Fremde Zutritt zu den leeren Räumlichkeiten verschaffen, habe die Saga dafür gesorgt, dass das Haus bewohnt aussehe. "Deshalb gibt es zum Beispiel auch Zeitschaltuhren, durch die in den Wohnungen zu bestimmten Zeiten Licht brennt." Das sei kein übliches Verfahren, aber es habe bisher funktioniert. Bewohnern der Oelkersallee ist das Gebäude ein Dorn im Auge. "Es ärgert uns, dass die Saga das Haus seit Jahren verkommen lässt und es anscheinend nicht nötig hat zu vermieten", sagt ein Anlieger, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Der Kunsthistoriker, der selbst Hauseigentümer ist, hat den Eindruck, dass die Behörde lange weggeschaut habe.

"Uns wurde der Leerstand im Oktober 2008 erstmals gemeldet", sagt Kerstin Godenschwege, Sprecherin des Bezirksamts Altona. Daraufhin sei die Saga aufgefordert worden, sich zu äußern. Über die Modernisierungspläne musste die Saga die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) informieren. Zum aktuellen Stand sagt BSU-Sprecherin Helma Krstanoski: "Das Sanierungsvorhaben hat die Saga mit uns abgesprochen."