Hamburger Krematorium wird umgebaut

Ohlsdorf: Mehr Auswahl beim letzten Weg zur Ruhe

Das Krematorium ist ab 2011 wieder in Betrieb und wird für 23 Millionen Euro zum "Bestattungsforum" umgebaut.

Hamburg. Das stillgelegte Krematorium am Ohlsdorfer Friedhof ist ab Sommer 2011 wieder in Betrieb. Wer sich nun fragt, ob dann der Geruch verbrannter Verstorbener über Trauerweiden und Rhododendren des Parkfriedhofs liegen wird, darf aufatmen: "Die Anlage ist modern, die Filter erfüllen strenge Auflagen, da dringt nichts nach außen", sagte Wolfgang Purwin, Geschäftsführer der Hamburger Friedhöfe, dem Abendblatt.

Es sind auch profane Dinge, die den letzten Weg eines Verblichenen begleiten, aber trotzdem organisiert werden müssen. So wird der Fritz-Schumacher-Bau aus dem Jahr 1932, bezeichnenderweise das letzte Werk des Baumeisters, zum "Bestattungsforum" umgebaut, "mulifunktional und kundenorientiert". Zehn Millionen Euro fließen dafür aus dem Konjunkturpaket des Bundes, weitere dreizehn Millionen Euro übernimmt der städtische Bund der Friedhöfe. Beginn der Arbeiten ist noch im Dezember.

"Hamburg erhält ein deutlich verbessertes Angebot für den Abschied von Verstorbenen", sagte Stephan Winters (GAL), Staatsrat für Stadtentwicklung". In zwei flachen, neuen Anbauten entstehen am denkmalgeschützten Krematorium "moderne Feierräume und Gastronomie". Man werde dem Wunsch vieler Menschen gerecht, den letzten Abschied individuell und unabhängig von Konfessionen zu gestalten. Erstmals in Norddeutschland könne Trauerfeier, Einäscherung und Beisetzung am selben Tag erfolgen. Möglich sei auch, den Sarg bis in die Feuerhalle zu begleiten oder 24 Stunden am Stück mit dem Verstorbenen zu verbringen. Eingerichtet werde auch ein Kolumbarium: Das bedeutet eigentlich Taubenschlag, meint aber ein Gebäude, in dem Urnen oberirdisch beigesetzt werden können.

Das Bestattungsforum richtet sich aber auch an Touristen. Gastronomische Angebote sollen mehr Besucher in den größten Parkfriedhof der Welt locken, etwa Spaziergänge zu den Gräbern Prominenter.

Seit des Krematorium in Ohlsdorf vor zehn Jahren auch aufgrund seiner Baufälligkeit stillgelegt wurde, übernahm die Anlage in Öjendorf alle Aufträge aus dem Stadtgebiet, etwa 12 500 Verstorbene werden in Hamburg jedes Jahr verbrannt. Etwa 6000 sollen es ab 2011 wieder in Ohlsdorf sein, wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind. Im Gegenzug werden Teile des Öjendorfer Krematoriums stillgelegt. Friedhofs-Verbundchef Wolfgang Purwin versichert, es bestehe keine Konkurrenz zwischen den Anlagen.