Kommentar: Boni, Klagen, Selbstbedienung

Die Anarchie einiger Banker

Als 1987 der Film "Wall Street" die Gier und Skrupellosigkeit der Banker um Gordon Gekko beschrieb, hielten viele Zeitgenossen das für fantastisches Kino oder für ein amerikanisches Problem.

22 Jahre und eine fulminante Finanzkrise später haben sich auch einige deutsche Banker, meist aus der zweiten Reihe, Sympathiewerte wie Gekko erarbeitet. Frei von Anstand, nur mit dem Ziel der privaten Gewinnmaximierung ramponieren sie den Ruf einer ganzen Branche.

Der Vorstand der Hypo Real Estate (HRE), Axel Wieandt, etwa kassiert eine Sonderzahlung von 500 000 Euro, HSH-Nordbank-Vorstand Dirk Jens Nonnenmacher eine Zusatzprämie von 2,9 Millionen Euro. Andere Banker wie KfW-Vorstand Peter Fleischer, verantwortlich für die Millionenüberweisung an Lehman Brothers, klagte auf Fortzahlung seines Gehalts - genau wie die Ex-Vorstände der HRE. Auch die für tiefrote Zahlen verantwortlichen Investmentbanker der Dresdner streiten vor Gericht um Millionen. Dass die Steuerzahler ihre Geldhäuser stützen und retten mussten, stört sie offenbar wenig. In anderen Gehaltsklassen angesiedelt, moralisch aber ähnlich fragwürdig sind die Halteprämien, die derzeit Banker der HSH Nordbank einstreichen. Die Beispiele beweisen, wie wenig die Branche gelernt hat, wie entrückt einige noch immer sind.

Das alles ist weit mehr als ein teures Ärgernis. Mittelfristig droht diese Melange aus Boni, Zuschlägen und dreisten Klagen das Vertrauen in unser Wirtschaftssystem zu untergraben; sie löst den sozialen Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält. Auch für Banker gilt der kategorische Imperativ Kants: "Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne." Es geht um ein Gesetz der Verantwortung, nicht um das des Dschungels. Und es geht um Regeln statt Anarchie.