Wersich fordert Alkoholverbot in Bus und Bahn

| Lesedauer: 3 Minuten

Bei der Eisenbahngesellschaft Metronom ist die Zahl der Straftaten nach Einführung klarer Regeln um 70 Prozent gesunken

Hamburgs Gesundheits- und Sozialsenator Dietrich Wersich (CDU) hat sich für ein generelles Alkoholverbot innerhalb des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) ausgesprochen. "Die Belästigung durch alkoholisierte Personen in den öffentlichen Verkehrsmitteln ist den anderen Fahrgästen nicht länger zuzumuten. Besonders bei Jugendlichen, wird die Hemmschwelle durch Alkohol deutlich gesenkt", sagte Wersich dem Abendblatt. Damit reagierte der Senator auf die Übergriffe und Vandalismusschäden, die immer wieder durch alkoholisierte Fahrgäste in Bussen, Bahnen und in den Regionalzügen verursacht werden. Auch weggeworfene Bierdosen oder Schnapsflaschen seien ein Ärgernis.

Im Alkoholkonsumverbot sieht auch Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn in Hamburg eine große Chance für mehr Fahrgastsicherheit. "Auch wenn wir manchem Arbeitnehmer damit die gemütliche Heimfahrt bei einem Bierchen verderben: Klare Regeln, deren Einhaltung kontrolliert wird, sind hier ganz wichtig." Naumann ist zudem überzeugt, dass ein gemischteres Publikum in U- und S-Bahnen ebenfalls zu mehr Sicherheit führen würde, weil so die gesellschaftliche Kontrolle höher sei. Er nennt das Beispiel Zürich: "Dort fahren Vertreter aller gesellschaftlichen Gruppen mit der S-Bahn, vor allem die Schlipsträger, weil sie in der Stadt keinen Parkplatz finden."

Dass ein Alkoholkonsumverbot tatsächlich große Wirkung zeigt, belegen die Zahlen der Eisenbahngesellschaft Metronom. Darauf wies auch Senator Wersich in seiner Forderung hin.

"Wir haben im November 2009 das Verbot durchgesetzt. Die Zahl der Straftaten sank allein schon dadurch, dass wir im September unsere Fahrgäste mit Blick auf das kommende Verbot um Verzicht gebeten haben", sagt Metronom-Sprecherin Tatjana Festerling. Im August 2009 zählte Metronom in seinen blau-gelben Zügen noch 327 Straftaten, darunter schwere Körperverletzung, Diebstahl, Missbrauch und Nötigung. Nach dem Verbot sank die Zahl deutlich. So waren es im April es nur noch rund 100 Taten.

Um das Verbot durchzusetzen, hat die Eisenbahngesellschaft Metronom, die täglich 80 000 Fahrgäste durch Norddeutschland transportiert, ihren privaten Sicherheitsdienst massiv aufgestockt. "Wir haben das zur Chefsache gemacht." Inzwischen herrsche unter den Fahrgästen Konsens über das Alkoholkonsumverbot. "Selbst in Zügen voller Fußballfans wird so gut wie nicht getrunken, die Fahrgäste achten stark darauf und weisen sich gegenseitig auf das Verbot hin. Wird jemand erwischt, zahlt er eine Strafe von 40 Euro."

"Wir wundern uns bis heute, warum ein Alkoholkonsumverbot in der Branche auf so viel Widerstand stößt", sagt Metronom-Sprecherin Festerling. Um ein generelles Verbot im Öffentlichen Personennahverkehr flächendeckend umzusetzen, braucht es allerdings nach Tatjana Festerlings Meinung eine gesetzliche Grundlage.

Erbrochenes im Abfallbehälter, Attacken auf Migranten, blutige Auseinandersetzungen vor den Augen der Fahrgäste - diese widerlichen bis Angst einflößenden Beobachtungen in S- und U-Bahnen schilderten nach einem Abendblatt-Aufruf gestern Leser. Das Thema Alkohol spielte in fast allen Berichten, die die Redaktion erreichten, eine große Rolle. Die Briefe veröffentlichen wir in Auszügen in den kommenden Tagen.

( (ug/ced) )