Stove. Ponyreiten, Hüpfburg, Trampolin: Am Sonntag ist an der Elbe für jeden etwas dabei – sogar die weibliche Elite des Trabrennsports.

  • Nach drei Absagen in Folge findet das traditionsreiche Stover Rennen am 24. September endlich wieder statt, zum 149. Mal seit 1874.
  • Die Veranstaltung ist deutlich mehr als ein Pferderennen mit Wetten. Sie ist ein Volksfest mit großem Kinderprogramm, Treffpunkt für Jung und Alt und gesellschaftliches Ereignis.
  • Der Stover Rennverein hofft auf mindestens 7000 Zuschauer. Auch, um den Besuchern zum großen Jubiläum 2024 einige Besonderheiten bieten zu können.

Als wir Carsten Fechner telefonisch erreichen, sitzt er auf einem Schlepper und zieht die Rennbahn am Stover Elbdeich ab. „Was, so spät schon?!“, fragt der Mann am anderen Ende der Leitung. Es ist Dienstagabend, kurz nach 20 Uhr, die Sonne vor einer halben Stunde untergegangen. Das scheint der langjährige Geschäftsführer vom Stover Rennverein, der vor zwei Jahren die Position des Ersten Vorsitzenden übernahm, gar nicht wahrgenommen zu haben. Zu viel gibt zu erledigen in diesen Tagen für ihn und die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter – für die meisten parallel zum Beruf.

Es sind anstrengende Tage. Immerhin gilt es, alles perfekt vorzubereiten für das 149. Stover Rennen am Sonntag, 24. September. Das erste Rennen, ein Ponyrennen ohne Toto, beginnt um 11.40 Uhr, um 18.30 Uhr soll der lange und am liebsten erfolgreiche Renntag mit der Vergabe der Tombolapreise zu Ende gehen.

Stover Rennen: Zweimal war Corona der Grund für die Absage

Es ist das erste Stover Rennen seit 2019. Dreimal war das traditionsreiche Großereignis in der Samtgemeinde Elbmarsch ausgefallen. Das geschah in der fast 150-jährigen Geschichte, die bis in die 70er-Jahre des 19. Jahrhunderts zurückreicht, extrem selten. 2020 und 2021 machten die Auswirkungen der Corona-Pandemie dem Stover Rennverein einen Strich durch die Rechnung. Im vergangenen Jahr war es eine Mischung aus mehreren Risikofaktoren, die den Vorstand schließlich zur Absage bewog.

Die Elbbrücke bei Geesthacht war 2022 gesperrt und hätte viele Besucher von nördlich der Elbe gekostet, die Deicherhöhung machte die Anfahrt zum und Benutzung des Sattelplatzes unmöglich und dann stritten sich Pferdesportverband Hannover und das niedersächsische Innenministerium noch darum, wer für die Genehmigung des Renntages zuständig sei. Alles Schnee von gestern, alle Probleme ausgeräumt.

Rennverein-Vorsitzender Fechner: „Es wird und muss einfach gut werden“

„Wir sind guter Dinge und freuen uns auf einen tollen Renntag. Es wird und muss einfach gut werden“, sagt Carsten Fechner. Nicht nur beim Vorsitzenden ist die Vorfreude groß. Man hat den Eindruck, als könnten es die Menschen weit über die Elbmarsch hinaus kaum erwarten, endlich wieder den Geruch von Pferden zu spüren, ihre Tische und Stühle auf dem grünen Deich, der als Naturtribüne dient, aufzustellen, in den Totobuden ihre Wetten auf Favoriten oder Außenseiter zu platzieren und einfach einen tollen Tag in Sichtweite der Elbe zu verbringen.

Der ehemalige Geschäftsführer Carsten Fechner ist seit 2021 der Vorsitzende des Stover Rennvereins.
Der ehemalige Geschäftsführer Carsten Fechner ist seit 2021 der Vorsitzende des Stover Rennvereins. © Hans Kall | Hans Kall

Das Stover Rennen ist so viel mehr als Trab- und Galopp- und Ponyrennen. Einmal im Jahr trifft man sich einfach an der Rennbahn. Und wer drei Jahre zu Hause bleiben musste, scharrt auch als Besucher wortwörtlich mit den Hufen.

Bekannte Fahrer wie Manfred Walter, Jochen Holzschuh und Roland de Beer

Hans-Ludolf Matthiessen, Legende des Hamburger Pferderennsports und viele Jahre Moderator in Stove, hat erneut attraktive Teilnehmerfelder für die neun Trabrennen zusammengestellt. Am Mikrofon wird man den 82 Jahre alten Hamburger nicht mehr hören, diesen Part nimmt Jan von Witzleben auf dem Zielrichterturm nun allein wahr. Jeweils fünf bis neun Pferde gehen pro Rennen an den Ablauf – in Summe ziemlich genau 70 Vierbeiner.

Im Sulky sitzen bekannte Fahrer wie Manfred Walter, Jochen Holzschuh, Roland de Beer und Deutschlands ältester aktiver Traberrennfahrer, der 80-jährige Günther Lühring. Dazu gesellen sich mit den Amazonen Ronja Walter und Sina Baruffolo die zwei erfolgreichsten deutschen Trabreiterinnen. Mit Blick auf die Pony- und Galopprennen mussten die Veranstalter feststellen, dass das Interesse geringer als noch vor einigen Jahren ist.

Das Interesse an Galopp- und Ponyrennen hat nachgelassen

„In der Ausschreibung haben wir den geforderten Vollblutanteil extra auf 75 oder sogar 50 Prozent reduziert, um Elbmarsch-Galopprennen für Pferde und Reiter aus der Umgebung anzubieten. Das hat nicht so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben“, erzählt Carsten Fechner. Seine Erfahrung ist, dass viele Stammgäste in der Coronazeit ihre Rennambitionen abgeschlossen hätten, weil es einfach zu teuer sei, sich dauerhaft ein Pferd in den Stall zu stellen. Statt der angestrebten drei Galopp- und vier Ponyrennen gibt es am Sonntag nun jeweils zwei. Die beliebten Minitraber bleiben im Programm.

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Stichwort Termin: Fand das Stover Rennen von jeher an einem der letzten Sonntage im Juli statt, entschied der Rennverein vor einigen Jahren, den Sommerferien aus dem Weg zu gehen. Zum einen wollte man nicht auf die (wie in vielen Vereinen) recht wenigen Helferinnen und Helfer verzichten, zum anderen versprach man sich vom September-Termin auch größeres Zuschauerinteresse. Zunächst war der 10. September 2023 als Renntag publiziert worden. Dann aber führte der Hauptverband für Traberzucht (HVT) in Berlin eine Konkurrenzveranstaltung ins Feld und bot dem Stover Rennverein als einzige Alternative Sonntag, 24. September, an.

Rennverein wäre mit 7000 Zuschauern zufrieden, mit 7500 sogar glücklich

Diesen Termin akzeptierte der Vorstand auch, weil die Vereinskasse wieder Einnahmen benötigt. Selbst in Jahren ohne Renntag laufen die Fixkosten in Höhe von etwa 10.000 pro Jahr weiter, im Wesentlichen für Versicherungen und die Mitgliedschaft in Verbänden. Erschwerend kommen wie in anderen Bereichen des Lebens allgemeine Kostensteigerungen hinzu. „Wir müssen unsere Kasse und die Reserven wieder auffüllen“, sagt der Vorsitzende. Zum bislang letzten Stover Rennen am 28. Juli 2019 waren 6500 zahlende Besucher gekommen. „Diesmal wären wir mit 7000 Zuschauerinnen und Zuschauern zufrieden. Wenn es 7500 werden, sind wir sogar glücklich.“

Galopprennen gehören seit jeher zum Programm des Stover Rennens. Trotz einer Reduzierung des geforderten Vollblutanteils finden 2023 nur zwei dieser Art auf der Rennbahn am Elbdeich statt. 
Galopprennen gehören seit jeher zum Programm des Stover Rennens. Trotz einer Reduzierung des geforderten Vollblutanteils finden 2023 nur zwei dieser Art auf der Rennbahn am Elbdeich statt.  © Bergedorfer Zeitung | Bergedorfer Zeitung

Die Eintrittspreise wurden angepasst. An der Tageskasse am Sonntag zahlen Erwachsene 15 Euro, Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 15 Jahren fünf Euro, Kinder unter sechs Jahren sind frei. Erstmals gibt es einen Ticket-Vorverkauf bei „Eventim Light“, über den mehr als 300 Tickets abgesetzt wurden.

Umfangreiches Rahmenprogramm mit Vorführung der Voltigier-Abteilung

Bis auf kleine Abstriche bleibt das Rahmenprogramm unverändert. Es gibt zum Beispiel Ponyreiten, Hüpfburg und Trampolin für die Kinder, ein großes Festzelt mit Kaffee und Kuchen für die älteren Besucher und viele weitere Stände für das leibliche Wohl. Um 14 Uhr gibt die Voltigier-Abteilung des Stover Rennvereins eine Kostprobe ihres Könnens. Es ist also alles angerichtet für einen prächtigen Renn-Sonntag am Stover Elbdeich. Nicht nur dem Rennverein wäre ein erfolgreicher Neustart der Traditionsveranstaltung zu gönnen – immerhin winkt im kommenden Jahr mit dem 150. Stover Rennen ein großes Jubiläum.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.stover-rennen.de