Corona-Pandemie

Organisatoren sagen Stover Rennen ab – schon wieder

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Strahlender Sonnenschein, ein voll besetzter Deich und spektakuläre Trabrennen, hier mit Sieger Manfred Walter – so wünscht man sich das Stover Rennen.

Strahlender Sonnenschein, ein voll besetzter Deich und spektakuläre Trabrennen, hier mit Sieger Manfred Walter – so wünscht man sich das Stover Rennen.

Foto: Hans Kall

Wirtschaftlich sinnvoll wären 8000 Besucher, doch das ist utopisch in Corona-Zeiten. Was die Vereinsmitglieder stattdessen tun.

Stove. Man merkt Carsten Fechner an, wie schwer ihm die Entscheidung fällt. Ebenso wie dem Geschäftsführer geht es auch einigen Vorstandskollegen im Stover Rennverein. Doch wenn sie die Emotionen aus dem Spiel und allein Fakten sprechen lassen, vor allem wirtschaftliche Fakten, kann es nur eine Konsequenz geben: Nach der Absage 2020 wird das Stover Rennen auch in diesem Jahr nicht stattfinden können.

Die beliebte Veranstaltung, terminiert für Sonntag, 25. Juli, ist viel mehr als ein Trab- und Galopprennen mit Totalisator. Sie ist ein Familienfest, Treffpunkt für Groß und Klein und mit bis zu 10.000 Besuchern das Ereignis des Jahres in der Samtgemeinde Elbmarsch.

Selbst bei Genehmigung wären Auflagen zu hoch gewesen

„Die aktuelle Situation hat sich kaum gebessert. Großveranstaltungen sind nicht zugelassen und selbst wenn wir die Genehmigung bekommen sollten, wird sie mit hohen Auflagen verbunden sein“, sagt Fechner. „Solange die Leute nicht zum Konzert oder ins Stadion gehen dürfen, ergibt es keinen Sinn, ein Rennen zu planen.“ Eine Light-Version mit beispielsweise 3000 Besuchern könnte der Rennverein nicht verkraften.

„Dann wäre es das gewesen“, so der 48-Jährige. Für die berühmte schwarze Null müssten mindestens 8000 zahlende Gäste an die Rennbahn mit dem Deich als Naturtribüne direkt an der Elbe pilgern. Bei den vergangenen drei Austragungen (2017 bis 2019) kamen jeweils zwischen 6000 und 8000 Besucher.

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Zuletzt hatte der Verein viel in die Infrastruktur investiert, dazu summieren sich die Kosten selbst ohne einen Rennsonntag auf 10.000 bis 15.000 Euro pro Jahr. 2020 erhielten die Veranstalter immerhin Unterstützung vom Bund in Form von Coronahilfen, darüber hinaus von der Gemeinde Drage und der Samtgemeinde Elbmarsch. „Das hat uns gerettet und das Minus in Grenzen gehalten. Darauf hoffen wir wieder“, sagt der Geschäftsführer.

Dieses zweite Jahr ohne Rennen könne der 173 Mitglieder starke Verein, der keine Austritte zu verzeichnen hatte, noch mal ab. „Dann müssen wir im kommenden Jahr aber durchstarten.“ Ansonsten sei das finanzielle Polster aufgebraucht. Und das ist unbedingt erforderlich, um einen Renntag mit Summen von bis zu 80.000 Euro vorfinanzieren zu können.

Sperrung der Elbbrücke wird Problem in 2022

In der rennfreien Zeit legen die Vereinsmitglieder die Hände nicht etwa in den Schoß. Mit vielen Eigenleistungen sanieren sie die Rennbahn, vor allem die Uferbefestigung auf der Gegengerade, der Elbseite. Nach den Sandaufspülungen und dem Befahren mit schwerem Gerät muss demnächst neues Gras angesät werden, damit der Boden beim Stover Rennen 2022 gefahrlos von Trabern und Galoppern belaufen werden kann.

Dann hat der Rennverein durch die Sperrung der Elbbrücke zwischen Geesthacht und Rönne übrigens ein neues Problem, da viele Besucher aus Hamburg anreisen. „Das wird der Knackpunkt. Wir müssen uns früh eine Lösung überlegen“, sagt Carsten Fechner. Wenn alle Probleme gelöst sind und am Elbdeich in Stove wieder Rennen starten, dürfen die Emotionen auch gern die Oberhand gewinnen.

( msb )