Der Angriff muss liefern

BSV strebt ersten Auswärtssieg an

Annika Lott (Mitte) versucht sich gegen die Blomberger Abwehr durchzusetzen. Links Nele Franz, rechts Ann Kynast. 

Annika Lott (Mitte) versucht sich gegen die Blomberger Abwehr durchzusetzen. Links Nele Franz, rechts Ann Kynast. 

Foto: DIETER LANGE / Buxtehuder SV

Mit dem Bundesligadritten HSG Blomberg-Lippe wartet das nächste Schwergewicht in Folge auf die Handballerinnen des Buxtehuder SV.

Buxtehude/Blomberg.  Es gibt wahrlich einfachere Spielpläne, als ihn die Bundesliga-Handballerinnen des Buxtehuder SV zurzeit bewältigen müssen. Vor elf Tagen gab es den knappen 20:19-Heimsieg gegen den ehemaligen Serienmeister Thüringer HC, am vergangenen Mittwoch folgte der nicht weniger enge 26:25-Pokalerfolg gegen den zurzeit übermächtigen Tabellenführer Borussia Dortmund. Das Mammutprogramm nimmt kein Ende – heute Abend muss der BSV auswärts (19.30 Uhr) beim drittplatzierten Überraschungsteam der HSG Blomberg-Lippe ran. „Das ist eine sehr spielstarke und schnelle Mannschaft mit gutem Tempohandball. Es wird ein sehr schwieriges Spiel, weil Blomberg auf einem stabilen Niveau spielt und zuletzt auch einen überzeugenden Pokalsieg gegen Bensheim gelandet hat“, sagt BSV-Trainer Dirk Leun. Nominell sei seine Mannschaft zwar auf Augenhöhe mit den Ostwestfalen, allerdings zeigten die Buxtehuderinnen zuletzt ungewohnte Auswärtsschwächen.

Sowohl bei Aufsteiger SV Union Halle-Neustadt, als auch bei der nur auf Rang elf rangierenden HSG Bad Wildungen lieferten die BSV-Damen enttäuschende Leistungen ab. „Es war in beiden Auswärtsspielen ähnlich, dass wir in Halle und Bad Wildungen erst eine deutliche Führung hatten, dann aber völlig die Spannung verloren haben. In Bad Wildungen haben wir in der ersten Halbzeit zwar 19 Tore geworfen und mit 19:15 geführt. 15 Gegentore waren da aber schon sechs zu viel. Wir brauchen gegen Blomberg eine sehr stabile Deckung, wie zuletzt gegen Thüringen und Dortmund“, sagt Leun.

Obwohl die Auswärtsleistungen in der ersten Halbzeit meist noch akzeptabel waren, brach der BSV in der zweiten Hälfte ein. „Das waren teilweise sehr große Schwankungen in unseren Leistungen. Die gilt es abzustellen, wenn wir in Blomberg etwas Zählbares mitnehmen wollen. Wir haben noch eine sehr junge Mannschaft, sodass bei manchen teilweise eine zu hohe Selbstsicherheit entsteht und man glaubt, das Spiel nicht verlieren zu können. Wenn es dann aber stressig wird, haben manche junge Spielerinnen ein Problem, den Faden wiederzufinden“, versucht sich Dirk Leun an einer Erklärung. In den vergangenen Spielen waren mitunter fünf von sechs Feldspielerinnen nicht älter als 21 Jahre.

Gegen Blomberg muss eine andere Taktik her

Gegen den Thüringer HC lag der defensive Fokus noch auf der gegnerischen Ausnahmespielerin Marketa Jerabkova, die die Bundesliga-Torschützenliste zurzeit deutlich anführt. Gegen Blomberg werde der BSV jedoch eine andere Taktik benötigen, erklärt Leun. „Ich glaube nicht, dass es bei Blomberg sinnvoll ist, sich auf eine oder zwei Spielerinnen zu konzentrieren. Die Mannschaft lebt von einem funktionierenden Kollektiv, wo an jedem Spieltag eine andere auch mal acht Tore werfen kann. Die spielen einfach als Team sehr gut, was es für uns noch schwieriger macht“, sagt der BSV-Coach.

Die größten Sorgen bereitet Dirk Leun weiterhin der Angriff. „Wir haben im Angriff noch eine viel zu hohe Fehlerquote, da ist noch deutlich Potenzial nach oben. In den beiden letzten Spielen haben wir überragende Defensivleistungen gehabt, inklusive Lea Rühter zwischen den Pfosten, die uns den Sieg festgehalten hat“, sagt Leun. So warf der BSV in der zweiten Halbzeit gegen den Thüringer HC lediglich sechs Tore, während Torhüterin Rühter mit 21 Paraden überzeugte. „Sowohl gegen Thüringen, als auch mit den 26 Toren gegen Dortmund, hatten wir im Angriff zu viele Hänger. Wir waren teilweise zu hektisch und haben zu schwach, beziehungsweise überhastet abgeschlossen. Die Wurfqualität und die Wurfeffektivität müssen wir deutlich nach oben schrauben“, mahnt der BSV-Trainer.

Der Einsatz von Lone Fischer ist noch fraglich

Die nächsten beiden Spiele werden nun entscheiden, mit welchem Gefühl die Buxtehuderinnen in die bevorstehende Europameisterschaftspause (23. November bis 20. Dezember) gehen werden. „Ich denke, dass die Mannschaft selber nicht zufrieden damit ist, wie viele Punkte sie bisher in der Bundesliga geholt hat. Diese zwei überraschenden Auswärtsniederlagen in Halle und Bad Wildungen bringen uns um eine deutlich bessere Platzierung. Vor der EM-Pause haben wir jetzt mit den Spielen in Blomberg und zuhause gegen Mainz die Chance, dass das erste Tabellendrittel erreichbar bleibt“, sagt Dirk Leun.

Fraglich ist, ob Linksaußen Lone Fischer (32) heute im Kader stehen wird. Die 32-Jährige musste gegen Borussia Dortmund ausgewechselt werden, nachdem sie unglücklich umgeknickt war. „Es ist noch offen, ob sie mitspielen kann. Sie macht zwar Fortschritte, hat aber eine Bänderverletzung am Knöchel. Sie hat noch Schmerzen, sodass es eine enge Geschichte wird“, sagt Leun. In den vergangenen Tagen konnte Fischer nicht am Mannschaftstraining teilnehmen – ob sie eine Option für den Kader ist, entscheide sich erst heute. „Eigentlich sollte sie zwei bis drei Wochen Pause machen. Das ist aber eine Verletzung, bei der der Arzt sagt, dass man spielen kann, wenn der Schmerz nicht zu groß ist. Das muss die Spielerin aber selber entscheiden“, erklärt der BSV-Trainer. Sollte Lone Fischer ausfallen, kann Dirk Leun auf Ersatz-Linksaußen Teresa von Prittwitz (19) bauen.