Pokalfight

Buxtehude besiegt die haushohen Favoriten

Tina Abdula (l.), BVB Handball Damen, will BSV-Spielerin Caroline Mueller-Korn am Wurf hintern.

Tina Abdula (l.), BVB Handball Damen, will BSV-Spielerin Caroline Mueller-Korn am Wurf hintern.

Foto: BEAUTIFUL SPORTS/Schlikis via www.imago-images.de / imago images/Beautiful Sports

Das Team von Borussia Dortmund Handball gilt als unschlagbar. Doch in der Halle Nord beim BSV war es dann soweit – mit der Schlusssirene.

Buxtehude.  Teresa von Prittwitz (19) musste keine Sekunde überlegen. „Nur Partymusik“, grinste sie – und gab damit am späten Mittwochabend den Startschuss für die mannschaftsinterne Kabinenparty. 20 Minuten zuvor hatte die jüngste Spielerin des Kaders den Buxtehuder SV mit der Schlusssirene zum 26:25 (12:14)-Sensationssieg im DHB-Pokal-Achtelfinale gegen Borussia Dortmund geworfen. Ende September zerlegte der amtierende Deutsche Meister, derzeitige Tabellenführer und Champions League-Teilnehmer die Buxtehuderinnen noch mit 36:19.

Die berühmte „Hölle Nord“ musste leer bleiben

Aufgrund der gestiegenen Corona-Neuinfektionen musste der BSV erstmals in seiner Vereinsgeschichte ein Heimspiel ohne Zuschauer austragen. Lediglich ein Dutzend Ordner konnte beobachten, wie die favorisierten Gäste gleich zu Beginn davonzogen (0:5/9.). Der BSV war ratlos. „Auf der Bank habe ich nur darauf gehofft, dass wir überhaupt noch ein Tor in der Halbzeit werfen“, scherzte Teresa von Prittwitz nach dem Spiel. Tatsächlich dauerte es knapp elf Minuten, ehe Luisa Scherer (19) im 13. Angriffsversuch zum 1:5-Anschluss traf.

Variabler Angriff als Trumpf

Der BSV stellte den BVB nun mit seinem variablen Angriff zunehmend vor Probleme. Als die Gastgeber auf zwei Tore herankamen (3:5/17.), fing BVB-Coach André Fuhr innerlich an zu kochen. „Wir nehmen das hier überhaupt nicht ernst“, schnauzte der Gästetrainer seine Spielerinnen in der Auszeit an. Dortmund zog kurz davon (6:12/24.), Buxtehude kämpfte sich zur Halbzeit jedoch wieder heran (12:14). „Ab dem Moment, wo wir nur noch mit zwei Toren zurücklagen, haben wir gemerkt, dass da mehr geht. Dann lief alles über Adrenalin und Emotionen“, sagte BSV-Rückraumspielerin Johanna Heldmann (25). Kurz nach der Pause gelang Caroline Müller-Korn (27) – erst im Sommer von Dortmund nach Buxtehude gewechselt – der 15:15-Ausgleich. „Die Stimmung war richtig geil in unserem Team, wir haben die ganze Zeit gekämpft. Die Bank musste die Fans heute auch ein bisschen ersetzen“, sagte Teresa von Prittwitz. Spätestens als Lone Fischer (32) einen Gegenstoß zur ersten BSV-Führung verwandelte (16:15/40.), bekam Buxtehude Oberwasser.

Ersatzbank ersetzte die Zuschauer

Während die Ersatzbank der Gäste einer Trauergemeinde glich, standen sämtliche BSV-Auswechselspielerinnen mit geballten Fäusten vor der Ersatzbank. Mitte der zweiten Halbzeit war er es dann BSV-Torfrau Lea Rühter (12 Paraden), die dem Deutschen Meister den Stecker zog. „Hier sind heute einige Spielerinnen über sich hinausgewachsen“, befand BSV-Trainer Dirk Leun nach der Partie. Er hatte Recht. Während am vergangenen Sonnabend noch Isabelle Dölle (21) im rechten Rückraum überragte, war es diesmal Johanna Heldmann, die den BSV kurz vor Schluss zum Vier-Tore-Vorsprung (25:21/54.) führte. Zuvor blieb der BVB zehn Minuten lang ohne Treffer. „Ich glaube, dass das letzte Spiel gegen Thüringen genau das richtige Spiel für Isi war. Wir sind zwei sehr unterschiedliche Spielertypen und ergänzen uns sehr gut. Wenn die eine gerade nicht funktioniert, kann die andere reinhauen. Das ist ein Luxus, den wir haben“, sagte Heldmann, die mit insgesamt sechs Treffern erfolgreichste BSV-Torschützin war.

Mannschaft wächst über sich hinaus

In den letzten fünf Minuten lag plötzlich die Sensation in der Luft. Dortmund bäumte sich ein letztes Mal auf. Der BSV-Vorsprung schmolz dahin, Panik machte sich breit. Zeitspiel, Ballverlust, Gegenstoß und plötzlich glich der BVB 17 Sekunden vor der Schlusssirene aus. Jetzt musste es schnell gehen. Wenige Sekunden vor Schluss fand Annika Lott dann Linksaußen Teresa von Prittwitz, die BVB-Nationaltorhüterin Isabell Roch zum 26:25 überwinden konnte. Die 19-Jährige von Prittwitz war im Sommer aus dem Drittligateam zu den Profis hochgezogen worden, hinter BSV-Legende Lone Fischer (32) erhält sie in dieser Saison nur wenig Spielzeit. Nach der Schlusssirene fällt sie Fischer mit Tränen in den Augen um den Hals. „Ich war überglücklich, als der Ball drin war. Ich kann es immer noch nicht glauben, was wir hier als Mannschaft geleistet haben. Dass wir hier den angehenden Deutschen Meister aus der Halle schießen, ist schon sehr, sehr geil“, sagte von Prittwitz. Bevor die Mannschaft in der Kabine verschwand, hielt sie für die Fans noch ein Spruchband in die Kamera. „Ihr gebt uns Kraft – auch aus der Ferne“.