Testspiele

BSV bietet Spitzenhandball im Doppelpack

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Günther Bröde
Beim letzten Aufeinandertreffen mit Blomberg-Lippe vor der Corona-Pause konnte sich Annika Lott bei ihrem Heim-Comeback nach einer Schulter-Operation vor dem Tor durchsetzen.

Beim letzten Aufeinandertreffen mit Blomberg-Lippe vor der Corona-Pause konnte sich Annika Lott bei ihrem Heim-Comeback nach einer Schulter-Operation vor dem Tor durchsetzen.

Foto: DIETER LANGE / Buxtehuder SV

Bundesligisten des Buxtehuder SV und die Handball-Luchse Buchholz 08-Rosengarten treffen bei Testspiel aufeinander.

Buxtehude.  Die Handballfans in Buxtehude und Umgebung können aufatmen. Nach fünf Monaten Corona-Pause gibt es endlich wieder Bundesliga-Handball zu sehen. Und nicht nur die Handballfrauen des Buxtehuder SV kehren zurück auf die Bühne. Auch die Handball-Luchse Buchholz 08-Rosengarten, gerade in die 1. Frauen-Bundesliga aufgestiegen, sind dabei, wenn der Buxtehuder SV am Sonnabend und Sonntag an zwei Tagen in Folge Spitzenhandball im Doppelpack anbietet.

Die Zahl der Zuschauer ist allerdings begrenzt. Maximal 500 Personen sind in Niedersachsen bei Sportveranstaltungen derzeit erlaubt. „So viele werden wir aber wohl nicht reinlassen können“, sagt Peter Prior, Geschäftsführer der Handball-Marketing GmbH. Die Vorgabe aus der Kreisstadt bestimmt, dass zwischen Einzelpersonen oder Familien und anderen Gruppen Sicherheitsabstände einzuhalten sind. Wenn beide Tribünen besetzt sind, muss der Einlass gestoppt werden. „Wir müssen also Platzanweiser einsetzen. Ich rechne mit etwa 200 Personen, die wir einlassen können“, sagte Peter Prior. Karten für die Tagesveranstaltung gibt es Sonnabend und Sonntag an der Tageskasse zum Preis von 10 Euro für Erwachsene und 5 Euro für Kinder.

Statt Trainingslager und Testspiele in Dänemark, statt Wittlicher Handball-Cup mit internationaler Beteiligung und Wunderhorn-Turnier mit anderen Bundesligamannschaft in Oldenburg diesmal also ein zweitägiges hochkarätig besetztes Handballevent in eigener Halle – die Bundesliga-Handballfrauen des Buxtehuder SV müssen wegen der Corona-Pandemie auf liebgewordene Gewohnheiten während der Saisonvorbereitung verzichten. Peter Prior und Trainer Dirk Leun müssen gehörig improvisieren. Einen Monat vor dem vorgesehenen Start in die neue Bundesligasaison am ersten Septemberwochenende gegen Neckarsulm in eigener Halle hat sich der Buxtehuder SV mit dem Partnerverein Handball-Luchse aus Buchholz, Europapokal-Teilnehmer HSG Blomberg-Lippe, der vom früheren BSV-Jugendkoordinator und früheren Luchse-Coach Steffen Birkner trainiert wird, sowie Bayer Leverkusen drei Ligakonkurrenten eingeladen, um erstmals unter Wettkampfbedingungen zu testen und – mindestens genauso wichtig – das Hygienekonzept einzuüben.

Mit der bisherigen Nummer eins im Tor, Antje Peveling, Friederike Gubernatis, Lisa Prior und Maike Schirmer sind vier tragende Säulen des Mannschaftsgefüges weggebrochen. Dazu hat sich auch Kreisläuferin Christina Haurum im Coronasommer aus Buxtehude verabschiedet. Sechster „Abgang“ ist Linksaußen Melissa Luschnat, die zu den Luchsen zurückgekehrt ist.

Caroline Müller-Kornsetzt voll auf den BSV

In die neue Saison gehen die BSV-Bundesligafrauen dennoch mit mindestens doppelter Besetzung auf allen Positionen. Als Letzte ist vor einigen Wochen Neuzugang Johanna Heldmann von den Luchsen zur Mannschaft gestoßen, nachdem bei ihr zuvor erst ein Coronaverdacht ausgeräumt werden musste. Die 24 Jahre alte Lehramtsanwärterin gewann 2013 mit Bayer Leverkusen in der Buxtehuder Halle Nord die deutsche A-Juniorinnen-Meisterschaft und hat zuletzt drei Jahre für die Luchse in der 2. Frauen-Bundesliga gespielt und ist mit ihnen in die 1. Liga aufgestiegen. Sie soll beim BSV die Position von Friederike Gubernatis einnehmen.

Den Abgang von Rechtsaußen Maike Schirmer soll die erst 20 Jahre Meret Ossenkopp kompensieren, die bereits in ihrer Jugend für den BSV spielte und mit den A-Mädchen 2016 und 2017 die deutsche Meisterschaft gewann. Die aus Lüneburg stammende Schwester von Lukas Ossenkopp, der für den HSV Handball in der 2. Bundesliga der Männer spielt, wechselt vom Zweitligisten HC Rödertal an die Este.

Die zentrale Rolle von Lisa Prior soll zukünftig Caroline Müller-Korn übernehmen. Die 26 Jahre alte Rückraumspielerin bringt internationale Erfahrung mit aus ihrer Zeit bei den dänischen Spitzenmannschaften Viborg und Ringkobing, spielte in der 1. Frauen-Bundesliga für den VfL Oldenburg und zuletzt Borussia Dortmund. Dort war die aus Sachsen-Anhalt stammende Müller-Korn, die sechs A-Länderspiele für den Deutschen Handball-Bund (DHB) absolviert hat, trotz des sportlichen Erfolgs des Bundesligaspitzenreiters unzufrieden gewesen, hatte für ihre eigenen Ansprüche viel zu wenige Einsätze bekommen.

Nachdem sie wegen Achillessehnen-Problemen vor einem Jahr ihren Vertrag nicht verlängerte, ist Paula Prior jetzt zum BSV-Bundesligakader zurückgekehrt, fühlt sich wieder fit für den Leistungssport.

Die jüngere Schwester von Lisa Prior hat als Jugendliche des BSV sowohl mit der B- als auch der A-Jugend die deutsche Meisterschaft gewonnen und mit den Handball-Luchsen in 2018 die Meisterschaft in der 2. Frauen-Bundesliga.

Fehlende Erfahrung könnte sich als Manko erweisen

Paula Prior ist 23 Jahre alt und studiert Psychologie. Gerade erst 19 Jahre alt ist die in Nürnberg geborene Teresa von Prittwitz, die vor vier Jahren als Jugendliche zum BSV stieß und es bis in die deutsche U20 geschafft hat, mit der sie Ende des Jahres um die Weltmeisterschaft kämpfen will. Zuletzt war sie beim BSV Leistungsträgerin in der Zweiten Frauenmannschaft in der Dritten Liga und durfte in der vergangenen Saison bereits häufiger mit den Bundesligafrauen trainieren. Nach dem Abitur will sie jetzt Psychologie in Hamburg studieren. Zum erweiterten Kader des Bundesligateams gehört mit Mia Lakenmacher eine erst 17 Jahre als Jugendspielerin des Vereins, deren Stammposition der linke Rückraum ist.

Als großes Manko für den Buxtehuder SV könnte sich in der anstehenden Bundesligasaison die mangelnde Erfahrung seiner Spielerinnen erweisen. Das Durchschnittsalter der BSV-Bundesligafrauen liegt bei knapp über 22 Jahren. Eine Ausnahmestellung nimmt Lone Fischer ein, die seit 2008 in 272 Bundesligaspielen 1050 Tore für den BSV erzielte. Für deren Erfahrung sprechen zudem 48 A-Länderspiele für den DHB.

Mit bald 27 und 25 zählen nur noch Caroline Müller-Korn und Johanna Heldmann zur Kategorie gestandene Handballerinnen. Peter Prior räumt ein, dass der BSV mit einer ungewöhnlich jungen Mannschaft ins Rennen geht: „Wenn wir im Training Alt gegen Jung spielen, gehört eine Spielerin mit 22 Jahre schon zu den Alten.“ Doch der Marketing-Geschäftsführer verweist auch auf die Stärken einzelner Spielerinnen. „Unsere Torhüterin Lea Rühter ist auch erst 22 Jahre alt und niemand wird behaupten, dass sie zu jung für die Bundesliga ist.“ Rühter stand schon bei drei Länderspielen im Tor der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. Ähnlich, so Prior, verhalte es sich bei Mieke Düvel, Isabelle Dölle und Annika Lott, die allesamt schon in der Bundesliga überzeugen konnten.


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