Harburg
Faustball

TSV Bardowick zieht sich aus der 1. Bundesliga zurück

Die Frauen-Mannschaft des TSV Bardowick mit ihren Trainern Frank Eggert (l.) und Jens Bulhöfer (r.) vor der Hallensaison 2018/2019.

Die Frauen-Mannschaft des TSV Bardowick mit ihren Trainern Frank Eggert (l.) und Jens Bulhöfer (r.) vor der Hallensaison 2018/2019.

Foto: TSV Bardowick

Nur noch vier Faustballerinnen hatten für die nächste Hallensaison zugesagt. Auf dem Feld spielt das Team weiter in der 2. Bundesliga.

Bardowick.  Mitte Februar durften die Faustballerinnen des TSV Bardowick ein letztes Mal jubeln. Obwohl sie am letzten Spieltag beide Partien gegen Gastgeber Schneverdingen (0:3) und die SG Stern Kaulsdorf (2:3) verloren, war ihnen der Klassenerhalt in der 1. Bundesliga nicht mehr zu nehmen. Knapp einen Monat später ist die Gemütslage in der Gemeinde im Kreis Lüneburg eine ganz andere. Wehmut hat Einzug gehalten in der Faustball-Hochburg. Nach vielen Gesprächen und langen Diskussionen hat sich der Verein entschieden, in der kommenden Hallensaison nicht mehr für die 1. Bundesliga zu melden.

Nationalspielerin Grzywatz wechselt nach Ahlhorn

Nach dem letzten Spieltag waren bereits Katharina Kropp, die ihre Karriere aus beruflichen Gründen beenden wird, und Nationalspielerin Michaela Grzywatz, die beim Ahlhorner SV eine neue Herausforderung sucht, verabschiedet worden. Auch Kathrin Wolter, die schon länger kürzertreten wollte, hat ihren Rücktritt aus der ersten Mannschaft bekannt gegeben. Pia Neuefeind wird den TSV Bardowick nach einem halben Jahr wieder verlassen und zum Bundesliga-Aufsteiger TV Unterhaugstett gehen. Unter dem Strich hatten gerade einmal vier Spielerinnen fest für den Winter 2019/2020 fest zugesagt.

Kein Basis, um in der Eliteliga des deutschen Frauen-Faustballs halbwegs mithalten zu können. Stattdessen will Bardowick nur noch in der Regionalliga Nord antreten. „So soll der Einstieg für Nachwuchstalente erleichtert werden und vielleicht schaffen diese dann erneut den Aufstieg in den Bundesligabereich“, sagt die gebürtige Bardowickerin Grzywatz, die ihrem Heimatverein trotz des Wechsels eng verbunden bleibt.

2012 nahm die Erfolgsgeschichte ihren Anfang

Rückblick: 2012 startete das Grundgerüst der erfolgreichen Bundesligamannschaft mit Michaela Grzywatz, Jannika Häbry, Katharina Kropp und Kim Reukauf, ergänzt durch Spielerinnen aus dem Frauen-30-Team in der Bezirksliga. Schon damals war das Ziel, es einmal aus der untersten Liga bis ganz nach oben in die höchste Liga zu schaffen. Zur Hallensaison 2013/2014 legte man die beiden TSV-Teams in der Regionalliga zusammen, so dass Julia von der Lieth, Anneke Soetbeer, Franziska und Kathi Heinemann dazukamen. Prompt schaffte man erstmals zwölf 12 Jahren den Aufstieg in die 2. Bundesliga.

In der Feldsaison 2015 konnte man diesen Erfolg auf dem Feld wiederholen und stieg ebenfalls in die 2. Bundesliga auf. Der Ehrgeiz war noch nicht gestillt, das „Projekt 1. Bundesliga“ war geboren. Heinz Lux stellte sich, als die Suche nach einem Trainer erfolglos blieb, in den Dienst des Vereins und kehrte aus dem Trainerruhestand zurück an die Spielfeldlinie. Mit Erfolg: am Ende der Saison 2015/2016 schaffte der TSV Bardowick den Aufstieg in die 1. Hallen-Bundesliga.

Ein weiterer Erfolgsfaktor war Routinier Kathrin Wolter, die sich bereit erklärte, erneut in der Bundesliga anzugreifen und die jungen Spielerinnen mit ihrer Ruhe, Erfahrung und Durchschlagskraft anzuleiten. Janina von der Lieth, die für einige Zeit beim TV Jahn Schneverdingen spielte, kehrte nach Bardowick zurück, Mira Humpert (Mildstedt) stieß erstmals zum TSV-Team.

Neuling Falk Fedders folgte auf Erfolgstrainer Heinz Lux

Nach dem Rücktritt von Heinz Lux war es der aus den eigenen Reihen stammende Trainerneuling Falk Fedders, der es schaffte, die Mannschaft vor heimischer Kulisse in die höchste Spielklasse zu führen. „Ein unvergessliches Erlebnis und unfassbare Dankbarkeit“, erinnert sich Michaela Grzywatz. Auch in der Halle schaffte man mit ihm den Klassenerhalt. Leider musste Fedders sein sportliches Engagement danach aus beruflichen Gründen beenden.

Erschwerend kam in der Feldsaison 2018 enormes Verletzungspech hinzu, so dass man nur von einem kurzen Besuch im Oberhaus sprechen konnte. Nur weil Inga Wolgast, Janina Jirjahlke und Lena Möller einsprangen, konnte Bardowick die Erstligasaison überhaupt mit fünf Spielerinnen vernünftig zu Ende spielen.

Mit sogar zwei neuen Trainern ging es in die letzte Hallensaison im Oberhaus. Das Know-how von Jens Bulhöfer und Frank Eggert wollte man in Bardowick nutzen, um eigenen Leute zu schulen und heranzuführen. „Letztendlich standen sie aber allein am Feld und konnten erneut den Klassenerhalt feiern“, so Grzywatz, die Verständnis dafür hat, dass einige Spielerinnen den Aufwand, den die 1. Bundesliga mit sich bringt, nicht mehr betreiben können oder wollen.

Zwischen Halle und Feld wenig Zeit für Regeneration

„Man darf nicht vergessen, dass wir nahezu jeden Sonntag früh losfahren, manchmal auch noch an einem Sonnabend. Das Trainingspensum ist so hoch, wie bei jeder anderen Sportart auf diesem Niveau. Das alles neben Familie und Beruf. Und das Ganze eigentlich in zwei Sportarten, denn die Aufteilung in Feld- und Hallensaison sorgt für wenig Pause und Regenerationszeit“, sagt Michaels Grzywatz.

Natürlich sei bei jeder Spielerin enorm viel Herzblut dabei und die große Faustballfamilie treibe einen immer wieder an, aber irgendwann komme halt auch das Leben. „Und da dieses bei einigen von uns gleichzeitig anklopft, gibt es nach der kommenden Feldsaison zunächst keine 1. Bundesliga-Mannschaft mehr.“

Der TSV Bardowick wird in der nächsten Hallensaison also in der Regionalliga spielen. Vor der Halle hat der liebe Gott aber die Feldsaison gestellt, und da wird Bardowick in jener Liga antreten, für die sie sich sportlich qualifiziert haben. Und das ist immerhin die 2. Bundesliga. Unter freiem Himmel gibt es keinen freiwilligen Rückzug. Junge Spielerinnen rücken auf und werden zusammen mit einigen alten Hasen das neue Zweitligateam des TSV Bardowick bilden. Die Saison beginnt voraussichtlich am Mittwoch, 1. Mai 2019.