Sinstorf

Corona-Fall in der Wohnunterkunft

Corona in der Geflüchtetenunterkunft am Sinstorfer Kirchweg. Alle 241 Bewohnerinnen und Bewohner wurden unter Quarantäne gestellt.

Corona in der Geflüchtetenunterkunft am Sinstorfer Kirchweg. Alle 241 Bewohnerinnen und Bewohner wurden unter Quarantäne gestellt.

Foto: Andre Lenthe Fotografie

241 Bewohner der Unterkunft am Sinstorfer Kirchweg stehen unter Quarantäne. Notfallteams springen ein.

Sinstorf.  Die Wohnunterkunft am Sinstorfer Kirchweg steht derzeit unter Quarantäne. Unter den Bewohnern ist mindestens ein Corona-Fall festgestellt worden. Deshalb hat das Harburger Gesundheitsamt die Quarantäne für alle 241 Bewohner verfügt. Ein Großteil von ihnen wird allerdings wahrscheinlich bald schon wieder alle Bewegungsfreiheiten haben. Entgegen erster Informationen sind die Mitarbeiter nicht von der Quarantäne betroffen.

Im Gegenteil: Die Mitarbeiter sind voll im Einsatz – und dabei derzeit weit über das dienstliche Maß hinaus engagiert“, sagt Susanne Schwendtke, Pressesprecherin des Landesbetriebs Fördern und Wohnen (F&W), der Betreiber der Unterkunft ist, „Wären die Mitarbeiter betroffen, hätten wir für solche Fälle Notfallteams, die dann in einer betroffenen Unterkunft einspringen. Die Mitarbeiter kümmern sich um die Bewohner und versorgen sie mit Lebensmitteln und anderen Dingen des täglichen Bedarfs. Wir wissen, dass das eine belastende Situation ist und wir versuchen, es unseren Bewohnern so angenehm, wie möglich zu machen.“

Die Unterkunft am Sinstorfer Kirchweg bietet bis zu 288 Menschen Platz. Mit Stand von Mitte Oktober wohnten dort 241 Menschen. F&W nutzt die Kapazitäten oft nicht bis zum letzten Platz aus. Die Wohnhäuser sind in einzelne Wohnungen mit vier bis acht Plätzen unterteilt, die oft von einer Familie bewohnt werden. Lebt in einer Wohnung eine vier- oder fünfköpfige Familie, werden ihr nach Möglichkeit keine fremden Mitbewohner zugeteilt. Alleinstehende Bewohner werden in Wohngemeinschaften gemeinsam untergebracht.

Die Stimmung unter den Bewohnern ist kaum einzuschätzen

Weil die Wohnungen für sich abgeschlossene Einheiten sind, ist es möglich, die Quarantäne für einzelne Haushalte aufzuheben, sobald ein negativer Corona-Test für alle Bewohner vorliegt. Das wird allerdings noch etwas dauern. Zwar wurde die Quarantäne bereits am Freitag verhängt, weil die Tester allerdings derzeit stark nachgefragt sind, konnten sie erst am Montag in der Sinstorfer Unterkunft tätig werden. Auch die Abstriche, die sie genommen haben, gehen nun erst einmal in eine Warteschleife bei den Laboren.

Das Deutsche Rote Kreuz, das die Tests vor Ort durchführt, rechnet derzeit mit ungefähr 72 Stunden Wartezeit auf das Ergebnis. „Wenn die Ergebnisse vorliegen, bleiben nur die Haushalte in Quarantäne, bei denen es positive Fälle gibt“, sagt Susanne Schwendtke. „Auch die meisten Mitarbeiter können dann zurück. Die Haushalte mit Infizierten müssen wir dann weiterhin mit allem versorgen, was sie brauchen.“

Wie die Stimmung unter den Bewohnern ist, kann derzeit niemand beurteilen. Auch die Initiative „Sinstorf hilft“, in der sich Anwohner zusammengetan haben, um die Bewohner der Unterkunft zu unterstützen, hat nach eigener Auskunft seit Längerem nur noch wenig Kontakt zu ihnen. Schon vor den Infektionen verboten die allgemeinen Kontaktbeschränkungen die meisten gemeinsamen Aktivitäten. Sicher scheint, dass mindestens einem Bewohner die Quarantäne schon am ersten Tag zu viel wurde. Er wurde von einem Wachmann daran gehindert, die Unterkunft zu verlassen. Mitarbeiter von Fördern und Wohnen deeskalierten die Situation schnell.