Von Harburg nach St. Pauli

Diese Apfelbäume stehen bald auf dem Bunker Feldstraße

Projektleiter Hartwin Röhrig steht zwischen Apfelbäumen der Baumschule Lorenz von Ehren. 15 Apfelbäume werden auf das Dach des Bunkers an der Feldstraße gepflanzt.

Projektleiter Hartwin Röhrig steht zwischen Apfelbäumen der Baumschule Lorenz von Ehren. 15 Apfelbäume werden auf das Dach des Bunkers an der Feldstraße gepflanzt.

Foto: Angelika Hillmer / HA

Baumschule von Ehren bereitet sich auf Lieferung von 4700 Pflanzen vor – für das spektakuläre Dachgarten-Projekt auf St. Pauli.

Marmstorf. Nicht nur Besucher des Hamburger Doms kennen den Betonkoloss an der Feldstraße. Derzeit ist er von Baukränen umrahmt, denn er soll um fünf Stockwerke wachsen und sich in eine grüne Stadtoase verwandeln. Prunkstück wird ein öffentlich zugänglicher Dachgarten, auf dem Tausende Pflanzen wachsen werden. Sie kommen zum Großteil aus Marmstorf – die Baumschule Lorenz von Ehren (LvE) wird sämtliche pflanzlichen Bunkerbewohner nach der Vorgabe von Landschaftsarchitekten voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2021 liefern.

Bunker auf St. Pauli erhält 4700 Pflanzen

„Die Pflanzung ist abhängig vom Fortgang der Bauarbeiten“, sagt Frank Schulze, Sprecher des markanten Bauprojekts Bunker St. Pauli. „Und gerade angesichts der anziehenden Corona-Infektionsraten kann es schnell zu Verzögerungen kommen. Wenn zum Beispiel ein Zulieferbetrieb für Betonteile in Coronaverdacht gerät und den Betrieb zwei Wochen schließen muss, dann geht es auch bei uns nicht weiter. Die Aufstockungen müssen erst komplett abgeschlossen sein, bevor wir mit den Pflanzungen beginnen können.“

Auch ohne den genauen Lieferzeitpunkt zu kennen, bereitet die Baumschule den Großauftrag bereits vor. „Wir hatten Ende des vergangenen Jahres, als wir den Auftrag bekamen, festgelegt, welche Bäume wir dafür vorsehen“, sagt Hartwin Röhrig aus dem Vertriebsteam von LvE. Starke und gesunde Gehölze sind gefragt. Viele von ihnen werden über den Winter ihre Blätter behalten, damit der Bunkerdachgarten auch in der kalten Jahreszeit grünt. Die Baumschulgärtner haben in der Vergangenheit mindestens einmal im Jahr Hand an jeden einzelnen Baum gelegt; sie haben ihn gepflegt, gedüngt und fachgerecht Äste und Wurzeln geschnitten.

Finkenwerder Herbstprinz auf dem Bunkerdach

Unter den für das Bunkerprojekt Auserwählten befinden sich 15 Apfelbäume verschiedener Sorten, darunter auch der Lokalmatador der Hamburger Süderelberegion, der Finkenwerder Herbstprinz. Geliefert in einer für Baumschulware stattlichen Größe von zwei bis drei Metern, werden die Obstbäume auf sechs bis sieben Meter Höhe heranwachsen und damit die größten Pflanzen des Dachgartens werden. Ihnen zur Seite stehen Wald- und Bergkiefern, deren schirmförmigen Kronen immerhin drei bis vier Meter hoch werden.

Die Wildform der Strauch-Waldkiefer wächst an deutschen Küsten und bildet dort vom Wind geformte, ausladende Kronen aus. Auch auf dem Bunkerdach zählt Windbeständigkeit, denn die Pflanzen sind dort, in gut 50 Metern Höhe, relativ unwirtlichen Bedingungen ausgesetzt. Neben Sturm und Regen müssen sie ungeschützt Sonne, Trockenheit, Hitze und (zunehmend seltener) Frost und Schnee trotzen können, auch wenn sie mehr gärtnerische Pflege bekommen werden als beispielsweise Hamburgs Straßenbäume. Schulze: „Wir brauchen robuste Pflanzen, denn es gibt da oben keine geschützten Lagen. Viele von ihnen wachsen von Natur aus in Nordeuropa oder im Alpenraum.“

Fünf neue Geschosse, komplett begrünt

Um die 4700 Pflanzen werden im kommenden Jahr auf dem Bunkerdach mit einmalig schönen Ausblicken gepflanzt. Dafür reicht die Grundfläche von 75 mal 75 Meter nicht aus – die grüne Oase wächst auch in die dritte Dimension: auf den pyramidenförmigen fünf neuen Geschossen des Bunkerdachs, die unter anderem einer Sport- und Veranstaltungshalle und einem 136-Zimmer-Hotel Raum bieten werden. Auch der Bergpfad genannte Aufgang, der sich außen um das monströse Gebäude schlängelt, wird begrünt.

Die meisten Gewächse kommen vom Baumschul-Hauptsitz in Marmstorf, darunter Feld-Ahorn, Zoeschener Ahorn, Felsenbirne, Hecken und Stechpalme. Nadelbäume und Koniferen sind eher die Spezialität des kleineren LvE-Standorts in Bad Zwischenahn. Hartwin Röhrig schätzt den Eigenanteil der Baumschule auf rund 80 Prozent. Andere Pflanzenarten kauft LvE von spezialisierten Betrieben zu, etwa Rosen und Schlinggewächse. Sie sollen zusammen mit bis zu sechs Meter hohen Großsträuchern, mit Kletterpflanzen wie Clematis und Efeu sowie mit überhängenden Gehölzen dem großen Stadtgarten nach Vorstellung des Bauherrn, der Hamburger Matzen Immobilien KG, den Charakter einer Naturoase und nicht eines Barockgartens geben – „es wird hier natürlich aussehen, wild und ein bisschen zerzaust“, sagt Schulze.

Eine Eiche würde zuviel Windwiderstand bieten

Die besondere Lage schränkt die Auswahl von Pflanzen deutlich ein. Sie müssen nicht nur robust sein, sie dürfen auch nicht so viel Windwiderstand bieten. Eine deutsche Eiche ließe sich auf dem Dach gar nicht ausreichend befestigen, um sicher zu gehen, dass sie bei einem Herbststurm nicht vom Dach weht und Menschen gefährdet.

Röhrig: „Wir arbeiten mit einem speziellen Substrat für Dachbegrünungen, das gut Wasser und Dünger halten kann. Es ist relativ locker und wird eine Dicke von knapp einem Meter haben. Da die Bäume nicht tief wurzeln können, werden sich die Wurzeln flächig ausbreiten.“ Zusätzlich müssen die größeren Pflanzen verankert werden, etwa mit zwei bis drei Pfählen, die sie halten. Oder mit Verankerungen, die nicht sichtbar an den Wurzelballen angebracht werden.

1000 Pflanzen werden in Containers vorgezogen

Etwa 1000 Pflanzen müssen – je nach Jahreszeit – einige Wochen oder Monate auf ihren Umzug zum Heiligengeistfeld vorbereitet werden. Sie werden in sogenannte Container gepflanzt. Röhrig: „Wenn wir mit einer Spätsommerlieferung rechnen, müssen wir die Pflanzen im Mai aus dem Boden herausnehmen.“

In große Töpfe gesetzt oder mit Matten umwickelt und über Tröpfchenbewässerung gut versorgt, warten sie dann auf dem Hof der Baumschule auf ihren Abtransport. Rund 28 Lkw-Trailer werden dann die Baumschule verlassen. Über die Frage, wann die Vorbereitungen starten sollten, sei die Baumschule derzeit im Gespräch mit dem Auftraggeber, so Röhrig. „Es ist ein spannender Auftrag, schon wegen des ungewöhnlichen Standorts“, ergänzt Baumschulsprecherin Anna Schellhase. „Und wir freuen uns auch immer, wenn wir ein Hamburger Projekt beliefern dürfen.“