Lessinghöfe

Tiefgarage wird zum Ladenhüter

Die ersten beiden Bauabschnitte der Lessinghöfe in Neu Wulmstorf im August 2020. Die Baugrube für die Tiefgarage des dritten Abschnitts wird nun wieder zugeschüttet. 

Die ersten beiden Bauabschnitte der Lessinghöfe in Neu Wulmstorf im August 2020. Die Baugrube für die Tiefgarage des dritten Abschnitts wird nun wieder zugeschüttet. 

Foto: Axel Tiedemann / AT

Baugrube wird wieder zugeschüttet, weil es kaum Nachfragen für Stellplätze gibt. Kommt Tagespflege an die Lutherkirche?

Neu Wulmstorf.  Eine riesige Baugrube für den dritten und letzten Bauabschnitt der Neu Wulmstorfer Lessinghöfe ist bereits zu sehen. Doch das große Loch unmittelbar an der B 73 wird demnächst wohl wieder zugeschüttet, weil Planer und Investor auf den eigentlich geplanten Bau einer Tiefgarage verzichten wollen. Hintergrund: Obwohl etwa 80 bis 90 Prozent der ersten beiden Abschnitte bereits vermietet seien, gebe es in einer bereits gebauten Tiefgarage dort noch rund 120 freie Plätze. „Die Leute sind da offensichtlich viel weiter als die Politik, haben gar kein Auto mehr und nutzen eher den öffentlichen Nahverkehr“, vermutet Norbert Behrens, Geschäftsführer der Planungsgemeinschaft Nord GmbH (PGN), die Generalplaner des Komplexes ist, in dem insgesamt rund 400 Wohnungen und auch eine neue Kita entstehen sollen.

Angesichts dieser Zahlen sei es „völlig absurd“ nun noch eine teure Tiefgarage zu bauen, so Behrens. Zwar habe der Aushub der Grube auch schon 500.000 Euro gekostet und das Zuschütten müsse noch einmal mit etwa 400.000 Euro kalkuliert werden – aber insgesamt hätte ein solches Bauwerk gut sechs Millionen Euro verschlungen.

Nun plant die PGN einen günstigeren und kleineren oberirdischen Parkplatz. Dazu musste allerdings eine Befreiung von einigen Festsetzungen des Bebauungsplanes beantragt werden, weil der noch einen Stellplatzschlüssel von 1,3 Parkplätzen pro Wohnung vorsah. Diesem Befreiungsantrag hat nach Information der Gemeindeverwaltung der Verwaltungsausschuss des Rates inzwischen zugestimmt. Der Stellplatzschlüssel wurde nun auf 1,0 festgesetzt. Verbunden mit der Auflage, dass dort dann auch Car-Sharing-Plätze angeboten werden.

Gleichzeitig sieht die Befreiung auch eine Änderung bei der Bebauung vor: Um Platz für den Parkplatz zu bekommen, wird die Fassade des dritten Abschnitts etwa 16 Meter hinter die ursprünglich geplante Bau-Linie zurückspringen, die sich bisher an anderen Gebäuden entlang der B 73 orientierte. Damit werden zwar etwa 25 Wohnungen weniger gebaut als ursprünglich geplant. Doch gleichzeitig gebe es auch einen bautechnischen Vorteil, weil die Wohnungen nun etwas weiter weg von der lauten Bundesstraße entstehen werden und damit weniger Auflagen für einen Schallschutz verbunden seien.

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Viele Mieter verzichten auf ein eigenes Auto

Insgesamt sei nun eine „gute Lösung“ entstanden, sagt der Neu Wulmstorfer Bauausschuss-Vorsitzende Thomas Grambow (SPD) zu der Planänderung. Dass offensichtlich viele Mieter in dem Neubauprojekt auf ein eigenes Auto verzichten, sehe er als Erfolg der Neu Wulmstorfer Politik bei der Stärkung des Bus-Verkehrs im Ort.

Während die Planungsgemeinschaft Nord (PGN) nun zügig mit dem Bau des dritten Abschnitts der Lessinghöfe beginnen will, gibt es für ein anderes PGN-Projekt in Neu Wulmstorf noch Gesprächsbedarf: Auf einem etwa 14.000 Quadratmeter großen Areal am Ortseingang an der Lutherkirche plant PGN bisher den Bau von rund 48 Reihenhäusern sowie zusätzlich ein dreigeschossiges Miet-Wohnhaus und braucht dazu aber die Zustimmung des Gemeinderates.

Zudem sollte auch die Kirche dazu einen kleinen Grundstücksanteil verkaufen, im Gegenzug war ein Ausbau der Kita an der Lutherkirche geplant. Doch dann erklärte die politische Gemeinde auf der Grundlage eines neuen Gutachtens, dass an der Stelle derzeit keine weiteren Kita-Plätze notwendig seien. Für Überraschung sorgte zudem die SPD-Fraktion mit einer plötzlichen Ablehnung des Projekts, weil sie dort am markanten Ortseingang mehr städtebauliche „Vielfalt statt immer gleicher Reihenhäuser“ haben wolle.

Senioren-Tagespflege könnte einen Mehrwert bringen

Gleichzeitig forderte die SPD, dass die Kirche weiter in die Planung eingebunden werden müsse. Die Lage erscheint daher derzeit reichlich verworren. Zumal der Kirchenvorstand in der Zwischenstand erklärt hat, dass die Kirche ihren Anteil an dem Waldgrundstück nicht mehr verkaufen wolle, nachdem die Kita-Pläne nicht mehr aktuell seien. „Nur für Parkplätze verkaufen wir kein Grundstück“, sagt Kirchenvorstand Wilfried Hochfeld.

Wie es nun weitergeht mit dem umstrittenen Projekt soll nach Abendblatt-Information voraussichtlich am Freitag eine weitere Gesprächsrunde der Beteiligten klären. Und ein Vorschlag des Bauausschuss-Vorsitzenden Grambow könnte dann vielleicht die Lösung bringen: Statt Kita könnte der Investor bei der Lutherkirche auch eine in Neu Wulmstorf dringend benötigte Senioren-Tagespflege in das Neubaugebiet integrieren, sagt Grambow. Ein soziales Projekt, das in unmittelbarer Nachbarschaft der Kirche gut vorstellbar wäre und für alle einen „Mehrwert“ bringe, wie er sagt. Und auch PGN-Geschäftsführer Norbert Behrens hält die Idee für „vorstellbar“, wie er sagt. „Man muss nur einen Betreiber finden.“

Lessinghöfe

Mit gut 400 Wohneinheiten sind die Lessinghöfe am westlichen Ortsausgang das derzeit größte Neubau-Projekt Neu Wulmstorfs. Investor ist der Stuttgarter Festzelt-Unternehmer Karl Meier, dessen Familie schon lange in Besitz des Grundstücks ist. Ursprünglich sollten rund 120 Millionen Euro in das Vorhaben investiert werden, das eigentlich in Familienhand bleiben sollte.


Anfang des Jahres überraschte der Investor aber mit dem Verkauf des ersten Bauabschnittes mit rund 139 Wohnungen an den offenen Immobilienfonds „Swiss Life Living+Working“. Der Fonds wirbt mit „stabilen Erträgen für vorwiegend sicherheitsorientierte Immobilien-Anleger“. Um die Finanzierung für den zweiten und dritten Abschnitt sichern zu können, habe er sich zu diesem Verkauf entschlossen. Außerdem habe sich gezeigt, dass dort kleinere Wohnungen besser zu vermieten seien, als die von der Gemeinde gewünschten großen.