Immobilien

Trendwende am Wohnungsmarkt in Süderelbe?

Erste Mieter sind in den ersten Bauabschnitt des 120-Millionen-Projekts bereits eingezogen

Erste Mieter sind in den ersten Bauabschnitt des 120-Millionen-Projekts bereits eingezogen

Foto: Axel Tiedemann / HA

Investor für 120-Millionen-Projekt wechselt den Makler. Nun soll das Unternehmen eines Kommunalpolitikers Mieter finden.

Neu Wulmstorf .. Die Marke von zehn Euro pro Quadratmeter Kaltmiete ist auch bei Neubauprojekten im Süderelberaum zwischen Neugraben und Buxtehude längst gerissen, nicht nur in Hamburg selbst, sondern auch im Speckgürtel hat eben die starke Nachfrage nach Wohnungen die Preise immer weiter nach oben getrieben. Doch nun könnte sich eine Trendwende andeuten.

Auf jeden Fall ist das Vermietungsgeschäft nicht unbedingt mehr in jedem Fall ein Selbstgänger, wie sich bei einem der größten Einzelprojekte im südlichen Hamburger Umland zeigt: So baut ein süddeutscher Investor zur Zeit in Neu Wulmstorf einen Komplex mit knapp 400 Wohnungen, etwa 120 Millionen Euro werden in die „Lessinghöfe“ an der Lessingstraße investiert. Hochwertig und bestens ausgestattet sind die Wohnungen, aber sie kosten nach Maklerangaben auch eine durchschnittliche Kaltmiete von 11,37 Euro pro Quadratmeter.

Örtliche Kompetenz bei der Mietersuche ist jetzt gefragt

Während die kleinen Wohnungen im ersten Bauabschnitt (139 Wohnungen) offenbar rasch vermietet werden konnten, geriet die Vermarktung der größeren offensichtlich etwas zäher: Der Investor, der Stuttgarter Festzelt-Unternehmer Karl Maier, zog daher jetzt die Konsequenzen. Eigentlich war ein großes Hamburger Maklerunternehmen mit der Vermarktung beauftragt worden. Doch inzwischen habe man sich „einvernehmlich getrennt“, bestätigte Maier dem Abendblatt. Neu im Geschäft ist nun das örtliche Unternehmen Kanebley Consulting GmbH, das dem Neu Wulmstorfer CDU-Kommunalpolitiker Malte Kanebley gehört.

Die Lessinghöfe sollen im Bestand des Familienunternehmen von Maier bleiben, deshalb habe man auf langjährige Werthaltigkeit besonderes Augenmerk gelegt. „Wir haben an nix gespart und wollen auch in 20 Jahren noch Freude an dem Objekt haben“, sagt Maier. Doch für solche Wohnungen müsse man die Mieter auch suchen. Vom Computer aus in Hamburg zu arbeiten, reiche dafür nicht, örtliche Kompetenz sei wohl wichtiger, so Maier.

Investor ist erfolgreicher Festzelt-Unternehmer

Zügiger als bei den Lessinghöfen funktionierte allerdings in Neu Wulmstorf die Vermietung von 25 Wohnungen an der Bahnhofstraße des Nottensdorfer Immobilienunternehmens HBI. HBI plant, baut und verkauft meist an Investoren, übernimmt dann aber auch die Vermietung und Verwaltung. Innerhalb von zwei Monaten nach Vermarktungsstart seien alle der erst seit Kurzem bezugsfertigen Wohnungen vermietet worden, sagt HBI-Vertriebsleiter Mike Wettering.

Ist die Lage besser, die Preise günstiger als bei den Lessinghöfen? Die Nettokaltmiete beträgt bei dem HBI-Projekt Firmenangaben zufolge etwa zehn bis elf Euro pro Quadratmeter und dürfte damit etwas geringfügiger sein, zudem befindet sich das Haus dichter an der S-Bahn, wo HBI in den nächsten weitere hunderte Wohnungen bauen will.

In Bahnhofsnähe wurden Wohnungen schnell vermietet

„Vermutlich ist der Wohnungsmarkt aber auch langsam ausgereizt, so dass die Vermietung teuerer Wohnungen teilweise auch etwas schwieriger geworden ist“, vermutet der Neu Wulmstorfer SPD-Bauexperte und Vize-Bürgermeister Thomas Grambow. Allerdings weiß auch er, dass angesichts steigender Baupreise heute Unternehmen kaum günstiger bauen können. „Billig bauen geht nicht mehr, Mietpreise von 8,50 Euro in Neubauten sind einfach nicht mehr drin“, sagt Grambow.

Tatsächlich sind die Preise für Grundstücke und Baukosten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Im Süderelberaum rechnet man in der Branche heute über den Daumen mit etwa 4000 Euro, die für einen Quadratmeter investiert werden müssten. Vor knapp zehn Jahren seien es noch 2800 Euro gewesen. Und auch die Renditeerwartung liegt schon lange nicht mehr bei fünf Prozent, sondern eher bei drei. Wegen der h

istorisch niedrigen Zinsen werde dennoch weiter in Immobilien investiert, so ein Branchenkenner.

Gemeinde kam beim Grundstückskauf nicht zum Zug

Um trotzdem auch günstigen Mietwohnungsbau zu bekommen, haben die Gemeinden mittlerweile nicht viel Spielräume, sagte SPD-Politiker Grambow. Die Gemeinde Neu Wulmstorf hat das jetzt selbst erfahren müssen, wie er sagt. Beim Verkauf des ehemaligen Kichengemeindehauses am Gerhart-Hauptmann-Ring wollte Neu Wulmstorf selbst zuschlagen, um dort Platz für günstigen Wohnungsbau zu bekommen. „Doch wir sind leider nicht zum Zuge gekommen“, so Grambow. Sprich: ein anderer Investor konnte der Kirche mehr bieten. Doch statt zu schmollen, erlaubt Neu Wulmstorf dort jetzt sogar eine dreigeschossige Bebauung — und sichert sich im Gegenzug das Belegungsrecht für zwei, drei besonders günstige Mietwohnungen. Ein ähnlicher Deal ist mit dem Discounter Lidl geplant, der Wohnungen an der B73 bauen soll und dafür seinen Supermarkt vergrößern darf. Allerdings schafft das nicht die große Zahl von günstigen Wohnungen, die sich manche erhoffen. Grambow: „Das funktioniert immer nur mit einer Handvoll Wohnungen“. Kleiner Trost: Dafür Mieter zu bekommen, dürfte dann nicht weiter schwierig sein.