Urlaub vor der Haustür

Ein Campingplatz für jede Art von Campinggast

| Lesedauer: 10 Minuten
Lars Hansen
Henning und Kaddi genießen den Nachmittag vor dem Glamping-Wagen am Stover Strand.

Henning und Kaddi genießen den Nachmittag vor dem Glamping-Wagen am Stover Strand.

Foto: Lars Hansen / xl

Nord- und Ostsee überlaufen? Machen Sie Urlaub vor der Haustür! Heute: der Campingplatz Stover Strand an der Elbe.

Stove.  Den Regenschauer konnte man schon über Winsen herannahen sehen. Auf dem Weg über die Geesthachter Elbbrücke war er als klarer, definierter Grauschleier vor einem ansonsten ziemlich blauen Himmel zu sehen. Das beruhigt. Man sah nämlich auch, dass es nur ein kleiner Schauer ist. Trotzdem ist er genau jetzt hier, wo Norbert Kloodt, Geschäftsführer des Campingplatzes „Stover Strand international“ – Geschäftsführer, weil einfach nur „Chef“ zu sagen, bei der Größe und Komplexität der Anlage zu kurz gesprungen wäre – die neueste Errungenschaft des Platzes und seinen ganzen Stolz vorstellen will: Die Schäferwagen. Das sind kleine Bauwagen mit einer Veranda und einer Treppe, die zur Elbe hin zeigen sowie bonbonbunter Farbe an der Verkleidung.

Innendrin ist Platz für zwei Leute. Die Einrichtung ist schlicht, aber komfortabel. Es gibt durchaus luxuriösere Unterkünfte auf dem Platz, aber auf diese ist Kloodt besonders stolz. „Mehr braucht man eigentlich nicht, wenn man ein paar Tage entspannen will“, sagt er, „und das sehen viele Gäste genauso. Das Paar, das diesen Schäferwagen am vergangenen Wochenende gebucht hatte, hat ihn gleich für das nächste erneut gebucht – und die hatten Glück, dass der noch frei war!“

Für Gäste, die doch mehr Komfort wollen, haben Kloodt und sein Team ebenfalls Angebote. Es gibt kaum etwas, was es auf dem 30 Hektar großen Gelände nicht gibt. Wer mit Fahrrad und „Dackelhütte“-Zelt auf Elb-Wander-Tour ist, findet hier genauso sein Plätzchen, wie die, die doch lieber feste Wände, Dächer und eine Heizung im Urlaubsdomizil haben. Dauercamper, Durchreisende, Gelegenheitsgäste, Mobilheim-Mieter und -Besitzer und natürlich die Wohnmobilfraktion sind alle willkommen, und zwar alle gemeinsam.

Immer spontan schnelle Lösungen zu Hand

„Wir achten auch darauf, dass sich nicht einzelne Grüppchen für sich bilden, sondern, dass sich alle Sorten von Campern immer mischen und kennen lernen“, sagt Kloodt. Das geschieht unter anderem in der Campingplatz-Gastronomie. Die ist wegen der Corona-Regeln derzeit zwar einerseits ein wenig eingeschränkt, anderseits weiß man auf einem Campingplatz immer spontan schnelle Lösungen zu finden: Weil das Restaurant „Unsink-Bar“ das der Campingplatz auf einem Hausboot im Stover Hafen hat, zu eng für diese Zeiten ist, haben die Stover schlicht ihren Beach-Club vergrößert. Hier vor dem Deich gibt es Kaffee, Eiscreme und Kaltgetränke; ab nachmittags auch Pizza und Burger.

Vor allem gibt es immer ein nettes Lächeln von Bedienung Svenja. Hinter dem Deich auf dem Platz gibt es noch das À-la-carte-Restaurant „Stover Strand“, mit saisonaler und regionaler Küche. Nachhaltigkeit ist nämlich ein großes Thema auf dem Campingplatz. Das geht vom Gründach auf dem Verwaltungsgebäude über ökologische Holzhäuser die Wiederaufbereitung alter Wohnwagen als Mietunterkünfte, Solarstrom und Abfallmanagement bis hin zum Schutz des Bibers, der seinen Bau direkt neben dem Platz hat.

Zurück vor dem Deich, im Beach Club, gibt Norbert Kloodt gerade zwei Gästen aus dem Münsterland Tipps für ihre Fahrradtour. Als Basis für Ausflüge in ganz Norddeutschland ist der Campingplatz ideal gelegen. Es gibt einen Shuttle-Service nach Hamburg, es gibt in der Umgebung viel Interessantes zu erradeln – Fahrräder verleiht der Platz natürlich auch – und mit dem Auto ist man hier im Dreiländer-Eck Niedersachsen,Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern schnell an vielen Zielen.

Nur ein Katzensprung an die Lauenburger Seenplatte

Heide, Wendland und Lüneburg sind nur einen Katzensprung entfernt, wenn einem die Elbe vor dem Klappstuhl nicht reicht, ist man flott an der Lauenburger Seenplatte oder der Lübecker Bucht. Abends Musical, morgens Muschelsuchen – wenn die Theater wieder aufmachen, geht auch das.

Dabei muss man von hier aus gar nicht in die Ferne schweifen: Jetzt, wo es aufklart füllt sich der Elbstrand wieder Einige Gäste schwimmen im Strom, viele belassen es dabei, nur die Füße zu kühlen oder auch einfach nur im Sand zu sitzen. Und ein bisschen ist es wirklich, wie am Meer. „Wir haben hier noch richtige Gezeiten und Tidenhub“, sagt Norbert Kloodt, „denn das Sperrwerk Geesthacht liegt noch ein paar hundert Meter stromaufwärts.“

Das lohnt auch

  • Anschauen: Das Winsener Schloss und die Lüneburger Altstadt sind vom Platz aus schnell erreicht und lohnen einen Besuch, ebenso, wie der Dom zu Bardowick und das Schiffshebewerk in Scharnebeck. Landschaftlich kann man von hier aus die Elbmarsch (flussabwärts), die Elbtalaue (flussaufwärts), die Lüneburger Heide und die Lauenburger Seenplatte erkunden
  • Spaß haben: Der Platz bietet Badestelle und Bootsverleih, diverse Sportaktivitäten und Kinderanimation.
  • Eine Autostunde weit weg liegen Heide-Park und Snow Dome. Ausgedehnte Radtouren sind von hier aus in alle Richtungen möglich und auch als Wanderer findet man schöne Wege.
  • Genießen: Sowohl der Beach-Club als auch das eigentliche Campingplatz-Restaurant ziehen nicht nur die Camper, sondern auch zahlreiche Einheimische an. Die Eiscreme im Beachclub kommt aus einer kleinen Manufaktur im Nachbarort

Das bedeutet aber auch, dass alles, was vor dem Deich liegt, nur außerhalb der Sturmflutsaison betrieben werden kann. Von Mai bis Ende September liegen hier Touristenplätze. Davon gibt es auch hinter dem Deich einige – und die ganzjährig –, aber hauptsächlich sind dort Dauergäste und Mietunterkünfte. Den Elbblick beim Campen gibt es nur saisonal.

Diesen Blick genießen auch Kaddi und Henning gerade. Obwohl die beiden schon viel Lebenserfahrung gesammelt haben, übernachten sie zum ersten Mal in einem Wohnwagen. Dafür haben sie sich die „Elbe-Glamping“-Ecke ausgesucht. Hier stehen ein gutes Dutzend Nostalgie-Wohnwagen aus den 1960ern und 1970er-Jahren im Halbkreis. Sie sind liebevoll restauriert, technisch auf dem neuesten Stand und werden komplett eingerichtet als Unterkunft vermietet.

Hier bestätigen sich nahezu alle Camping-Klischees

„Viele Verwandte und Bekannte von uns hatten solche Campingwagen, als wir noch jünger waren“, sagt Kaddi, „aber wir hatten damals ein Boot und sind damit gereist. Nur manchmal, wenn das Wetter ganz beschämend war, haben wir dabei ans Ufer geguckt, die Campingplätze gesehen und ein bisschen die beneidet, die trocken im Wohnwagen saßen. Jetzt holen wir das mal nach und wir genießen es!“

Auf dem Campingplatz Stover Strand bestätigen sich so gut wie alle Camping-Klischees, selbst die, die sich eigentlich widersprechen. Das kommt, weil der Platz jede Sorte von Camper anzieht. Reisebusgroße chromblitzende Wohnmobile der Millionärsklasse stehen neben abgerockten selbst umgebauten Transportern der Stichsägen-Künstler, Blank geputzte Wohnwagen mit Kunstrasenteppich und akkurat rechtwinkligem Vorzelt neben windschiefen Tipis.

Unter den Nummernschildern sind auch viele gelbe. Niederländer. Wenn die in großer Zahl kommen, hat ein Campingplatz alles richtig gemacht. Was unseren westlichen Nachbarn auf dem Fußballplatz nie gelang, schaffen sie im Camping-Vergleich Jahr für Jahr: Da sind sie Weltmeister – und haben entsprechende Ansprüche ans „lekker Camping“.

Der Platz ist ganzjährig geöffnet

Norbert Kloodt und seine Mannschaft tun einiges, um allen Ansprüchen gerecht zu werden. Alles jedoch nicht. „Es gibt ein paar Trends, die ohne uns stattfinden müssen“, sagt er. „Dazu gehört zum Bespiel das Wintercamping in beheizten Carports. Das muss nicht sein! Das widerspricht unseren Nachhaltigkeitsprinzipien.“

Urlaub in Zeiten des Coronavirus
Urlaub in Zeiten des Coronavirus

Ganzjährig geöffnet hat der Campingplatz Stover Strand dennoch: Wer will, kann hier auch Weihnachten und Silvester feiern. Und wer das wirklich will, sollte demnächst buchen. Zahlreiche Touristen-Parzellen sind in den Jahreswechsel-Wochen bereits belegt.

Nicht wirklich wintertauglich ist die letzte Unterkunft die der Chef heute vorführt: Der Platz verfügt über einige Schlafstrandkörbe, die zwei Gästen kuschelig Platz sowie ein blickdichtes Verdeck für Momente, in denen Privatsphäre gefragt ist, bieten. Und wem das alles zu rustikal ist, kann im Campingplatz-Hostel ein Doppelzimmer reservieren.

Zurück im Schäferwagen, wird der Platz noch einmal von einem zweiminütigen Mini-Schauer gesprenkelt. „Bei Regen weiß man seine Behausung doch erst richtig zu schätzen“, sagt Norbert Kloodt. „Wenn der Regen auf das Dach oder den Zeltstoff prasselt und man es drinnen schön trocken hat, ist das das wahre Camping-Gefühl. Und wenn man dann noch einen so tollen Ausblick hat wie hier, will man gar nicht in die Ferne!“

Zahlen & Daten

  • Anreise: Mit dem Auto von jedem Punkt Hamburgs aus am schnellsten über die A 25 bis Geesthacht; dann die Elbe queren. Mit dem Fahrrad den Elbdeich entlang flussaufwärts. Nord- oder Südufer ist egal: Die Geesthachter Elbbrücke ist nah beim Platz. Empfehlung: Elbfähre Zollenspieker-Hoopte. ÖPNV: Bahn bis Winsen, ab da Buslinien 4400 oder 4405
  • Kosten: Von Zelt und 2 Personen: 22,50 Euro bis Ferienhaus mit 2 Personen: ab 66 Euro pro Nacht
  • Kontakt: Stover Strand 10, 21423 Drage Tel.: +49 (0)4177-430 E-Mail: info@stover-strand.de

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