Harburg
Alles zugeparkt

An Seevetals Badeseen ist kein Durchkommen für die Feuerwehr

Die Zufahrten zu den beliebten Badeseen am Ortsrand von Meckelfeld waren für die Feuerwehr bei einem Testlauf am Freitagabend kaum passierbar. Das kann Menschenleben kosten.

Die Zufahrten zu den beliebten Badeseen am Ortsrand von Meckelfeld waren für die Feuerwehr bei einem Testlauf am Freitagabend kaum passierbar. Das kann Menschenleben kosten.

Foto: Joto

Im Notfall kommen Retter wegen Falschparker kaum zum Einsatzort. Am Wochenende wurde an den Seen getrunken und gefeiert.

Meckelfeld.  Autoschlangen an der Zufahrtsstraße weisen den Weg zum See im Großen Moor am Ortsrand von Meckelfeld, dem größten Badesee im Landkreis Harburg. Auf dem Weg zum Seeufer steigt den Besuchern Grillgeruch in die Nasen, garniert mit lauten Beats aus zahlreichen Lautsprechern. Dieser und andere Seen in Seevetal sind am heißen Wochenende zur Partymeile geworden, Corona hin oder her.

Bei Temperaturen um 30 Grad ist der Andrang auch in „normalen“ Jahren groß. In diesem Sommer, in dem viele Bürger ihren Urlaub zu Hause verbringen, ist der Druck besonders hoch. Das größte Problem, das sich daraus am Wochenende ergab, war aber nicht das Coronarisiko, sondern zugeparkte Rettungswege.

Rettungswege für Feuerwehr an Seen zugeparkt

„Die Polizei Seevetal leitete auf ihren Kontrollgängen zwischen Sonnabendmittag und Sonntag, 17.30 Uhr, insgesamt 169 Bußgeldverfahren gegen Fahrzeughalter ein“, sagt Jan Krüger, Polizeisprecher im Landkreis Harburg. Die Beamten waren am See im Großen Moor, am Pulvermühlenteich Meckelfeld und am See im Maschener Moor unterwegs.

Oftmals sei selbst in absoluten Halteverboten geparkt worden, so dass die Rettungswege für die Feuerwehr unpassierbar wurden. Wie rücksichtslos ein solches Verhalten ist, zeigte sich am Sonnabend am Rissener Elbufer. Dort trieb ein 19-Jähriger bewusstlos in der Elbe, und der Rettungsdienst der Feuerwehr konnte nur mit großer Verzögerung zu ihm gelangen.

Auch bei einem Probelauf der Feuerwehr in Meckelfeld waren am Freitagabend die Zufahrtswege zum See im Großen Moor und zum Pulvermühlenteich blockiert. Dutzende Autos standen im absoluten Halteverbot und verhinderten ein zügiges Vorankommen der freiwilligen Feuerwehrleute. Sie erklärten den aufgeschreckten Badegästen die Wichtigkeit von freien Zufahrtswegen.

Einige Badegäste bepöbelten die Feuerwehrleute

Einige Autofahrer parkten daraufhin ihre Fahrzeuge um. Andere Badegäste reagierten mit völligem Unverständnis und bepöbelten die Feuerwehrleute. Am Pulvermühlenteich rückte schließlich die Polizei an und klemmte Strafzettel an Dutzende Autos – 2019 musste ein Mann nach einem Badeunfall aus dem Pulvermühlenteich gerettet werden.

Bei den Polizeikontrollen am Wochenende stießen die Beamten mehrmals auf Badegäste, die an offenen Feuerstellen grillten. Das ist generell verboten und bei der jetzt herrschenden Trockenheit und der damit verbundenen hohen Waldbrandgefahr besonders rücksichtslos. Gravierende Verstöße gegen die Corona-Abstandsregeln habe es dagegen nicht gegeben, so Krüger. Badegäste gehen generell gern auf Abstand, wenn sie ihre Handtücher ausbreiten. Erst auf dem Weg ins kühlende Nass wird es eng. „Da das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes beim Baden nicht praktikabel ist, ist es wichtig, auch im Wasser einen Sicherheitsabstand von 1,5 Metern zu anderen Personen einzuhalten. Nur so können Sie sich und andere vor einer Infektion schützen“, appelliert die Bundesregierung an alle Badenden im Lande.

Enger Kontakt ist auch im Freien riskant

So ein Abstand lässt sich bei den wenigen (offiziellen) Stellen, an denen der See im Großen Moor geentert werden kann, kaum einhalten. „Enger Kontakt ist auch im Freien riskant“, betont Stephan Harbarth, Infektiologe an der Universität in Genf, in der „Süddeutschen Zeitung“. „Wenn direkt neben mir einer brüllt und er infektiös ist, dann ist es egal, ob es 30 Grad hat“, so Harbarth. Der eine oder andere Weg ins gefühlt kalte Wasser des Meckelfelder Badesees war durchaus von einzelnen Schreien begleitet. Und an Land waren auch bei grillenden Gruppen keine Masken zu sehen – bis auf ein (Einweg-)Exemplar, das achtlos weggeworfen am Wegesrand lag.

Was auf jeden Fall von den Gelagen an den Seen übrig bleibt, ist massenweise Unrat. „Wir leeren regelmäßig die Mülleimer und sind natürlich auch montags unterwegs“, sagt Andreas Schmidt, Sprecher der Gemeinde Seevetal, die für den Badebetrieb an ihren Seen zuständig ist. Schmidt geht davon aus, dass gestern rund 200 Müllsäcke und damit gut zwei Lkw-Ladungen zusammenkamen.

Drei Badeseen rund um den Rangierbahnhof

Fünf Badegewässer hat die Gemeinde Seevetal offiziell ausgewiesen. Deren Wasserqualität wird regelmäßig überwacht – die jüngsten Messungen am 20. Juli ergaben keine Beanstandungen. Zudem werden während der Saison zum Beispiel mobile Toilettenhäuschen aufgestellt.

Nahe Meckelfeld liegen der See im Großen Moor und der Pulvermühlenteich. Hinzu gesellen sich der See im Maschener Moor sowie die Badeteiche in Ramelsloh und in Holm-Seppensen. Letzterer gehört zum Campingplatz Nordheide.