Laute Baustelle

Gleisarbeiten sind voll im Zeitplan

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Axel Tiedemann

150 Meter lange „Umbaumaschine“ im Einsatz. Einschränkungen für Pendler und Anwohner der S 3-Strecke.

Neu Wulmstorf.  Immer wieder lange Warntöne an der Strecke, dröhnende Dieselmotoren von Gleisbaumaschinen, viele geschlossene Bahnübergänge und auch erhebliche Einschränkungen für den S-Bahn-Verkehr im Hamburger Süden: Noch bis voraussichtlich Ende Juli müssen Pendler und Anwohner an der Bahnstrecke zwischen Buxtehude und Neugraben mit umfangreichen Gleisbauarbeiten rechnen, die teils bis in die Nacht andauern können. Gestartet waren sie am Wochenende und liegen nach Auskunft der Bahn aktuell im Zeitplan, so dass sie aller Voraussicht nach am Freitag, 31. Juli, um 22 Uhr abgeschlossen sein werden.

Grund für die Arbeiten ist der weit fortgeschrittene Verschleiß auf dem rund 4500 Meter langem Abschnitt. Diese Abnutzung variiert normalerweise stark und sei abhängig von Zuggewichten und Geschwindigkeiten, so die Bahn. Etwa alle 25 Jahre müssten Schienen daher erneuert werden. In diesem Fall stammen die Gleise der Bahn zufolge zum größten Teil sogar aus dem Jahr 1981. „Sie haben nun das Ende ihrer technischen Nutzungsdauer erreicht“, sagt eine Bahn-Sprecherin.

Auch das Schotterbett wird aufgearbeitet

Zusätzlich zum Austausch der Gleise wird aktuell auch das Schotterbett aufgearbeitet und der darunter liegende Unterbau – die so genannte Planumsschutzschicht – auf etwa 1200 Meter Länge erneuert. Wobei immer auf der Trasse einer Fahrtrichtung gearbeitet wird, um für die jeweils andere eine Spur freizuhaben. Grund: Die S-Bahn kann fahren, aber mit deutlich längeren Taktzeiten.

Sobald ein Zug die Baustelle passiert, ist daher während der Bauzeit ein durchdringendes Warn-Hupen von etlichen, mobilen Lautsprechern zu hören, die von Lichtblitzen unterstützt werden. Solche modernen Anlagen würden sich automatisch den Umweltgeräuschen anpassen und seien von den Unfallkassen heute auch gefordert, heißt es bei der Bahn.

Während gerade das Warnhupen auch weiter weg als nur unmittelbar an den Gleisen zu vernehmen ist, sind die eingesetzten Baumaschinen trotz ihrer erstaunlichen Größe eher nur in unmittelbarer Nachbarschaft zu hören. Bis gestern hatte das beauftragte Gleisbauunternehmen H.F. Wiebe dazu die Umbaumaschine „RP MW 2002-2“ im Einsatz. Mehr als 140 Meter ist dieser aus etlichen gelben Waggons bestehende Zug lang und wiegt 560 Tonnen!

Früher mussten mehrere Geräte eingesetzt werden

Die „Schotterschlange“ arbeitet dabei mehrere Gleisbau-Arbeiten simultan ab. Das spare erheblich Zeit gegenüber früheren Verfahren, als mehrere Geräte hintereinander eingesetzt werden mussten. Die Maschine hebt dabei die Gleise an, erneuert die tragende Unterschicht und nimmt gleichzeitig den alten Schotter darunter aus dem Gleisbett: Dieser Schotter wird dann vor Ort in der „RP MW 2002- 2“ auch gesiebt, um feines Abrieb-Material unter 25 Millimeter Korngröße heraus zu sortieren. Zusätzlich wird in der Maschine vor Ort der Schotter noch gespült und auch wieder scharfkantig geschnitten, damit er sich wieder besser verkeilen kann, wie es bei Wiebe heißt.

Der Vorteil: Weil so alter Schotter recycelt wird, braucht man weniger neuen. Damit würden Transport- und Deponiekosten deutlich reduziert. In einer Stunde schafft die Simultan-Gleisbaumaschine etwa 110 Meter – wobei eine solche notwendig gewordene „Totalsanierung“ einzelner Abschnitte seit Mittwoch weitgehend abgeschlossen ist. In der Nacht zu heute kam auf der Baustelle daher eine neue Maschine an, die im Wesentlichen den alten Schotter nur reinigt – aber auch immer noch gut 120 Meter lang ist.

Während der Gleisbauarbeiten fahren zwischen Stade und Neugraben montags bis freitags die S-Bahnen in den Hauptverkehrszeiten nur im 30-Minuten-Takt, ansonsten im 60 Minuten-Takt. Auch am Sonnabend und Sonntag gibt es nur einen Stundentakt. Der Regionalzug RE5 fährt wochentags zwischen Buxtehude und Neugraben indes gar nicht und nur am Wochenende im 60-Minuten-Takt.

Zusätzlich werden zwischen Buxtehude und Neugraben auch Busse eingesetzt, damit die wenigen S-Bahn wegen der Corona-Gefahr nicht zu voll werden, wie es bei der Bahn heißt. Diese Busse halten allerdings nicht direkt an den Bahnhöfen in Fischbek und Neu Wulmstorf.

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