Harburg
Gesundheit

Auf die richtige Mischung kommt es an

Die Pharmazeutisch-technischen Assistentinnen Milena Klimeck (l.) und Magdalena Aleksandrowicz arbeiten in den Produktionsräumen der Schäfer-Apotheke in Harburg.

Die Pharmazeutisch-technischen Assistentinnen Milena Klimeck (l.) und Magdalena Aleksandrowicz arbeiten in den Produktionsräumen der Schäfer-Apotheke in Harburg.

Foto: Rolf Zamponi

Wie der Apotheker Ernst-Friedrich Menges seine Kunden mit einem selbst hergestellten Desinfektionsmittel vor dem Corona-Viren schützen will.

Harburg.  Im Süderelberaum gilt Apotheker Ernst-Friedrich Menges als einer, der viele Medikamente selbst herstellt. „Mehr als die Hälfte meines Umsatzes erziele ich mit diesen Präparaten“, sagt Menges ohne absolute Zahlen zu nennen. Seit Anfang März ist der 54-Jährige nun in die Produktion von Desinfektionsmitteln für die Hände eingestiegen. Mit der Ausbreitung des Corona Virus sind die kleinen Fläschchen hochbegehrt. „200 Liter Isopropanol und 50 Liter Glycerol bestelle und verarbeite ich pro Woche. Um den Absatz brauche ich mir dabei keine Gedanken zu machen.“

Die Apotheker in Hamburg aber auch bundesweit springen in eine Lücke, die sich rasch mit der Corona Pandemie aufgetan hat. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte es Anfang März möglich gemacht, dass der Wirkstoff Propanol, der laut EU-Verordnung einer Zulassungspflicht unterliegt, verwendet werden kann. Die Bundesstelle für Chemikalien sah eine „Gefahr für die öffentliche Gesundheit“ und erlaubte die Produktion in den Apotheken. Abgestimmt mit dem Bundes-Umweltministerium gilt die Verfügung für 180 Tage und soll Ende August wieder außer Kraft gesetzt werden. „Zwei Drittel der 392 Apotheken in Hamburg sind inzwischen in die Produktion eingestiegen“, schätzt Kai-Peter Siemsen, der Präsident der Apothekerkammer.

Mittel wird in 100-Milliliter-Fläschchen abgefüllt

So mischen Menges und seine Pharmazeutisch-Technischen Assistentinnen (PTA) nun die verschiedenen Inhaltsstoffe und füllen sie vor allem in 100-Milliliter-Fläschchen ab. Hauptbestandteil sind entweder das Isopropanol oder Ethanol. Die beiden hochprozentigen Alkohole werden verdünnt. Beim Propanol von 99 auf 70 Prozent, beim Ethanol von 96 auf 90 Prozent.

Nach ihrer eigenen Rezeptur favorisiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Lösung, in die noch das Glycerol, Duftstoffe und Wasserstoffperoxid eingebracht werden, die ebenfalls freigegeben sind. Das Glycerol, ebenfalls ein Alkohol, sorgt dafür, dass die Mischung sich wie ein Film mit der Haut verbindet. Das Wasserstoffperoxid, das als Haarfärbemittel bekannt ist, tötet über eine chemische Reaktion die Viren ab.

Menges, der in Harburg zwei Apotheken betreibt, hat sich seine Quellen für diese Zutaten bei Hamburger Grundstoff-Zwischenhändlern gesichert. Die Preise für die einzelnen Bestandteile des Desinfektionsmittel divergieren stark. So liegt der Preis bei Isopropanol zwischen zehn und bis zu 55 Euro für zehn Liter. Das Glycerol ist deutlich teurer. Es schlägt mit 20 Euro pro Liter zu Buche.

Ohnehin ist es Menges gewohnt, auf auch ohne Krisen Engpässe zu meistern. Das gilt bei ihm zudem für Standardmedikamente zum Schutz vor den derzeit grassierenden Erkältungskrankheiten. „Wir haben unseren Vorrat jetzt auf zwei Monate ausgerichtet.“ Üblich waren vor der Corona-Krise 14 Tage.

Für die Kunden kosten 100 Milliliter pures Isopropanol 5,99 Euro, die umfangreichere, mit dem teureren Glycerol versetzte WHO-Lösung, ist mit 7,99 Euro zwei Euro teurer. Abgegeben werden außer in gut begründeten Fällen jeweils ein bis zwei Fläschen pro Kunde. Damit alle versorgt werden können, werde bei versuchten Hamsterkäufen schon mal gebremst.

„Zu Hause reicht es, wenn man sich gründlich die Hände wäscht“

Die kleinen Fläschchen lassen sich gut für unterwegs einstecken. „Wenn man einen Einkaufswagen, den Öffnungsknopf an Bus oder U-Bahn anfasst oder sich einfach mal durch das Gesicht fährt, lässt sich alles rasch desinfizieren“, erklärt Menges. „Zu Hause reicht es, wenn man sich gründlich die Hände wäscht.“

Mit dem großen Bedarf an den Mitteln ist inzwischen ein neues Problem aufgetreten. Es fehlt an Flaschen nicht nur für 100, sondern auch für 500 Milliliter. Das bestätigt Kammer-Präsident Siemsen für die gesamte Hansestadt. „Die Behältnisse sind knapp, da gibt es einen Engpass“, sagt Menges in seiner Schäfer Apotheke. Deshalb ist er jetzt auf der Suche nach einem Lieferanten für diese Gebinde, um noch zielgerichteter abfüllen zu können.

Das Herstellen von Medikamenten, von Kapseln, Salben, Pasten, Tropfen und Lösungen sieht der Apotheker als eine „ureigene“ Aufgabe seiner Zunft. Schließlich sei jeder Apotheker dafür ausgebildet. Als Unternehmer will Menges gleich nebenan in der Harburger Rathausstraße erweitern und bald eine Tablettenpresse aufstellen. Die Apotheken können also dabei helfen, die Corona-Krise einzudämmen. Die Produktion von Desinfektionsmitteln, da ist sich Siemsen sicher, „ist kein Hexenwerk“.