Corona

Hamburger Medizintechnikfirma baut Produktion aus

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Heiner Schmidt
Andre Schulte ist Chef der Hamburger Firma Weinmann.

Andre Schulte ist Chef der Hamburger Firma Weinmann.

Foto: Weinmann Emergency

Beatmungsgerätehersteller arbeitet auch sonnabends und sucht Personal. Eppendorf AG meldet hohe Nachfrage nach Laborartikeln.

Hamburg.  Ausweitung der Arbeitszeiten, mehr Beschäftigte, Verdoppelung der Produktion – Hamburger Medizintechnik-Unternehmen, deren Geräte und Produkte zur Bewältigung der Corona-Krise benötigt werden, haben derzeit alle Hände voll zu tun, um ihre Kunden zufriedenzustellen. „Die Nachfrage ist drastisch gestiegen“, sagt André Schulte, der Chef von Weinmann Emergency in Stellingen. Das mittelständische Unternehmen macht gut die Hälfte seines Umsatzes mit Beatmungsgeräten und Defibrillatoren für die Notfallmedizin. Sie werden vorwiegend von Rettungs- und Katastrophenschutzdiensten oder im militärischen Sanitätsdienst eingesetzt.

Nun gehen nicht nur von solchen Kunden, sondern auch von Kliniken verstärkt Anfragen und Aufträge ein. Genaue Zahlen nennt Schulte nicht, aber: „Wir versuchen die Produktion zu verdoppeln und sind auf einem guten Weg dahin.“ In Henstedt-Ulzburg in der Geräteproduktion mit 60 Beschäftigten wird nun auch sonnabends gearbeitet. Zusätzliche Mitarbeiter werden beschäftigt, das Produktionspersonal soll um 30 Prozent wachsen.

Unternehmen spürt Folgen der Corona-Krise seit Wochen

Das Unternehmen, das gut 40 Prozent seiner mehr als 45 Millionen Euro Jahresumsatz außerhalb der Bundesrepublik macht, spürt die Folgen der Ausbreitung des Virus seit Wochen. „Die Nachfrage steigt, seitdem das Virus zu Jahresbeginn in China ausgebrochen ist“, sagt Schulte. Aus China stammen auch einige Komponenten und Teile für die Endmontage der Geräte in Henstedt-Ulzburg. Engpässe gebe es da nicht. „In China ist die Produktion wieder angelaufen. Auch die Zulieferungen aus Italien kommen uneingeschränkt an.“

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Am Großauftrag der Bundesregierung für Tausende Beatmungsgeräte hat Weinmann als eher kleineres Unternehmen keinen Anteil. Davon profitieren große Hersteller wie Drägerwerk in Lübeck, die 10.000 Einheiten liefern sollen. Löwenstein Medical aus Bad Ems liefert 6500 Geräte. Daran ist auch das Hamburger Werk der Löwenstein-Gruppe beteiligt.

Hygienemaßnahmen massiv erhöht

Bis vor einigen Jahren war dieses Werk noch eine Weinmann-Sparte. „Wir haben sehr viele größere Aufträge aus aller Welt erhalten“, so Schulte. In der Unternehmenszentrale wird jetzt auch registriert, was bisher nur aus Supermärkten bekannt war: Hamsterkäufe – zumindest den Versuch einzelner Kunden, einen größeren Vorrat an Verbrauchsmaterialien wie etwa Beatmungsschläuchen zu ordern. Das bleibt in der Regel erfolglos. „Wir schauen uns jede Bestellung sehr genau an und bewerten sie unter diesem Gesichtspunkt.“

So wie bei Weinmann hat auch der Hamburger Laborgerätehersteller Eppendorf AG die Hygienemaßnahmen in Büros und Werkshallen massiv erhöht. Um die Mitarbeiter zu schützen, aber auch um die Herstellung der jetzt überlebensnotwendigen Geräte und Verbrauchsartikel sicherzustellen. Von „Hamsterkäufen“ mag man in der Hummelsbütteler Zentrale nicht sprechen, aber es gebe ein stärkere Nachfrage etwa nach Pipettierautomaten und Pipettenspitzen aus Kunststoff, die für CoronaTests benötigt werden.

Längere Hochkonjunkturphase erwartet

Und nach Zentrifugen, die in Laboren bei der Forschung nach Medikamenten und Impfstoffen eingesetzt werden. Im Hamburger Werk wird jetzt im Zwei-Schicht-System gearbeitet – aus Präventionsgründen. In Oldenburg läuft die Laborartikel-Produktion seit jeher im Drei-Schicht-System. Kapazitätsausweitung und Personalaufbau sei derzeit nicht geplant. Noch lasse sich die Nachfrage durch Produktionsumstellungen auffangen.

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Weinmann-Chef Schulte stellt sich bereits auf eine längere Hochkonjunkturphase für sein Unternehmen ein: „Die große Nachfrage wird wegen der zu erwartenden weiteren Ausweitung noch mehrere Monate anhalten“, glaubt er.

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