Harburg
Staubbelastung

Muss der Harburger Wochenmarkt noch einmal umziehen?

So soll der Neubau am Sand nach dem Siegerentwurf des Büros Schenk+Waiblinger Architekten aussehen.

So soll der Neubau am Sand nach dem Siegerentwurf des Büros Schenk+Waiblinger Architekten aussehen.

Foto: AVW/Schenk+Waiblinger Architekten

Staubbelastung durch Abriss des „Bolero-Komplexes“ könnte Verkauf von Lebensmitteln unmöglich machen.

Harburg.  Mehr als acht Monate befand sich der Harburger Wochenmarkt im vergangenen Jahr nicht auf seiner angestammten Fläche am Sand, sondern auf dem Harburger Rathausplatz. Während die Kombination von Rathaus und Marktständen zunächst einmal gut aussah, hatte sie in der Praxis doch ihre Tücken: Das unebene, kleinsteinige Pflaster des Platzes machte gestandenen Marktleuten und gebrechlichen Kunden gleichermaßen zu schaffen, Viele Händler beklagten lange Wege zwischen Lagerräumen am alten Standort und Ständen vor dem Rathaus. Deshalb waren die meisten auch froh, als der neu gepflasterte alte Marktplatz im Herbst wieder bezogen werden konnte.

Doch nun könnte noch eine Phase drohen, in der noch einmal umgezogen werden muss. Das geht aus der Antwort des Bezirksamts auf eine Anfrage der CDU hervor: Sollte beim Abriss der Gebäude auf der Westseite des Marktes, dem so genannten Bolero-Komplex zu viel Staub entstehen, kann der Markt für die Dauer des Abbruchs nicht auf dem Sand stattfinden. Das Bezirksamt hat deshalb vorsorglich einen erneuten Umzug des Marktes vor das Rathaus ins Auge gefasst

Ohne Staubbelastung bleibt der Markt am Stammplatz

„Grundsätzlich gilt für das Inverkehrbringen von Lebensmittel, dass sie bei Beachtung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt der Gefahr einer nachteiligen Beeinflussung nicht ausgesetzt werden sollen“, schreibt Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen der CDU. Sie schreibt aber auch, dass es noch gar nicht sicher ist, ob es zu einer Beeinträchtigung kommt. Wenn nicht, könnte der Markt bleiben, wo er seit 400 Jahren seinen Stammplatz hat.

An Stelle des einsturzgefährdeten ehemaligen Geschäfts- und Gastro-Komplexes zwischen Sand und Neue Straße sollen Seniorenwohnungen, ein Supermarkt und erneut Gastronomie entstehen. 60 bis 80 Senioren-Apartments sind geplant. Optimistische Ankündigungen sahen den Baubeginn bereits für das vergangene Jahr vor. Allerdings zogen sich Planungen und Genehmigungen lange hin, außerdem hatte der letzte Pächter der Gastronomie noch einen lange laufenden Vertrag. Bei den Marktleuten ist derzeit noch eine kleine Hoffnung vorhanden, dass der Investor AVW zusammen mit seinem Architektenbüro Schenk + Waiblinger ein Abrisskonzept entwickelt, bei dem es keine Beeinträchtigung des Marktes durch Schutt und Staub gibt.

„Kunden würden sich im Staub nicht wohlfühlen“

„Wir wollen auf dem Sand bleiben, denn der neue Platz gefällt uns sehr gut“, sagt Marktleutesprecherin und Blumenfrau Sabine Micheel, „aber wenn hier alles vollgestaubt wird, können wir die Ware ja nicht mehr verkaufen, die Kunden fühlen sich nicht wohl und wir müssten den Staub ja auch ertragen. Dann wäre es natürlich vernünftiger, noch einmal umzuziehen.“

Zuletzt haben Bezirksamt und Marktleute Anfang des Monats über die Lage beraten. Sobald das Abrisskonzept vorliegt, wollen Verwaltung und Händler noch einmal zusammenkommen. Eine andere Ausweichoption als den Rathausplatz gibt es laut Bezirksamt nicht: „Sofern aufgrund der Abbrucharbeiten erhebliche Staub- und Lärmbelastungen nicht ausgeschlossen werden können, kann als Alternative nur eine temporäre Verlegung auf den Rathausplatz in Betracht kommen“, schreibt Sophie Fredenhagen.