Harburg
„Plietsch“

Hittfeld: Wird Edeka Meyer zum Unverpackt-Laden?

Edeka Meyer in Hittfeld startet Unverpackt-Verkauf: Henrik Siepelmeyer (l.) von „Plietsch“ hat das Konzept entwickelt, Jonas Meyer aus der Marktleitung setzt es um. 

Edeka Meyer in Hittfeld startet Unverpackt-Verkauf: Henrik Siepelmeyer (l.) von „Plietsch“ hat das Konzept entwickelt, Jonas Meyer aus der Marktleitung setzt es um. 

Foto: Lena Thiele

Der Supermarkt verkauft Lebensmittel und Haushaltswaren ohne Verpackung. „Plietsch“-Konzept soll an weiteren Orten starten.

Hittfeld.  Die Haferflocken rauschen aus hohen durchsichtigen Spendern an der Wand ins mitgebrachte Schraubglas. Das Waschpulver wird ebenso abgefüllt und auch ein Stück Seife können die Kunden lose in ihren Einkaufswagen legen. Was in mehreren Unverpackt-Läden bereits gut funktioniert, wird demnächst auch in Hittfeld möglich sein. Am 13. März wird das „Plietsch-Regal“ im Eingangsbereich von Edeka Meyer eröffnet. „Das Thema Nachhaltigkeit ist wichtig für die Zukunft“, betont Jonas Meyer aus der Marktleitung.

Hinter „Plietsch“ steht das Duo Henrik Siepelmeyer und Lisa Heldt. Als Studenten der Lüneburger Leuphana Universität entwickelten sie ihr Konzept für ein Unverpackt-Angebot, das in bestehende Supermärkte integriert wird. Diese Expertise ist Grundlage ihres Geschäftsmodells, das auch umfassende Beratung der Marktbetreiber in Sachen Nachhaltigkeit beinhaltet.

Angebot soll normale Supermarkt-Kunden erreichen

„Wir wollen Normalverbraucher erreichen“, sagt der 26-Jährige, der wie seine Mitgründerin Nachhaltigkeitswissenschaften studiert hat. Die Hemmschwelle, diese neue Art des Einkaufens auszuprobieren, soll möglichst gering gehalten werden. „Es geht uns darum, rundum nachhaltige Produkte anzubieten und zugleich ein unkompliziertes Einkaufserlebnis zu ermöglichen.

In Lüneburg haben sie dies bereits vor rund zwei Jahren umgesetzt, bei Edeka Bergmann gibt es in einem extra Bereich zahlreiche Produkte ohne Verpackungen zu kaufen. „Der Renner sind die Haferflocken. Die gehen immer“, sagt Henrik Siepelmeyer. Bei einem Preis von drei Euro pro Kilo seien die regional produzierten Bioland-Flocken nicht teurer als Haferflocken in der Tüte. „80 Prozent des Sortiments sind günstiger als vergleichbare Produkte.“ Kleine Mengen kosteten dasselbe wie größere.

Fünf Meter lange Wand wird mit Behältern bestückt

Auch die sonst nur schwer zu findenden Sonnenblumenkerne aus Deutschland seien beliebt. Und natürlich Nudeln in jeder Form. Sein persönlicher Favorit sei aber der Quinoa von einem regionalen Anbieter, sagt Henrik Siepelmeyer. „Der kommt normalerweise aus dem Andengebiet, hier aber betreiben wir lokale Wertschöpfung.“

Auch in Hittfeld wird an einer fünf Meter langen Wand künftig ein Sortiment aus etwa 80 Produkten angeboten. Dazu zählen vor allem trockene Lebensmittel, wie eben Haferflocken, Nudeln, Linsen und Reis, aber auch Milchprodukte, wie Joghurt und Sahne. Ebenso im Angebot sind Kosmetik, Seife, Wasch- und Putzmittel sowie Damenhygieneartikel. Alle Waren werden in durchsichtigen schadstofffreie Kunststoffbehälter mit UV-Schutz angeboten, durch Spender-Öffnungen können sich die Kunden die gewünschte Menge in mitgebrachte Gefäße abfüllen. Für spontane Käufer sind auch Leinenbeutel mit dem Plietsch-Logo im Angebot.

Der Edeka-Markt in Hittfeld sei als Standort ideal, sagt Jonas Meyer, der den Markt in fünf Jahren von seinem Vater übernehmen wird und während einer einjährigen Fortbildung im Lüneburger Markt auf das Konzept aufmerksam wurde. „Bei uns wird sowieso schon viel Bio gekauft, immer wieder kommen auch Fragen nach speziellen Bio-Produkten. Aus Platzgründen können wir aber nicht alles anbieten. Mit dem Plietsch-Sortiment bedienen wir diese Nachfrage nun.“ Natürlich sei es auch ein Ziel, mit der Unverpackt-Ecke neue Kundenkreise anzusprechen und dadurch neue Stammkunden zu gewinnen, sagt der 21-Jährige. „Man muss neue Wege gehen, um konkurrenzfähig zu bleiben.“

Das Konzept wurde bereits mehrfach ausgezeichnet

Die Kombination aus Aufgeschlossenheit für Trends und Verbundenheit mit dem örtlichen Einzelhändler mache Hittfeld zu einem sehr guten Standort für das Plietsch-Konzept, meint auch Henrik Siepelmeyer. Der Start sollte ursprünglich mit der geplanten Erweiterung des Marktes zusammenfallen. Doch diese verschiebt sich, voraussichtlich auf das kommende Jahr.

Das Wandregal ist daher zunächst eine Übergangslösung. Es wird auf der Fläche des jetzigen Blumenladens aufgebaut. Ein Grundsortiment an Blumen wird es künftig in der Selbstbedienung geben. Nach dem Umbau sollen die Unverpackt-Waren in einem drei mal drei Meter großen Holzkubus angeboten werden. Dieser wird wie eine offene Holzhütte ebenfalls im Eingangsbereich aufgestellt und soll das Angebot noch einmal sichtbarer machen.

Nachhaltigkeitspreis und Gründungsstipendium

Für das Konzept ist das Plietsch-Duo bereits mehrfach ausgezeichnet worden. So gab es einen Nachhaltigkeitspreis der Sparkassenstiftung Lüneburg sowie ein Gründungsstipendium der Universitäten Malmö und Lund, wo beide ihr Masterstudium absolvieren. Damit ihr Projekt läuft, investieren die beiden Unverpackt-Unternehmer viele Arbeitsstunden.

„Es erfordert auf jeden Fall unsere volle Aufmerksamkeit“, sagt Henrik Siepelmeyer. Ihr Ziel ist es, dass die investierte Zeit sich selbst finanziert. Deshalb setzen sie auf gesundes Wachstum. „Wir wollen in diesem Jahr insgesamt fünf Standorte im norddeutschen Raum eröffnen“, sagt der Gründer. Hamburg und Schleswig-Holstein seien ziemlich sicher dabei und auch mit Supermärkten in Berlin gebe es Gespräche.

Erster „Plietsch“-Standort im Jahr 2017

Plietsch ist mit einem ersten Standort im Oktober 2017 in Lüneburg gestartet. Bei Edeka Bergmann gibt es ein ähnliches Sortiment, wie es nun für Hittfeld geplant ist. Weitere Informationen zum Konzept und zum Beratungsangebot gibt es im Internet auf www.plietsch-unverpackt.de.