Harburg
Bilanz und Ausblick

Rekord: Fast 250.000 Besucher am Kiekeberg

Die Königsberger Straße soll fertig werden. Neben der Tankstelle steht jetzt schon das Siedlungsdoppelhaus, in dem im Mai eine Ausstellung eröffnet wird.

Die Königsberger Straße soll fertig werden. Neben der Tankstelle steht jetzt schon das Siedlungsdoppelhaus, in dem im Mai eine Ausstellung eröffnet wird.

Foto: FLMK/Frenzel&Frenzel / HA

Drittes Haus für die „Königsberger Straße“soll im Sommer aufgestellt werden. Museum plant Lego-Sonderausstellung für den Herbst.

Ehestorf.  Neuer Rekord für das Freilichtmuseum am Kiekeberg: Mit 248.519 Menschen einschließlich aller Außenstellen kamen 2019 so viele Besucher wie noch nie. Während die Zahlen in den Außenstellen stabil blieben, besuchten knapp 4000 Menschen mehr das Freilichtmuseum. Erstmals wurde mit 222.218 Gästen die Marke von 220.000 übertroffen.

Klaus-Wilfried Kienert, der Vorsitzende der Museumsstiftung, nannte beim Jahresgespräch mehrere Gründe für die Entwicklung. So investierte das Museum in Informations-Angebote auf dem Gelände sowie neue Sitzmöglichkeiten. Zudem habe es viele attraktive Veranstaltungen gegeben, die Zuschauer ins Museum lockten. Auch die Tankstelle in der „Königsberger Straße“ habe sich sofort zum Publikumsmagneten entwickelt.

Noch ist die Königsberger Straße im Freilichtmuseum am Kiekeberg allerdings eine große Baustelle. Aber immerhin ist die Tankstelle von 1954 aus Stade nun nicht mehr ganz allein: Direkt nebenan steht seit einiger Zeit ein Siedlungsdoppelhaus. Was von außen schon fertig aussieht, ist allerdings innen noch ein grauer Rohbau. Am 8. Mai, 75 Jahre nach Kriegsende, soll in dem Doppelhaus das Herzstück des Areals eröffnet werden: Eine Ausstellung auf gut 100 Quadratmetern, die sich mit der Nachkriegsgeschichte im Landkreis Harburg beschäftigt.

Der Landkreis sei ein Brennglas historischer Entwicklungen, sagte Museumsdirektor Stefan Zimmermann. „Wir wollen zeigen: Wie wirkt sich die große Geschichte konkret auf die Menschen im Landkreis aus?“

Viele Menschen mussten untergebracht werden

Der erste Teil der Ausstellung beschäftigt sich mit der Nachkriegszeit. „Das waren unglaublich spannende Jahre“, sagte Landrat Rainer Rempe. So stehe der Landkreis exemplarisch für die junge Bundesrepublik. Die Bevölkerung habe sich durch die vielen Flüchtlinge, von denen ein Großteil aus Ostpreußen stammte, verdoppelt. „Die Menschen waren plötzlich da und mussten untergebracht werden.“

Auch die Aufbruchszeit der 1950er- und 1960er-Jahre soll in der Ausstellung thematisiert werden. „Wir zeigen, wie sich der Landkreis verändert hat“, sagte Zimmermann. Dabei setzt er auch auf die Erfahrungen der Besucher. Diese könnten sich als Zeitzeugen interviewen lassen und so selbst zu einem Teil der Ausstellung werden.

Durch einen modularen Aufbau bleibt die Ausstellung auch nach der Eröffnung flexibel und könne neue Themen integrieren. Man wolle aber nicht in der Vergangenheit verharren, sondern aktuelle Bezüge herstellen. So ist der letzte Teil der Ausstellung dem Thema „Heimat“ gewidmet. „Das Museum ruht sich nicht auf der Geschichte aus, sondern schlägt den Bogen in Gegenwart und Zukunft“, sagte Landrat Rainer Rempe. „Ich würde mir wünschen, dass wir uns manchmal daran erinnern, was wir im Landkreis schon alles geschafft haben.“

Schlichtes Häuschen mit spannender Geschichte

Die Königsberger Straße wird in diesem Jahr noch um ein weiteres Gebäude wachsen: Für Mai/Juni ist die Versetzung eines originalen Flüchtlings-Siedlungshauses aus Tostedt geplant. „Das ist ein schlichtes Häuschen mit einer spannenden Geschichte“, sagte Zimmermann.

Für den Betrieb des wachsenden Geländes benötigt das Museum viele Mitarbeiter. Der Erfolg des Museums sei auch den 360 ehrenamtlichen Helfern zu verdanken, so Heiner Schönecke, der Vorsitzende des Fördervereins. Seit der Gründung 1989 wuchs der Verein kontinuierlich auf heute mehr als 13.000 Mitglieder. Über die Beiträge habe der Verein jährliche Einnahmen von 1,6 Millionen Euro, mit denen man viele Projekte unterstützen könne. „Wir wissen, dass jeder hier angelegte Euro gut investiert ist“, ist Schönecke sicher.

Thema „Handwerk“ bekommt dauerhaften Platz

Auch im neuen Jahr will das Museum mit zahlreichen Aktionen Besucher anlocken. Die im vergangenen Jahr gestartete Reihe „Sonntags im Museum“ wird fortgesetzt. Zudem soll nach einer Sonderausstellung im vergangenen Jahr das Thema „Handwerk“ einen dauerhaften Platz im Freilichtmuseum finden. „Das Thema treibt uns um“, sagte Zimmermann.

Spielzeugliebhaber dürfen sich auf den Herbst freuen: Ab dem 15. November wird am Kiekeberg für drei Monate eine Lego-Sonderausstellung zu sehen sein. Für den Aufbau der vielen kleinen Steine bekommt das Museum Hilfe durch den Verein Stein Hanse. „Die werden“, verspricht Zimmermann, „echte Lego-Landschaften entstehen lassen.“